Coronavirus: Zu viele Menschen besuchen das Zwillbrocker Venn – was sind Alternativen?

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Die Flamingos treffen jetzt im Zwillbrocker Venn ein und mit ihnen viele Besucher. Aufgrund der aktuellen Abstandsregeln ist das problematisch. Wo sind noch spannende Beobachtungen möglich?

von Andreas Bäumer

Vreden

, 28.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Zwillbrocker Venn ist die Flamingo-Insel mit einem Graben versehen worden. Die Regenfälle zu Anfang des Jahres haben nicht ihn und eine große Fläche rundherum gefüllt. Nach und nach kehren die Flamingos zurück und

mit ihnen viele Besucher. Das ist in Corona-Zeiten problematisch.

„Im letzten Jahr zu dieser Zeit kamen mehrere Tausend Besucher an einem Wochenende“, berichtet Regine Kern, Mitarbeiterin des Bildungswerks. Auch am vergangenen Wochenende war der Andrang groß. Die Mitarbeiter der Biologischen Station haben reagiert.

Ausstellung und Aussichtskanzeln sind geschlossen

Damit Besucher Abstand halten, schlossen sie die Ausstellung und die Biologische Station, den Aussichtsturm und die Aussichtskanzeln im Zwillbrocker Venn. Die Eröffnung der Remise, in der Besucher mit Kaffee und Kuchen versorgt werden sollten, verschoben sie in eine unbekannte Zukunft.

Doch für Naturinteressierte hat die Biologische Station alternative Vorschläge. Feuchtwiesen, Moor- und Heidegebiete können derzeit in der Familie oder zu zweit über die insgesamt 450 Kilometer umfassende Flamingoroute entdeckt werden. Hier die Infoseite mit Karten.

Taumelnder Flug, schwarz weiße auffällige Flügel, ungefähr so groß wie Dohlen und etwas elektronisch klingende Schreie: ein Kiebitzpaar über der Feuchtwiese.

Taumelnder Flug, schwarz weiße auffällige Flügel, ungefähr so groß wie Dohlen und etwas elektronisch klingende Schreie: ein Kiebitzpaar über der Feuchtwiese. © Andreas Bäumer

Insgesamt betreut die Station mehr als 3000 Hektar geschütztes Gebiet. In einem davon, den Heubachwiesen bei Reken, zeigt Siobhan Loftus unserer Redaktion, was es derzeit in Feuchtwiesen zu entdecken gibt.

Keine Flamingos, aber Brachvögel, Uferschnepfen und Kiebitze

Loftus ist Biologin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Station. Regelmäßig besucht sie die Heubachwiesen, um herauszufinden, welche Wat- und Wasservögel dort brüten. An diesem frühen Morgen sind wir nicht die einzigen hier.

Ein paar Autos stehen am Straßenrand oder rollen langsam über die schmalen Wirtschaftswege, die das Gebiet durchziehen. Aus ihnen beobachten Vogelfans alles, was hier fliegt und stolziert. „Tatsächlich stören Autos die scheuen Vögel viel weniger, als Fußgänger“, erklärt Loftus.

Das Schutzgebiet ist ein 468 Hektar großer Verbund extensiv bewirtschafteter Feuchtwiesen. Sie werden selten gemäht und nicht gedüngt, teils beweiden sie kleine Rinderherden. Naturschützer halten außerdem kleine Wasserflächen, die Blänken, frei.

Ein Paar macht sich heimisch

Dies zieht zum Beispiel den Großen Brachvogel an, den etwa krähengroßen Watvogel mit langen Beinen und langem gebogenen Schnabel. Loftus zeigt auf ein Paar dieser Vögel. Einer von ihnen landet gerade und lässt ein Trillern weit erklingen, der Partner schreitet zwischen den Binsen-Bulten. Beider Geschlecht ist aus der Ferne schwer zu erkennen.

Das Schwarzkehlchen putzt sich auf einem Zweig.

Das Schwarzkehlchen putzt sich auf einem Zweig. © Andreas Bäumer

„Das ist vielleicht schon Revierverhalten“, sagt Loftus. Schon vorgestern hat sie das Paar auf ihrer Karte verzeichnet. „Wenn ich es in 10 und auch in 20 Tagen genau auf dieser Wiese wieder entdecke und sie solches Verhalten zeigen, dann kann ich sie als Brutpaar eintragen.“

Uferschnepfen und Kiebitze

Neben dem Großen Brachvogel brüten hier häufig Uferschnepfen und auch Kiebitze. Zwei dieser schwarz-weißen Vögeln mit ihren pfannenartigen Flügeln fliegen taumelnd über einer Blänke. „Sie machen Geräusche, die etwas elektronisch klingen“, sagt Loftus.

Es scheint fast, als wollten die Kiebitze eine Uferschnepfe verscheuchen. Loftus dazu: „In den Feuchtwiesen hier drängt es sich manchmal, weil es in dieser Gegend so wenige gibt.“

An diesem Morgen werden wir noch einen Trupp Goldregenpfeifer sehen, der hier nur Rast macht. Graugänse gleiten über die Wiesen und Schwarzkehlchen flattern durch die Hecken. Einiges ist anders hier als in den heimischen Gärten und in den Forsten rundherum.

Eine Graugans in den Heubachwiesen. Graugänse sind die wilden Vorfahren der domestizierten Hausgänse. Sie zählen in Mitteleuropa zu den häufigsten Wasservögeln.

Eine Graugans in den Heubachwiesen. Graugänse sind die wilden Vorfahren der domestizierten Hausgänse. Sie zählen in Mitteleuropa zu den häufigsten Wasservögeln. © Andreas Bäumer

Loftus gibt Tipps zur Entdeckung der Schutzgebiete: Ein mittelgroßes Fernglas ist sehr hilfreich. Morgens früh sind die Wat- und Wasservögel sehr aktiv. Und natürlich: Müll wieder mit nach Hause nehmen. Hunde anleinen. Auf den Wegen bleiben.

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