Fallen, Gift und Feinde: Stadt Vreden bekämpft Eichenprozessionsspinner mit allen Mitteln

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Die Stadt Vreden hat ein ganzes Maßnahmenpaket für den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner geschnürt. Fallen, Gift, Fadenwürmer, Meisen – vieles soll ausprobiert werden.

Vreden

, 06.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von einer „regelrechten Plage“ spricht der Erste Beigeordnete Bernd Kemper. Er meint den Eichenprozessionsspinner und ist sich sicher: „Die Population wird auch in diesem Jahr wieder explodieren.“ Deswegen hat die Stadt Vreden ein ganzes Bündel von Maßnahmen ergriffen. Welche davon Erfolg bringen werden, ist jedoch fraglich.

Schon im vergangenen Jahr hat die Stadt versucht, den Befall mit chemischen Mitteln, sogenannten Bioziden, zu bekämpfen. Vor allem Eichen in der Nähe von Schulen, Kindergärten und Freizeiteinrichtungen hat eine Fachfirma eingesprüht.

„Doch das war nicht wirklich erfolgreich“, zieht Bernd Kemper Bilanz. Denn das Gift hilft nur, wenn es nicht regnet, nicht windig und mindestens 15 Grad warm ist. Trotzdem möchte die Stadt in diesem Jahr noch mehr Bäume einsprühen.

Nematoden: Fadenwürmer töten Raupen von innen

Eine recht neue Methode im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner ist der Einsatz von Nematoden. Das sind Fadenwürmer, die in Insekten eindringen, sich in den Körpern vermehren und schließlich zum Tod führen.

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Eine biologische Möglichkeit, die jedoch auch Nachteile hat. „Es gibt kaum Erfahrungen“, sagt Bernd Kemper. Der Einsatz ist zudem recht kompliziert. Denn die Nematoden müssen zweimal nachts in die Baumkronen gesprüht werden, weil Sonnenlicht die Würmer zerstört. Trotzdem will die Stadt die Methode in diesem Jahr testen.

Fallen mit Lockstoff für Eichenprozessionsspinner

Ausprobieren möchte sie auch den Einsatz von EPS-Fallen. Ein Lockstoff sorgt dafür, dass die Raupen in einen Beutel am Baumstamm krabbeln. Weil es darin sehr warm wird, verenden die Tiere. Auch hier gibt es kaum Erfahrungen, doch die Stadt hat bereits 50 Meter der Fallen bestellt. Je nach Baumumfang reicht das für 30 bis 50 Bäume.

Ebenfalls testen möchte die Stadt die Ansiedlung von Meisen, die als natürliche Feinde der Raupen gelten. „Ob das wirklich funktioniert, ist fraglich. Da gibt es sehr unterschiedliche Studien“, sagt Bernd Kemper. Die Stadt arbeitet hier mit der Ideenfabrik, dem Nabu und dem Verein „Mit Hand und Herz“ zusammen.

Bauhof hat jetzt eigenen Sauger für die Entfernung von Nestern

Im vergangenen Jahr hatten die Fachfirmen, die die Nester der giftigen Raupen entfernen, alle Hände voll zu tun. Die Stadt hatte Probleme, die Aufträge zu vergeben.

Damit sie in diesem Jahr im Notfall selber handeln kann, hat sie einen eigenen Industriesauger angeschafft. „Der kommt aber nur im Notfall und nicht im Regelfall zum Einsatz. Wir wollen zeitnah reagieren können, aber wir wollen nicht in den Wettbewerb eingreifen“, erklärt Bernd Kemper. Außerdem sollen die städtischen Mitarbeiter geschützt werden. Denn die Entfernung der Nester ist durchaus gefährlich.

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Wenn sich die Situation mit den genannten Maßnahmen jedoch nicht verbessert, müsse man auf Dauer darüber nachdenken, zusätzliche Mitarbeiter zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners einzustellen. Denn das Ganze bindet viel Personal, sowohl im Ordnungsamt als auch am Bauhof.

30.000 Euro für den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

Im vergangenen Jahr hat die Stadt bereits 28.000 Euro für den Kampf gegen die Giftraupe ausgegeben, in diesem Jahr plant sie mit 30.000 Euro. „Aber natürlich werden wir nicht aufhören, wenn das Geld aufgebraucht ist“, beruhigt Bernd Kemper.

Die Maßnahmen hat er im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss vorgestellt. Dass sie notwendig sind, da waren sich alle Politiker einig. Doch Gerd Welper (Grüne) hatte auch Bedenken: „All diese Maßnahmen wirken ja nicht nur gegen den Eichenprozessionsspinner, sondern auch gegen alle anderen Insekten.“

Außerdem meinte er: „Wir können nicht dauerhaft gegen die Natur arbeiten.“ Dem konnte Bernd Kemper nur zustimmen: „Wir werden den Eichenprozessionsspinner auch in diesem Jahr nicht flächendeckend bekämpfen können.“

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