Corona stellt Wahlkampf auf den Kopf: Vredens Bürgermeisterkandidaten reagieren

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Vier Kandidaten gibt es bisher für die Bürgermeisterwahl am 13. September. Eigentlich würde der Wahlkampf so langsam in die heiße Phase gehen. Doch Corona stellt vieles auf den Kopf.

Vreden

, 05.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das hatten sich die vier Anwärter für das Amt des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin in Vreden bei Bekanntgabe ihrer Kandidatur sicherlich ganz anders vorgestellt. Statt aktuell bei Schützenfesten, Generalversammlungen oder in der Innenstadt die Werbetrommel zu rühren, ruht der physische Wahlkampf aktuell. Selbst in den sozialen Medien ist es erstaunlich ruhig. So hat es zumindest auf den ersten Blick den Anschein. Die Corona-Krise stellt auch hier vieles auf den Kopf.

Ein echter Drahtseilakt, denn der Countdown zur Kommunalwahl am 13. September läuft. Auf Anfrage der Redaktion berichten (in alphabetischer Reihenfolge) Elmar Kampshoff (UWG), Tom Tenostendarp (CDU), Gertrud Welper (Die Grünen) und Norbert Wesseler (SPD), wie sich die Situation seit Ausbruch des Coronavirus verändert hat.

Elmar Kampshoff (UWG): Als Elmar Kampshoff Ende Februar bekanntgab, dass er Vredenes neuer Bürgermeister werden möchte, zeigte er sich gewohnt kampfeslustig. „Die Vredener fühlen sich nicht gehört, nicht mitgenommen“, sagte er damals. Doch das war vor Corona. Nun schlägt er andere Töne an. „Ehrlich gesagt haben die Leute gerade andere Sorgen als Wahlkampf. Deshalb halte ich mich weitgehend zurück.“

Im Hintergrund schmiedet er allerdings trotzdem Pläne: „Wenn die Krise langsam abebbt, braucht es eine Zukunftsperspektive. Ich werde mir die Sorgen der Vredener genau anhören.“ Auch die wirtschaftlichen Herausforderungen hat er im Blick: „Die Krise wird die Stadt hart treffen. Da reicht schon ein Blick die Einbußen bei der Gewerbesteuer. Da brauchen wir kreative Lösungen.“

Ganz aufgegeben hat er die Hoffnung noch nicht, außerhalb der digitalen Medien Wahlkampf führen zu können: „Wenn man die Regeln - vor allem den Sicherheitsabstand - beachtet, kann man zukünftig wahrscheinlich auch wieder von Angesicht zu Angesicht miteinander reden. Denn eines ist klar: Ein Statement in den sozialen Medien ersetzt niemals das direkte Gespräch.“

Für die Politik des amtierenden Bürgermeisters Dr. Christoph Holtwisch hat er lobende Worte übrig: „Er macht gerade gute Arbeit im Krisenmanagement.“

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Tom Tenostendarp (CDU): Der 28-Jährige hatte bereits Anfang des Jahres mit seinem Team weite Teile seines Wahlprogramms ausgearbeitet. „Wegen der Corona-Pandemie mussten wir jetzt vieles umschmeißen“, erklärt er. Obwohl er in den sozialen Medien weiterhin aktiv ist, weiß er auch: „Der persönliche Kontakt ist am wichtigsten - und der wird bis zur Wahl schwierig.“

Deshalb legt er den Fokus noch mehr auf Online-Inhalte: „Wir wollen demnächst einen Podcast machen, in dem ich mich mit Vredener Persönlichkeiten unterhalte. Da soll es um die nächste Wahlperiode, aber auch um die Fragen der Bevölkerung gehen.“ Auch die eigene Homepage soll zeitnah an den Start gehen.

Auf die Frage, ob die Corona-Pandemie sich als Wahlkampfthema eignet, antwortet er mit einem klaren: „Ja.“ Man müsse nun zum Beispiel genau schauen, wie man die Verwaltung und kleinere Betriebe auf vergleichbare Situationen in der Zukunft vorbereitet. „Homeoffice darf kein großes Problem mehr darstellen“, sagt Tenostendarp.

Andererseits warnt er ebenfalls vor Populismus: „Da sollten wir uns alle vor hüten. Lockerungen sind zum Beispiel kein kommunales Thema.“ Statt auf einem Schlagabtausch mit den anderen Kandidaten setzt er aktuell eher auf kleinere Aktionen. „Wir haben zum Beispiel 600 Packungen Kreide an Vredener Kinder verschenkt. Das wurde toll angenommen.“

Gertrud Welper (Die Grünen): Gertrud Welper räumt zwar ebenfalls ein, dass es aktuell vergleichsweise ruhig zugeht. Ruhen lassen will sie den Wahlkampf aber während der Corona-Pandemie nicht. „Natürlich fällt etwas weg, aber ich versuche, den Kontakt über Telefon und Videokonferenzen herzustellen. Wir machen uns viele Gedanken, wie wir unsere Ideen trotz Beschränkungen an die Frau oder den Mann bringen können.“

Dabei setzt sie vor allem auf digitale Mittel. „Wir starten zeitnah eine Online-Kampagne mit kleinen Videos für die Plattformen Twitter, Facebook und Instagram.“ Für die ältere Generation möchte sie eine Bürgersprechstunde anbieten. „Zur Not per Telefon.“

Bewusst verzichten möchte man auf eine „Materialschlacht“, wie Welper es nennt. „Wir werden nicht mit Flyern, Kugelschreibern und Süßigkeiten um uns werfen.“ Das entspreche nicht ihrer Philosophie der Nachhaltigkeit. „Stattdessen verteilen wir zum Beispiel Sonnenblumen.“

Das Thema Corona sieht Gertrud Welper nur bedingt als Wahlkampfthema: „Wir werden sicher nicht - wie es die FDP auf Bundesebene getan hat - vorpreschen und irgendwelche vorschnellen Lockerungen fordern. Das wäre einfach nur populistisch.“

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Norbert Wesseler (SPD): Für den Düsseldorfer Polizeipräsidenten ruht der Wahlkampf aktuell. Auch deshalb, weil er bisher noch nicht offiziell von den Mitgliedern der SPD bestätigt werden konnte. „Der für den 22. März geplante Parteitag musste verschoben werden“, erklärt er am Telefon.

Doch auch sonst sei es aktuell schwer, einen echten Wahlkampf zu führen: „Bei meinen vorherigen Kandidaturen empfand ich den direkten Dialog zu den Bürgern als sehr aufschlussreich und erfüllend. Diese Möglichkeit ist einem heute fast komplett genommen.“ Dadurch falle es ihm aktuell schwer, Stimmungen in der Stadt aufzufangen.

Nun hofft er, dass sich die Situation zeitnah ändert. „Entscheidend sind ja immer die sechs Wochen vor einer Wahl. Da nimmt alles noch einmal richtig Fahrt auf.“ Von einem großen Wahlprogramm hält er im Übrigen zu einem so frühen Zeitpunkt nichts: „Die Situation ändert sich ständig, das sieht man gerade jetzt. Da halte ich es nicht für wahnsinnig geschickt, tausend Projekte zu versprechen, die später nicht erfüllt werden können.“

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