„Dit un dat“ hat Glück gehabt

Haushaltslädchen kommt gut an

Neuwaren finden die Kunden nicht im "Dit un’ Dat". Das Lädchen bietet an, was andere Menschen für sich nicht mehr brauchen. Das Echo auf das neue Angebot in Vreden freut die Initiatoren sehr. Und ihre Hoffnung ging auf: Die Kundschaft ist bunt gemischt.

VREDEN

, 23.12.2016, 17:17 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eine Kerze in einem Glas, auf einem Bett aus Sand stehend, präsentiert auf einem Spitzendeckchen, das auf der Marmorplatte eines blank polierten alten Nachtschränkchens liegt. Der Blick durchs Schaufenster wandert weiter durch das Glas der Schaufensterfront, über Weihnachtsdekorationen und Blumen, die mit viel Platz links und rechts von sich die Kunden ansprechen sollen.

Viel Ware in den Regalen

Zwei Ohrensessel stehen in dem dahinter liegenden Raum des Geschäfts an der Windmühlenstraße in Vreden. In dem weißgehaltenen Ladenlokal steht ein Esstisch auf einem Teppich, darauf scheint ein Essgeschirr nur darauf zu warten, dass sich Gäste an die gedeckte Tafel setzen und zusammen feiern. An der Stirnseite des Raumes stehen Regale: Teller und Tassen, Schüsseln und Saucieren stapeln sich dort. Eine Frau nimmt eine Suppentasse in die Hand und betrachtet sie prüfend.

Sie ist nicht allein. Im Minutentakt läutet die Türklingel des Geschäfts, das vor einigen Wochen seine Pforten geöffnet hat: "Dit un’ Dat" heißt es, und auch wenn es auf der ersten Blick anders wirken mag: Die Kunden finden dort keine Neuwaren vor, sondern das, was andere Menschen für sich nicht mehr brauchten.

Ehrenamtliche Helfer

Das Echo hat die ehrenamtlichen Mitarbeiter ebenso überwältigt wie Silke Hessing und Silke Temming vom Sozialdienst katholischer Frauen. Dieser trägt gemeinsam mit dem Bündnis für Familie das Projekt. Niemand wusste, wie die Vredener auf ein solches Angebot reagieren würden. Denn "Dit un’ Dat" besitzt zwar einen sozialen Anspruch, hat aber ein darüber hinaus gehendes Selbstverständnis - eben "für jeden wat": "Wir wollen ja alle Kundenschichten ansprechen", sagt Silke Hessing. Das hat geklappt: Sozial Schwächere und Stärkere finden sich dort in gleicher Weise ein: die Asylbewerberin auf der Suche nach einer preiswerten Ergänzung für den schmalen Hausrat ihrer Familie ebenso wie die Freundin klassischen Geschirrs.

Zweimal in der Woche geöffnet

"Das kenne ich noch von meiner Mutter", ruft eine junge Frau. Sie hält einen kunstvoll gestalteten Untersetzer in der Hand. Anne-Marie Beckmann hat diesen Aha-Effekt schon mehrfach miterlebt. Sie arbeitet von Anfang an mit in dem Geschäft - als eine im Team von inzwischen 26 Ehrenamtlichen. Es gibt für alle immer viel zu tun: Sie nehmen gespendete Haushaltswaren an, sortieren, bereiten sie auf und kümmern sich um den Betrieb im Geschäft. In der Vorweihnachtszeit eine fordernde Aufgabe. "Es wäre ideal, wenn immer drei Kräfte da wären", sagt Silke Hessing. Das lässt sich nicht an jedem Öffnungstag umsetzen: Die Ehrenamtlichen arbeiten dort so oft, wie sie es für sich selbst möchten und können. "Dit un’ dat" öffnet zwei mal pro Woche: montags und donnerstags jeweils von neun bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr. "Wir würden uns natürlich über noch mehr Mitstreiter freuen", sagt Silke Temming. Das könnte den Spielraum ermöglichen, die Öffnungszeiten noch auszuweiten.

Viele Spenden aus der Bevölkerung haben den Weg zu "Dit un’ Dat" gefunden - alles ist dabei, was in einem Haushalt benötigt wird: neben Geschirr und Besteck, Gläsern und einigen Haushaltsgeräten etwa kleine Möbel und Dekoratives.

Luftiges Ambiente

Auch aus dem Haushaltswarenlager ist einiges in das Sortiment geflossen. Was nicht bedeutet, dass sich alles, was ankommt, sofort in den Verkaufsregalen wiederfindet. "Wir wollen, dass der Laden sein luftiges, ansprechendes Ambiente behält", sagt Silke Hessing.

Der Strom der Kunden reißt unterdessen nicht ab. Die Mitarbeiterinnen nehmen sich dennoch Zeit für jeden, und manche kennen sich schon länger - und aus anderem Zusammenhang. "Sehen wir uns morgen im Twicklertreff?", fragt Nika Engesser eine junge Migrantin, bevor diese mit ihrem Kauf den Laden verlässt.

Erlös für Projekte des SKF

Helga Witte nimmt sich weiter Zeit, um durch das Sortiment zu stöbern. Die Vredenerin hat selbst schon etwas dafür gespendet. "Es macht mir großen Spaß, hier vorbeizuschauen und etwas zu stöbern", sagt die Vredenerin. Sie findet das neue Angebot gut: "Es gibt doch oft etwas, das noch zum Wegwerfen zu schade ist. Hier findet es noch jemanden, der es gebrauchen kann."

Der Verkauf nützt aber auch darüber hinaus noch anderen. Was nach Abzug der Kosten übrig bleibt, fließt vor Ort in Projekte des SKF. "Dit un’ Dat - für jeden wat": Das steht auch für einen sozialen Anspruch, den jeder hilft einzulösen, der das Projekt mitträgt. Ob als Mitarbeiter, Spender oder Kunde.

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