Coronavirus: Hin und Her um die Krankschreibung per Telefon

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Die Krankschreibung per Telefon schien passé. Nach massiver Kritik gilt die Ausnahmeregelung in der Coronakrise doch weiter. Dr. Ulf Lütkemeier in Vreden bleibt bei beiden Regelungen entspannt.

Vreden

, 20.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer wegen einer Erkältung oder Atemwegsbeschwerden nicht arbeiten gehen kann, musste eigentlich seit Montag wieder persönlich zum Hausarzt gehen. Die Krankschreibung am Telefon war nicht mehr möglich. In der Vredener Gemeinschaftspraxis Lütkemeier-Windmeier hatte das am Montag noch keine Auswirkungen. Es kamen nicht mehr Patienten. Bundesweit war die Kritik dagegen sehr laut. Und erfolgreich.

Die Ausnahmeregelung soll nun, anders als am Freitag verkündet, doch verlängert werden. Das teilte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen am Montag mit. Damit wurde auf die Kritik reagiert, die unter anderem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kam. Auch der Hausärzteverband Westfalen-Lippe hatte sich kritisch geäußert.

Krankschreibung wird auf eine Woche begrenzt

Die Arbeitgeberverbände hatten die Beendung der Ausnahmeregelung dagegen begrüßt. Die Dynamik der Neuinfektionen sei inzwischen „deutlich verlangsamt“ worden, so die ursprüngliche Begründung des G-BA. Jetzt will man die Regelung bis zum 4. Mai lassen, die Krankschreibung allerdings auf eine Woche begrenzen. Eine Verlängerung um eine weitere Woche soll möglich sein.

Die Befürworter der Krankschreibung per Telefon argumentierten, man wolle die Patienten mit Corona-Verdacht nicht in den Praxen haben. Ein Argument, das Dr. Ulf Lütkemeier verstehen kann. Vor Ort in der Vredener Gemeinschaftspraxis an der Neustraße sagt er: „Das Risiko, dass ein Covid-19-Patient in unsere Praxis kommt, steigt dann sicherlich. Das lässt mich aber nicht unruhig schlafen.“

Menschen blicken differenzierter auf die Corona-Pandemie

Grund ist die Entwicklung der vergangenen Wochen. „Die Unruhe hat sich gelegt. Die Abläufe sind viel klarer. Die Menschen sind differenzierter“, so der Vredener Mediziner.

Er blickt zurück zu den Anfängen. Damals herrschte große Unsicherheit. Wer fürchtete, sich angesteckt zu haben, konnte gleich viele Menschen nennen, mit denen er in Kontakt war – Familie, Freunde, Kollegen im Großraumbüro. Ein Rattenschwanz. Heute haben die meisten nur wenige Kontakte. In den ersten Tagen der Ausnahmeregelung vor vier Wochen nutzten deshalb auch viele Menschen die Möglichkeit, sich am Telefon eine Krankschreibung zu besorgen, so Lütkemeier.

Doch in den vergangenen Wochen habe die Zahl massiv abgenommen. „Das Wissen um die Symptome wird immer größer“, so der Vredener Arzt. Dazu komme, dass am Anfang es schwierig gewesen sei, die richtigen Anlaufstellen zu finden. Das alles habe sich eingespielt. Inzwischen gibt es das Behandlungszentrum in Legden, in das Patienten ohne Umweg über ihren Hausarzt gehen können. Und außerdem rufen Patienten erst in der Praxis an, bevor sie sich auf den Weg machen. Da kann eine Infektion mit dem Coronavirus schon mal abgeklärt werden.

In der Gemeinschaftspraxis ist es sehr, sehr ruhig

Auch in der Praxis selbst haben sich die Abläufe mitsamt Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingespielt. Sodass Ulf Lütkemeier es nicht den Schlaf raubt, wenn demnächst nach einem Ende der Ausnahmeregelung Patienten mit Symptomen einer Erkältung oder eben einer Corona-Infektion in der Praxis stehen. Und sie werden kommen, so Lütkemeier, weil es eben auch atypische Symptome gebe, bei denen man nicht sofort an den Coronavirus denke.

In seiner Praxis ist es ruhiger als gewöhnlich: „Sehr, sehr ruhig“. Das liegt zum einen daran, dass virale Infekte mit den wärmeren Temperaturen wie immer im Frühling weniger werden. Zum anderen bleiben Patienten weg, die sonst zu Routine-oder Vorsorgeuntersuchungen kommen oder leichte Beschwerden haben. Auch der Besuch der Ärzte im Altenheim fällt weg.

Lütkemeier kennt Kollegen, denen es ähnlich geht und die sogar schon Kurzarbeit für Mitarbeiter angemeldet haben. Soweit ist es in der Gemeinschaftspraxis in Vreden nicht. Zudem merkt der Arzt, dass die Patienten mit den normalen Problemen langsam wiederkommen. Mit steigenden Informationen, mit dem Wissen um den richtigen Schutz und der Entwicklung mit nicht rasant steigenden Neuinfektionen sinke die Angst, sich in der Arztpraxis anzustecken. Und Arztbesuche, die verschoben wurden, werden jetzt wieder vereinbart.

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