Das Unternehmen Dula mit Standorten unter anderem in Vreden und Ahaus entlässt in diesen beiden Orten 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Heek tritt es von einem Grundstückskauf zurück. Die Corona-Krise hat das auf Ladenbau spezialisierte Unternehmen hart getroffen. © Markus Gehring
Corona-Krise

Dula entlässt Mitarbeiter in Vreden und Ahaus und gibt Baupläne in Heek auf

Die Corona-Krise sorgt im Unternehmen Dula für massive Probleme: Der Ladenbau-Spezialist mit Standorten in Vreden und Ahaus entlässt Mitarbeiter und gibt ein großes Bauprojekt auf.

Das Unternehmen Dula, mit Standorten unter anderem in Vreden und Ahaus, bekommt die Corona-Pandemie massiv zu spüren und reagiert: 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Vreden und Ahaus wurden gekündigt oder haben Aufhebungsverträge angeboten bekommen.

Dula – die Kurzform von Dustmann Ladenbau – besteht seit 1953 und hat sich auf ganzheitliche Ladengestaltung und exklusiven Innenausbau spezialisiert. Zu den Kunden zählen internationale Größen: beispielsweise Apple, Michael Kors, BMW oder die Meyer-Werft: So war Dula für die Einrichtung von Kreuzfahrtschiffen wie die „MS Deutschland“ tätig.

„Aktuelle Situation zwingt uns zu Maßnahmen“

Auf die Kündigungen angesprochen, antwortet das Unternehmen schriftlich. In der Stellungnahme erklärt der Geschäftsführer der Dula-Gruppe Heinz-Herbert Dustmann: „Die aktuelle Situation, von der viele Unternehmen in Deutschland, Europa und weltweit betroffen sind, zwingt uns ebenso zu Maßnahmen, um uns dem (zurzeit) gesunkenen Umsatz und den Erwartungen anzupassen. Dies aber, nachdem wir gerade über zehn Jahre massives Wachstum hatten.“

An den Standorten Vreden, Ahaus und in der Hauptverwaltung in Dortmund komme es gerade zu Anpassungen: Insgesamt gehe es um etwas mehr als 30 Arbeitsplätze. Um welche Art von Arbeitsplätzen es sich dabei handelt, sagt das Unternehmen nicht.

Stimmung unter den Mitarbeitern soll katastrophal sein

Insgesamt beschäftigt die Dula-Gruppe in Deutschland rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Von diesen verlautete in den vergangenen Tagen, dass die Stimmung in der Firma aktuell katastrophal sei. Wegen der Kündigungen. Die Leute hätten direkt ihre Sachen packen und das Gelände verlassen müssen: „Der Firma geht es ziemlich beschissen. Haben seit Januar letzten Jahres mit Ausnahme von zwei bis drei Monaten fast immer Kurzarbeit gehabt.“ Offiziell bestätigt das niemand. Auch namentlich möchte niemand genannt werden.

In der Stellungnahme von Heinz-Herbert Dustmann heißt es zu den aktuellen Aussichten: „Wir haben eine sehr solide Basis und hohe Sicherheitsreserven, die es uns ermöglichen, auch solche Phasen einer Krise und Konsolidierung durchzustehen.“ Die Auftragslage sei natürlich nicht so gut wie in vergangenen Jahren, stabilisiere sich aber nach jetzigem Kenntnisstand auf einer Höhe, die demnächst die angepassten Kapazitäten auslasten werde.

Lage soll sich im zweiten Halbjahr 2021 stabilisieren

Dabei setzte das Unternehmen auf Aufträge sehr starker und solider Kunden, von denen viele weltweit agierten. Trotz der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie sei die Unternehmensgruppe davon überzeugt, dass sich die Lage für Dula bereits im zweiten Halbjahr 2021 stabilisiere und sich dann positiv in 2022 und den folgenden Jahren fortsetzen werde.

