Zumindest der Verdacht der Hehlerei schien der Staatsanwaltschaft begründet. Das Verfahren gegen einen 26-Jährigen aus Rheine wurde letztlich gegen Auflagen eingestellt. © picture alliance / dpa
Diebstahlserie

Einbruch kann 26-Jährigem nicht nachgewiesen werden, Auflagen gibt’s trotzdem

Zehn iPads soll ein Rheinenser aus einer Schule in Lünten gestohlen haben. Dieser Verdacht erhärtete sich in der Verhandlung nicht. So ganz straffrei kam der 26-Jährige aber nicht davon.

Auch wenn ihm der zur Last gelegte Diebstahl in einem besonders schweren Fall nicht nachgewiesen werden konnte – so ganz straffrei kam der angeklagte Rheinenser nicht davon: Der Verdacht der Hehlerei schien begründet.

Letztlich schlug der Staatsanwalt in der Verhandlung vor dem Amtsgericht vor, das Verfahren unter Auflagen gemäß § 153a der Strafprozessordnung einzustellen – und Richter wie Verteidigung stimmten diesem zu.

Was war passiert? Ende Oktober 2019, parallel zu weiteren Schuleinbrüchen unter anderem in Ellewick, soll der Angeklagte in eine Grundschule in Lünten eingestiegen sein und dabei einen Koffer mit zehn iPads sowie ein Baustellenradio gestohlen haben.

Drei dieser Tablets soll der 26-Jährige gleich in Münster an einen An- und Verkauf mit Gewinnerzielungsabsicht veräußert haben. Zwei der verkauften IPads hätten mittlerweile an die Schule zurückgegeben werden können.

Angeklagter zeigt sich überrascht von den Vorwürfen

Dass man ihm den Einbruchdiebstahl andichte, habe ihn völlig überrascht, erklärte der Rheinenser: „Als ich den Brief vom Gericht erhalten habe, war ich völlig geschockt.“

Er habe lediglich iPads für einen Bekannten, den Hauptzeugen, verkauft. Mit dem Einbruch an sich habe er nichts zu tun. Zunächst habe er ein iPad vom Hauptzeugen selbst gekauft – für 100 Euro und für seine Schwester.

„Als ich gemerkt habe, dass der Akku schwächelt, habe ich dieses dann an einen ihm bekannten Händler in Münster weiterverkauft“, berichtete der Angeklagte. Nun für 220 Euro. Einen Tag darauf sei er vom Hauptzeugen kontaktiert worden, ob er nicht zwei weitere iPads an den Händler in Münster weiterveräußern könne.

Zusammen sei man nach Münster gefahren, dort habe sein Bekannter aber erklärt, dass er keinen Ausweis dabeihabe. Der Bitte, dass er stattdessen mit seinen Personalien den Verkauf abwickeln möge, sei er „ohne groß nachzudenken“ nachgekommen.

Die Aktion sei spontan gewesen. Ob er denn nicht hellhörig geworden sei, als sein Bekannter ihm gleich mehrere Tablets zum Verkauf angeboten hätte?“, fragte ihn der Richter.

Rheinenser vertraut seinem Bekannten

„Ich wusste, dass er früher mal Brüche begangen hat. Ich habe ihm aber vertraut, dass diese iPads nicht aus einem Diebstahl stammen“, antwortete der Angeklagte. Sein Bekannter habe „ein Händchen für An- und Verkäufe“.

Er habe es aber durchaus „komisch“ gefunden, dass sein Bekannter keinen Ausweis dabeigehabt habe. Für 360 Euro wechselten zwei weitere Tablets den Besitzer.

Einige Tage später sei sein Bekannter erneut auf ihn zugekommen, nun solle er gleich sechs weitere iPads veräußern. Der Händler aus Münster habe Interesse gezeigt, zu einem Verkauf kam es nicht mehr. „Der Kontakt zu meinem Bekannten kam nicht mehr zustande“, so der 26-Jährige. Letzterer säße nun in einer JVA.

Aus dieser wurde der Hauptzeuge dann auch vorgeführt. Er verzichtete allerdings darauf, Angaben zur Sache zu machen. Drei weitere Zeugen konnten lediglich Angaben zum Einbruchsdelikt ohne Täterhinweise machen.

Zwei wichtige Zeugen erscheinen nicht vor Gericht

Somit fehlten neben der Aussageverweigerung des Hauptzeugen die Aussagen zweier weiterer wichtiger Zeugen, die nicht vorstellig wurden. Zum einen fehlte der Händler aus Münster. Zum anderen war eine weitere Person nicht erschienen, die ebenfalls ein iPad für den Hauptzeugen veräußert haben soll.

Dieser Zeuge hatte allerdings vorab zu den Akten gegeben, dass der Einbruch vom Hauptzeugen und einer weiteren Person begangen worden war. Diese weitere Person soll aber nicht der Angeklagte gewesen sein. „Das wäre dann ein Entlastungszeuge für Sie“, erklärte der Richter in Richtung des Angeklagten.

Insgesamt befand der Staatsanwalt, dass die gesamte Faktenlage für einen Freispruch nicht reiche: „Sie bewegen sich im strafrelevanten Bereich, zwar wohl nicht in Sachen Einbruch, aber durchaus hinsichtlich der Hehlerei“, so der Staatsanwalt. Ob nun grob fahrlässig oder bedingt vorsätzlich in Kauf genommen.

Einstellung gegen Auflage zugunsten der Schule

Ob es denn für eine Hehlerei reiche, fragte der Richter. Der Verteidiger betonte, dass sich sein Mandant auf das Ehrenwort seines Bekannten verlassen habe: „Warum sollte er außerdem seine gesamten Personalien offenlegen?“

Der Staatsanwalt erwiderte, dass allein die Frage des Angeklagten an den Bekannten, ob die iPads aus einem Einbruch stammten, andeutete, dass dieser durchaus geahnt habe, dass die Sache nicht ganz sauber sein könnte. Andersherum sei der 26-Jährige seit 2017 nicht mehr auffällig geworden und befinde sich auf einem „geraden Weg“.

In der Summe regte der Staatsanwalt die Einstellung gegen eine „nicht unerhebliche Auflage“ an. In Höhe des Zeitwerts eines iPads, zwei Drittel des Schadens seien durch Rückgabe an die Schule schließlich beglichen. Letztlich wird das Verfahren nicht weiterverfolgt gegen die Auflage von 300 Euro zugunsten der Grundschule in Lünten.

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