Ein Back-up für die Heimat

Aufruf der Heimatfreunde

Alte Fotoalben liegen auf dem Tisch, ein Laptop ist aufgeklappt. "Wer ist das denn da?" Neugierige Blicke richten sich auf ein vergilbtes altes Klassenfoto. Schon bald soll es den Weg in das digitale Bildarchiv des Lüntener Heimatvereins finden: Die Heimatfreunde haben dem Vergessen den Kampf angesagt.

Lünten

, 02.06.2017, 18:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Maria Steinhoff mit einem der alten Bilder, die durch die Aktion neu ins digitale Bildarchiv des Lüntener Heimatvereins eingehen werden.

Maria Steinhoff mit einem der alten Bilder, die durch die Aktion neu ins digitale Bildarchiv des Lüntener Heimatvereins eingehen werden.

Im Lüntener Pfarrheim ist an diesem Morgen richtig ’was los. Gerade hat eine ältere Dame einige Bilder aus dem Familienarchiv vorbeigebracht. Sofort beginnt unter den Experten am Tisch die Diskussion: Wer ist auf den alten Fotografien zu sehen? Bei welcher Gelegenheit sind sie entstanden, und wann? Wichtige Frage: Schließlich nützt es der Nachwelt wenig, lediglich eine Bilddatei vorzufinden. Dazu gehören auch die Informationen, um es in seinen zeitlichen Zusammenhang einzuordnen.

Großes Echo

Dorfgeschichte wird inzwischen digital (auf-) geschrieben. Christel Höink freut sich auf das große Echo, das der Aufruf des Heimatvereins gefunden hat. "Es wird Zeit, diese geschichtlichen Zeugnisse zu bewahren, bevor sie unrettbar verloren sind", sagt die Vorsitzende des Heimatvereins. Jeden Monat treffen sich engagierte Heimatfreunde nun im Pfarrheim, um alte Bilder, Dokumente und Zeitungsausschnitte zu sichten und zu digitalisieren. "So haben Interessierte die Gelegenheit, etwas abzugeben." Die Aktiven des Vereins kümmern sich um das Einscannen und darum, die wichtigsten Daten dazu zu sammeln. Die Originale gehen an die Besitzer zurück.

Schon in der Vergangenheit ist vieles gesammelt worden. So hat zum Beispiel Hildegard Terrahe jahrzehntelang Artikel aus der Zeitung ausgeschnitten, in denen es um Lünten ging und nun ihr Archiv an den Heimatverein übergeben. Günter Albers übernimmt es nun, die Zeitungsartikel einzuscannen. Er hat in Sachen digitaler Technik in der Gruppe die Verantwortung. Um den geschichtlichen Teil, die inhaltliche Aufarbeitung, kümmern sich Maria Steinhoff und Heinrich Ahler.

Familiengeschichte dokumentiert 

An diesem Morgen stehen allerdings erst einmal die Gespräche im Mittelpunkt. Jeder Besucher ist mit seinen alten Schätzen willkommen, und so entwickeln sich in der Runde im Pfarrheim bei einer Tasse Kaffee viele angeregte Diskussionen über das, was und wer da zu sehen ist. Manchmal sind es ganz besondere Dokumente, die da nicht nur Familiengeschichte dokumentieren, sondern auch ein Stück Lüntener Historie. Wie bei Johannes Hüls zum Beispiel: Er war der Erste, der zum neuen Treff etwas mitgebracht hat: "Aus meiner Schulzeit" steht auf dem kleinen Album, und wer es aufschlägt, darf eine optische Zeitreise in die Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts unternehmen.

Pläne reifen

In Zukunft soll das auch digital für alle Interessierten möglich werden. Die Lüntener Heimatfreunde wollen es nicht beim Sammeln und registrieren belassen, sondern sich auch um die Frage der digitalen Präsentation kümmern. Aber noch ist das Zukunftsmusik. "Aber wir bekommen jetzt Glasfaser. Da ist viel mehr möglich", freut sich Günter Albers auf das nächste Kapitel.

 

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