EEG-Förderung läuft aus: Erste PV-Anlagen-Pioniere müssen nun handeln

rnErneuerbare Energien

Wer im Jahr 2000 eine Photovoltaik-Anlage installierte, der zählte zu den Pionieren. Die ersten Anlagen fallen nun aus der EEG-Einspeisevergütung. Die Betreiber stehen vor einer Entscheidung.

Vreden

, 10.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 1. Januar 2021 fallen die ersten Photovoltaikanlagen (PV) aus der EEG-Einspeisevergütung. Nach 20 Jahren endet für sie die Förderung. Das heißt: Vom Netzbetreiber erhalten sie für ihren eingespeisten Solarstrom nicht mehr automatisch eine Vergütung. Sie müssen handeln.

„Das ist ein gewaltiges Problem“, weiß auch Wilm Kleingries aus Gaxel. Betroffen seien dabei nicht nur Betreiber von PV-Anlagen, sondern auch von Windkraftanlagen – so wie er selbst. Viele müssten überlegen, ob sie die Anlage stilllegten, ob sie sich lukrativ weiternutzen ließe oder ob ein Ersatz sinnvoller wäre. Sicher sei: Die Module hielten sicher „deutlich länger“ und seien entsprechend leistungsfähig.

Hohe Vergütung sorgte für Boom ab 2000

Eigentümer, die zu Beginn der 2000er-Jahre mit Auflage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eine PV-Anlage errichtet haben, speisen ihren gesamten Strom in das öffentliche Stromnetz ein. Die Solaranlagen waren damals verhältnismäßig teuer, die hohe und fixe Vergütung ermöglichte dennoch einen gewinnbringenden Betrieb. An den Eigenverbrauch dachte so kaum jemand.

Nun wird für diese alten Anlagen bald die EEG-Einspeisevergütung wegbrechen: Allein zum Ende dieses Jahres fallen in Deutschland gut 18.000 Anlagen aus der EEG-Förderung. Bis Ende 2025 sind es über 175.000. Zusammen kommen letztere laut Umweltbundesamt auf eine Leistung von fast zwei Gigawatt, kein gutes Signal für die Energiewende. „Bei der Windkraft fallen sofort noch einmal gut vier Gigawatt weg“, berichtet Kleingries.

Umrüstung auf Eigenverbrauch lohnt sich

Was tun? Eine Anschlussmaßnahme sei es, den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen. Je nach Größe der Anlage und des Stromverbrauchs können rund 20 bis 30 Prozent des Solarstroms ganz einfach genutzt werden. Das lohnt sich heute, deshalb ist dies bei neueren Anlagen auch Gang und Gäbe: Solarstrom vom Dach kostet bei den abgeschriebenen Kleinanlagen deutlich weniger als „Strom aus der Steckdose". Die Anlage muss dazu umgerüstet werden. Den durchaus lukrativen Eigenverbrauch kann man mit Batteriespeichern weiter erhöhen.

Börsenpreise sind in der Corona-Krise gesunken

Als dritte Option können Anlageneigentümer an einen Direktvermarkter verkaufen, da eine Selbstvermarktung mit entsprechenden Umrüstkosten ohne Förderung aktuell noch wenig lukrativ und der rechtliche Aufwand hoch ist. „Da gibt es nun Unternehmen, die diese Entwicklung erkennen“, berichtet Kleingries von Tendenzen, auch Strom von kleineren, älteren Anlagen zu vermarkten. Ein Problem bringt dabei gerade die Corona-Krise mit. „Dadurch wurde und wird weniger Strom verbraucht, die Preise an der Leipziger Börse sind gravierend gesunken“, so Kleingries. Die Preise deckten bei vielen so gerade einmal die Betriebskosten ab.

„Wir müssen jetzt hoffen, dass sich die Lage erholt“, blickt Kleingries voraus. Und auf weitere Entscheidungen der Politik warten, womöglich im Sinne einer Anschlussförderung und Novelle des EEG. Letztlich müssen auch ältere Anlagen für Direktvermarkter attraktiver werden.

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