Ein Edeka-Center und Mehrfamilienhäuser sollen auf dem Bierbaumgelände entstehen

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Der Eigentümer des Bierbaumgeländes möchte einen Edeka-Center und Wohnungen bauen – ein Kompromiss mit der Verwaltung, die dort nie Einzelhandel wollte. Das wirft Fragen auf.

Vreden

, 23.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf dem Bierbaumgelände sollen ein großer Edeka-Markt und mehrere Mehrfamilienhäuser entstehen. Die Pläne wurden am Mittwochabend im Rat vorgestellt.

Ursprünglich wollte das Unternehmen Stroetmann als Eigentümer die gesamte Fläche für Einzelhandel nutzen. Bei Verwaltung und Kommunalpolitik biss man damit jedoch auf Granit. Denn die Stadt wünscht sich auf dem Gelände eigentlich Wohnungen. So steht es auch im Flächennutzungsplan 2030. Das gültige Einzelhandelskonzept sieht dort außerdem keine Einzelhandelsnutzung mit sogenannten „nahversorgungs-und zentrenrelevanten Sortimenten“ vor.

Kompromiss, um den Stillstand zu beenden

Trotzdem ist nun in den Plänen ein sogenanntes E-Center zu sehen, also ein großer Edeka-Markt, umgeben von Mehrfamilienhäusern. „Wir sehen das als Kompromiss, um den Stillstand endlich zu beenden“, sagt Bürgermeister Christoph Holtwisch. Seit Jahren laufen die Gespräche mit dem Eigentümer, seit Jahren gab es keinen Schritt nach vorne. Max Stroetmann macht in der Ratssitzung am Mittwochabend deutlich, dass es auch für ihn ein Kompromiss ist. „Wir verzichten auf weitere Märkte auf dem Grundstück“, sagt er mit Blick auf die ursprünglichen Ideen des Unternehmens.

Den vorgestellten Plänen ist zu entnehmen, dass der Edeka-Markt eine Verkaufsfläche von rund 2500 Quadratmeter haben wird. Zum Vergleich: Der Aldi in unmittelbarer Nähe an der Wüllener Straße hat aktuell eine Verkaufsfläche von 740 Quadratmetern.

Bierbaum-Lager wird abgerissen

In zwei verschiedenen Varianten ist der Edeka-Markt einmal mittig auf dem Gelände, einmal am östlichen Rand platziert. Das Gebäude, das im Moment noch auf dem Grundstück steht, wird von der Firma Bierbaum genutzt. Nach Angaben von Max Stroetmann wird das Unternehmen das Lager Anfang 2020 verlassen. Dann soll das Gebäude abgerissen werden. Max Stroetmann ist sicher: „Die Anwohner werden sich freuen.“

Ein Edeka-Center und Mehrfamilienhäuser sollen auf dem Bierbaumgelände entstehen

So soll das Edeka-Center auf dem Bierbaumgelände aussehen. © Pfeiffer, Ellermann, Preckel

Vor dem Verbrauchermarkt sind 160 bis 180 Parkplätze geplant. Ob und unter welchen Bedingungen die auch von Besuchern der Innenstadt genutzt werden können, konnte Max Stroetmann am Mittwoch noch nicht sagen. Vor dem Eingang des Marktes soll ein Platz entstehen mit Bänken, Bäumen und Sitzplätzen für eine Bäcker-Filiale.

Auch Seniorenwohnungen sind möglich

Das Grundstück ist 25.000 Quadratmeter groß. Zwischen 9.900 und 10.700 Quadratmeter davon sollen für eine Wohnbebauung zur Verfügung stehen. Im Plan stehen Mehrfamilienhäuser mit vier bis sechs Wohneinheiten. Zwei- bis dreistöckig sollen sie sein mit Satteldach und rotem Klinker. Max Stroetmann sagt, dass man sich auch vorstellen könnte, dort Seniorenwohnungen oder betreutes Wohnen zu schaffen.

Drei Fragen stellen sich bei dem Blick auf die Pläne.

Erstens: Warum ist an diesem Standort ein Verbrauchermarkt okay, ein Kaufland auf dem ehemaligen Baywa-Gelände aber nicht? In beiden Fällen schließt das Einzelhandelskonzept einen solchen Markt aus. Bürgermeister Christoph Holtwisch spricht auf Nachfrage dennoch von zwei unterschiedlichen Situationen.

Das Bierbaumgelände ist rund 170 Meter Luftlinie vom Butenwall entfernt, beim ehemaligen Baywa-Gelände sind es 770 Meter. Dort gab es damals die Befürchtung, dass der Verbrauchermarkt zu viel Kaufkraft von der Innenstadt abziehen könnte.

Durch die Nähe des Bierbaumgeländes zur Innenstadt sei es möglich, es anders zu bewerten, sagt Christoph Holtwisch. „Man könnte die Innenstadt im rechtlichen Sinne ausweiten.“ Dann würde der Edeka-Markt zur Innenstadt und somit zum schützenswerten Teil gehören. Solche Schritte werden nun geprüft. Kunden, die beim Edeka Lebensmittel einkaufen, würden danach vielleicht auch noch in die Innenstadt gehen, meint Christoph Holtwisch.

Zweitens: Warum darf Aldi in unmittelbarer Nähe nur 962 Quadratmeter Verkaufsfläche schaffen? Der Discounter hatte ursprünglich einen Neubau mit rund 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche geplant. Die Stadt war aber der Meinung, dass das nicht mit der Innenstadt vereinbar ist.

Die Fläche, auf der das E-Center entstehen soll, liegt nur 270 Meter Luftlinie vom Aldi-Markt entfernt. Dort sollen 2500 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen. Wie passt das zusammen?

Christoph Holtwisch argumentiert wieder mit der Nähe zur Innenstadt. Der Aldi-Markt befinde sich ein Stückchen weiter außerhalb. Dort sei eine Ausweitung der Innenstadt deswegen nicht möglich, auch weil dazwischen Wohnbebauung liegt. Vom Aldi-Markt bis zum Butenwall sind es Luftlinie rund 440 Meter, beim Bierbaumgelände sind es 170 Meter.

Drittens: Was ist mit dem Edeka an der Zwillbrocker Straße? „Das ist völlig unabhängig“, sagt Christoph Holtwisch. Genauso äußert sich auch das Unternehmen Stroetmann auf Nachfrage. Das Unternehmen Edeka Rewer, das den Markt an der Zwillbrocker Straße betreibt, wollte sich am Telefon nicht dazu äußern.

Die Pläne wurden von den Ratsmitgliedern lediglich zur Kenntnis genommen. Diskutiert wurde noch nicht. Als nächstes beschäftigt sich nun der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss mit dem Thema.

Das Unternehmen L. Stroetmann

  • Das Münsteraner Unternehmen bedient die Sparten Lebensmittel, Immobilien und Agrar.
  • Stroetmann ist Partner von Edeka und beliefert rund 100 Märkte mit Lebensmitteln.
  • Großmärkte betreibt Stroetmann in Münster und Gronau. Wichtigste Kundengruppe: Gastronomie und Gewerbetreibende. Unter anderem werden Großküchen in Krankenhäusern oder Senioreneinrichtungen und Restaurants mit Lebensmitteln versorgt.
  • Viele Gebäude wie Edeka-Märkte, Einkaufszentren und Großmärkte baut das Unternehmen selbst.
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