Die Chancen der Mehrsprachigkeit sehen und nutzen

"Rucksack-Projekt"

Mit vielen neuen Erfahrungen und Erkenntnissen haben insgesamt 14 Mütter in den vergangenen 14 Monaten einen „Rucksack“ gefüllt – im gleichnamigen Projekt für Frauen und Kinder mit Zuwanderungsgeschichte.

VREDEN

von Von Anne Winter-Weckenbrock

, 24.02.2011, 18:24 Uhr / Lesedauer: 3 min

Carmen Esposito-Stumberger hatte für die VHS die Leitung der Gruppe übernommen bei dem Projekt, bei dem die Mütter als Expertinnen für die Erziehung ihrer Kinder sowie das Erlernen der Muttersprache angesprochen waren. In der Projektzeit trafen sich die Arabisch, Albanisch, Portugiesisch oder Türkisch sprechenden Frauen wöchentlich und erhielten – anhand von 15 Themenbereichen – Anregungen, wie sie ihre Kinder in der muttersprachlichen Entwicklung mit täglich wechselnden Aktivitäten fördern können. Wortschatz erweitern Gleichzeitig konnten die Kinder im Kindergarten zusammen mit ihrer Gruppenleiterin Frederike Abbing ihren deutschen Wortschatz zu denselben Themenbereichen erweitern und einüben. Und bei den gemeinsamen Hausaufgaben zu Hause ging es dann mit Hilfe speziell für das Rucksack-Projekt erstellter Bücher in gemeinsamer spielerischer Arbeit von Müttern und Kindern weiter. „Ich habe hier viele Ideen bekommen“, zog Teilnehmerin Rasime Zogaj eine positive Bilanz. Seit elf Jahren lebt die Kosovo-Albanerin mit ihrem Mann und den zwei Kindern in Vreden – und spricht gut Deutsch: „Es gibt Wörter, die kommen schneller auf Deutsch als auf Albanisch raus“, gibt sie zu und schmunzelt. Aber die Anregung, Lieder aus ihrer Kindheit auf Albanisch zu singen, sei auch bei ihren Kindern sehr gut angekommen. „Die Muttersprache richtig zu erlernen ist wichtig, um dann die Zweitsprache beherrschen zu können“, erläutert Carmen Esposito-Stumberger die Grundidee des Projekts. In Vreden seien die Ziele erreicht worden: Die Mütter konnten ihre Eigenpotenziale stärker nutzen und die Mehrsprachigkeit ihrer Kinder als Chance erkennen. Auch hätten sie die Wichtigkeit einer Verbesserung ihrer eigenen Deutschkenntnisse anerkannt, ziehen die Projektpartner Bilanz. Die Kinder erlebten zu Hause eine Atmosphäre der konzentrierten Zuwendung, wurden im alltäglichen Leben öfter einbezogen. Ihre sprachlichen Leistungen wurden durch die Unterstützung der Eltern einerseits und das Familienzentrum andererseits positiv beeinflusst.

Mehrsprachigkeit als Potenzial der Kinder bedeute bessere Bildungschancen und kommunikative Kompetenz, betonte Adelheid Boer. Da die Sprache der erste Schritt zur Integration sei, könnten sich alle Beteiligten nur wünschen, dass das Projekt fortgesetzt werden kann. „Schade, dass die Zeit vorbei ist, es hat mir sehr viel Spaß gemacht mit den internationalen Frauen hier“, fasste Rasime Zogaj zusammen, und die anderen Frauen stimmten ihr zu. Gemeinsam haben sie Themenbereiche und Bücher bearbeitet, aber auch gebastelt, international gekocht und Rezepte ausgetauscht. Ein Besuch im Hamaland-Museum, drei Besuche in der Bücherei und eine Stadtführung brachte den Frauen die Kultur und ihre Lebensumgebung näher – und auch über ihren gemeinsamen muslimischen Glauben wurde viel diskutiert und sich ausgetauscht. Ein Besuch in den Vredener Kirchen zählte in diesem Zusammenhang auch zum Programm. Am vergangenen Samstag erlebten alle einen spannenden und kreativen Nachmittag im Atelier der Künstlerin Ilona Gorecka-Sonnewend auf dem Hof am Mühlenbach in Legden. Dort erlebten sie die Kunst als universelle Sprache, die Kulturen verbindet.

  • In Kürze: Das Projekt stammt aus den Niederlanden und wurde 1999 von der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien übersetzt und überarbeitet. In Vreden wurde es unter Federführung der Volkshochschule in Kooperation mit der Stadt Vreden, dem Kreis Borken, dem SKF sowie den beteiligten Familienzentren MultiFaz und Sterntaler statt. Finanzielle Unterstütztung leistete die Stiftung der Sparkasse. Die beteiligten Partner ziehen eine rundum positive Bilanz und hoffen, dass das Projekt fortgesetzt werden kann.
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