Manfred Robert, Gewerkschaftssekretär der IG Metall in Bocholt, bestätigt die Kündigungen auf Nachfrage unserer Redaktion. Die genaue Zahl der Betroffenen mag er nicht kommentieren. Auf jeden Fall sei die gerüchteweise genannte Zahl von bis zu 60 Kündigungen viel zu hoch. Insgesamt sei von der Gewerkschaft auch kein weiteres Eingreifen notwendig gewesen.

IG Metall spricht von „einvernehmlichen Regelungen“

„Es wurden zum Großteil einvernehmliche Regelungen getroffen“, sagt der Gewerkschaftssekretär. Ein Sozialplan oder ein Interessensausgleich sei daher nicht notwendig gewesen. Die Gewerkschaft sei früh über den Personalabbau informiert worden. Für Manfred Robert sei sie auch verhältnismäßig gewesen. „Man muss sich ja nur die aktuelle Lage im Ladenbau vor Augen führen“, erklärt er.

Dula tritt von Grundstückskauf in Heek zurück

Der Personalabbau bei Dula ist jedoch nicht die einzige Reaktion auf diese schlechte Lage: Die Unternehmensgruppe ist auch von einem Grundstücksverkauf zurückgetreten, der bereits 2016 mit der Gemeinde Heek vereinbart wurde. Dort hatte das Unternehmen ein rund acht Hektar großes Grundstück gekauft.

Geplant war, dort einen neuen Standort im Gewerbepark Heek-West zu eröffnen. Von einem Schritt zur Zukunftssicherung hatten Dula-Geschäftsführer Heinz-Herbert Dustmann und Heeks Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff da gesprochen. Nun der Schritt zurück: „Situationsbedingt sind wir hier gerade in Gesprächen mit dem Bürgermeister der Gemeinde Heek, Franz-Josef Weilinghoff, zur Rückabwicklung des Vertrages“, erklärt Heinz-Herbert Dustmann gegenüber unserer Redaktion.

Vertragsunterzeichnung für das Gewerbegrundstück in Heek 2016: Heinz-Herbert Dustmann (r.) und Heeks Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff. In der Corona-Krise ist das Unternehmen schwer getroffen. Der Kaufvertrag wird gerade rückabgewickelt.
Vertragsunterzeichnung für das Gewerbegrundstück in Heek 2016: Heinz-Herbert Dustmann (r.) und Heeks Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff. In der Corona-Krise ist das Unternehmen schwer getroffen. Der Kaufvertrag wird gerade rückabgewickelt. © Dula © Dula

Das bestätigt Franz-Josef Weilinghoff auf Nachfrage. „Wir sind dabei, den Kauf rückabzuwickeln“, erklärt er am Mittwoch. Das habe sich bereits zu Beginn der Pandemie 2020 abgezeichnet. „Im Frühjahr sollten die Bauarbeiten dort eigentlich losgehen“, sagt der Heeker Bürgermeister. Doch schon im April 2020 habe es erste Signale gegeben, dass sich das Projekt erledigt habe.

Heeker Bürgermeister setzt auf die Zukunft

Erst vor kurzem habe es dann aber den finalen Schritt in diese Richtung gegeben. Für die Gemeinde Heek sei das natürlich schade. „Bei dem Bauvorhaben ging es um eine Riesenfläche“, erklärt der Bürgermeister. Gleichzeitig macht er aber auch deutlich, dass es genügend andere Bewerber gebe.

Auch möchte er dem Unternehmen Dula zukünftig noch Chancen einräumen. „Wir sind ein Handwerker-Dorf“, sagt er. Das Unternehmen hätte ideal in das Gewerbegebiet gepasst. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis“, sagt er. Sollte Dula zukünftig noch Interesse an einer Fläche in Heek haben, stehe die Gemeinde gerne bereit. „Wir wissen natürlich nicht, ob wir dann noch Flächen haben“, so Franz-Josef Weilinghoff.

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Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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