Dr. Arnulf Lehmköster über seine Arbeit für Interplast

Interview

Es hat sich zu einem humanitären Markenzeichen entwickelt: "Interplast", das steht in Vreden seit mittlerweile 20 Jahren für engagierte medizinische Hilfe in Ländern, in denen die plastische Chirurgie noch nicht so weit entwickelt ist wie in Deutschland. Dr. Arnulf Lehmköster (65) hat die Sektion Vreden aufgebaut. Redakteur Thorsten Ohm blickte im Gespräch mit ihm auf die Anfänge, die Herausforderungen und die Perspektiven für diese Einsätze.

VREDEN

, 12.07.2016 / Lesedauer: 3 min

Wie kam es damals überhaupt dazu, dass Sie sich für Interplast engagierten?

Seinerzeit war ich in Frankfurt zur Ausbildung bei Professor Dr. Gottfried Lemperle. Ich kann mich noch genau an eine Schlüsselszene erinnern: Bei einer Geburtstagsfeier stand das Thema Interplast im Mittelpunkt. Dr. Lemperle war dort aktiv, und ich interessierte mich dafür, bei einem Einsatz dabei zu sein. Seine Antwort: "Nein, Sie nehme ich nicht mit." Die Begründung lieferte er nach: Ich sollte selbst fahren.

Wer waren Ihre Mitstreiter, als Sie etwas später zum ersten Mal nach Pakistan aufbrachen?

Unser Team fand sich schnell. Silvia Geling war als Krankenschwester dabei und ist es bis heute geblieben. Zum Team gehörte auch Dr. Hassan al Atar als Anästhesist und der Arzt Dr. Enno Barlag.

Was war Ihr Ziel?

Das ist im Grunde genommen über die Jahre immer gleich geblieben: Wir operieren Patienten, und das bedeutet meist eine dramatische Veränderung der Lebensschicksale vieler Betroffener zum Besseren. Wichtig ist uns auch, Kollegen vor Ort auszubilden, Wissen weiterzugeben. Und wir wollen die Infrastruktur am Einsatzort verändern, damit die Patienten dort besser versorgt werden können. Das ist ein großes Thema, auch politisch.

Erinnern Sie sich noch gut an den ersten Einsatz?

Sicher, das war eine ganz prägende Erfahrung. Wir hatten über die Hilfsorganisation Hammer Forum Patienten hier in Vreden, und so ergab sich ein Kontakt nach Quetta in Pakistan. Heute ist das eine Hochburg der Taliban. Wir haben dort vielen Menschen helfen können. Die militärische Hinterlassenschaft der Sowjets hatte in Afghanistan viele noch lange nach dem Abzug verletzt oder getötet. Als wir zurückflogen, war uns klar: Es ist sinnvoll, dort zu helfen. Mit dem Hammer Forum arbeiten wir übrigens bis heute gut zusammen.

Wie ist es um die Zukunft bestellt?

Wir müssen uns bei Interplast zum Glück keine Personalsorgen machen. Es gibt mehr Bewerber, als wir zu Einsätzen mitnehmen können. Darüber bin ich sehr froh.

Wie wichtig ist die Öffentlichkeitsarbeit für Sie?

Sie ist unverzichtbar. Und dadurch können auch wieder neue Kontakte erstehen. Ein Beispiel: Der leider schon verstorbene Ahauser Augenarzt Dr. Achim Belger, der selbst im Hammer Forum aktiv war, hatte seinerzeit einen Zeitungsbericht über unseren Einsatz gelesen, und er brachte uns dazu, nach Eritrea zu fahren und Druckliegegeschwüre zu behandeln. Das war unser erster Einsatz in Afrika, dem noch viele folgen sollten.

Wohin führte Sie der Weg in den folgenden Jahren?

Wir hatten weitere Einsätze in Pakistan und in Eritrea, wir halfen Menschen in Afghanistan, dann kam Nepal hinzu. Als wir hier ein Mädchen aus Ruanda behandelten, sollte uns das in dieses afrikanische Land führen. Wir brachten sie heim und sahen, wie viel dort zu tun war und haben gleich operiert. Daraus ergab sich ein Kontakt zu einem deutschen Professor, der uns nach Murunda führte. Und als die Leiterin einer Frauengruppe im Nachbarland Uganda darüber im Internet las, nahm sie Kontakt zu uns auf, wodurch wir dorthin flogen. So ergab sich vieles.

Wo liegen die Arbeitsfelder für die Vredener Interplast-Sektion heute?

Wir sind nach wie vor in Ruanda und in Eritrea tätig, in Uganda und im Kongo, auch immer wieder mal in Nepal.

Wie finanzieren Sie die Einsätze?

Ein Großteil der Spenden und Zuwendungen kommt aus Vreden und der Region. Viele Institutionen, Firmen und Privatpersonen unterstützen unsere Arbeit über Jahre hinweg, dafür sind wir sehr, sehr dankbar.

Haben Sie gezählt, wie viele Einsätze Sie für Interplast hatten?

Ja, die Sektion Vreden kommt inzwischen auf 54 Einsätze. Ich selbst werde in diesem Jahr den 50. Einsatz haben. Insgesamt konnten wir rund 2000 Patienten operieren. Das motiviert mich nach wie vor, etwas für das Leben dieser Menschen tun zu können. Die Planung für das nächste Jahr nimmt schon Gestalt an.

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