Ein schwerer Abschied vom Herz-Jesu-Kloster

Ordensleute sind traurig

Das Herz-Jesu-Kloster wird Ende Januar geschlossen. Die Brüder und Schwestern müssen ihre Heimat verlassen. Vor allem eines werden sie vermissen.

Vreden

, 10.01.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Acht Brüder und fünf Schwestern wohnen derzeit noch im Herz-Jesu-Kloster in Ellewick. Beim Fototermin fehlte ein Bruder. Das Kloster wird Ende Januar geschlossen.

Acht Brüder und fünf Schwestern wohnen derzeit noch im Herz-Jesu-Kloster in Ellewick. Beim Fototermin fehlte ein Bruder. Das Kloster wird Ende Januar geschlossen. © Victoria Thünte

Es ist kein leichter Termin für die acht Brüder und fünf Schwestern, die noch im Herz-Jesu-Kloster in Ellewick wohnen. Es ist ein Abschied und der Pressetermin ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum Ende des Klosters. Ende Januar wird es geschlossen – fast 90 Jahre nach der Grundsteinlegung.

„Natürlich, die Stimmung ist anders, gedrückt. Wir verlassen unsere Heimat, unser Zuhause“, sagt Bruder Wolfgang, Leiter des Klosters. Seit 17 Jahren wohnt er im Kloster, seit sechs Jahren leitet er es. Ihm fällt das Ende schwer, aber er muss zumindest nicht wegziehen. Zusammen mit zwei anderen Brüdern bleibt er in Vreden – in einer Mietwohnung.

Für Bruder Gerhard hingegen steht ein Umzug an. Kein leichter Schritt mit 77 Jahren. „Für mich ist das hier Heimat geworden“, sagt der gebürtige Osnabrücker. Vor 52 Jahren ist er nach Ellewick gekommen. „Damals wurde ein Nachfolger für die Landwirtschaft gesucht“, erinnert er sich. Der ländliche Charakter und die idyllische Umgebung haben ihn direkt begeistert. Nachdem er in den 80er-Jahren ein paar Jahre weg war, um sich zum Altenpfleger ausbilden zu lassen, war er deswegen froh, ins Herz-Jesu-Kloster zurückkehren zu können.

Umzugskartons packen

Jetzt packt er die Umzugskartons. „Das ist das Schwierigste gerade: zu entscheiden, was wegkann und was mitkommt“, sagt Bruder Gerhard. Ende Januar zieht er gemeinsam mit vier anderen Brüdern nach Münster ins Canisiushaus. Die Clemens-Schwestern werden künftig in Konventen in Dülmen und Anholt wohnen.

Das Zusammenleben unter einem Dach werden sowohl die Brüder als auch die Schwestern vermissen. „Das ist das Besondere hier. Das gemeinsame Leben mit den Schwestern, gemeinsam zu beten und zu essen“, sagt Bruder Karsten. Vom ersten Tag an haben die beiden Konvente im Herz-Jesu-Kloster unter einem Dach gewohnt.

1928 haben die Canisianer mit dem Bau des Klosters begonnen. Zunächst diente es als Noviziatshaus der Ausbildung der Brüder. Aber auch Landwirtschaft wurde betrieben. „Das Kloster hatte in seiner Geschichte viele Nutzungen, die aus der Not der jeweiligen Zeit zustande kamen“, sagt Bruder Wolfgang. Während der Weltwirtschaftskrise zum Beispiel kamen täglich rund 30 Personen zum Kloster und baten um Essen oder Trinken.

Weiter Gottesdienste


Im Krieg diente das Kloster als Lazarett und als Plätze für Menschen mit Behinderung fehlten, kümmerten sich die Brüder um sie. So ist schließlich das heutige Haus Früchting entstanden.

Über die Grenzen Vredens hinaus ist das Kloster vor allem wegen einer Geschichte bekannt: Professor Alfred Müller-Armack hat hier 1943 sein Konzept der Sozialen Marktwirtschaft entwickelt. „Das ist aber eher ein Zufallsprodukt. Das ist nicht das, was das Kloster ausmacht“, sagt Bruder Karsten. Das sei eher die gute Gemeinschaft mit Haus Früchting, dem Dorf Ellewick und der Pfarrei.

Nach dem Auszug der Brüder und Schwestern wird das Gebäude erst einmal leer stehen. Die Gottesdienste in der Petrus-Canisius-Kapelle gehen aber wie gewohnt weiter.

Dortmund am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Lesen Sie jetzt