Vorbildlicher Einsatz für die Umwelt: 13-Jähriger will Vreden sauber halten

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Schon seit frühester Kindheit hat Simon Göring ein Faible für die Müllabfuhr. Aus dem Interesse wurde nun ein Hobby: Er sammelt in seiner Freizeit den Müll ein, den andere arglos wegwerfen.

Vreden

, 04.07.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch der Regen kann Simon Göring an diesem Mittwochnachmittag, dem ersten in den Sommerferien, nicht aufhalten: Mit Müllzange und Müllsäcken bepackt macht er sich auf, um den Unrat anderer Menschen aufzusammeln. Und dies seit gut einer Woche nun auch mit einer Sackkarre, an der er die Müllsäcke aufhängen kann. Der 13-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, Vreden sprichwörtlich sauber zu halten.

Eine Müllzange als Weihnachtsgeschenk

„Ich habe mich seit frühester Kindheit für Müllwagen interessiert“, erklärt der Schüler seine besondere Passion. „Immer wieder war die Müllabfuhr Thema“, berichtet Mutter Monika. „Erstaunt“ sei sie dennoch gewesen, als sich Simon vor drei Jahren ausgerechnet eine Müllzange zu Weihnachten gewünscht hatte. Er hatte nämlich einen Plan – von dem zunächst vor allem die Nachbarschaft profitierte. Ausgestattet mit Eimer, Zange und Handschuhen sorgte er dort fortan für Ordnung. Doch nicht nur das: „Er stellt auch die Mülltonnen heraus, wenn ein Nachbar mal im Urlaub ist“, erklärt Monika Göring.

Insbesondere weggeworfene Zigarettenkippen sind dem 13-Jährigen ein Dorn im Auge. Rund 800 davon hat er während seiner Reinigungsaktion am Berkelsee eingesammelt.

Insbesondere weggeworfene Zigarettenkippen sind dem 13-Jährigen ein Dorn im Auge. Rund 800 davon hat er während seiner Reinigungsaktion am Berkelsee eingesammelt. © Otger Rotthues

Und so ist er bekannt und beliebt zugleich – mit „Folgen“: Die Nachbarn waren nämlich der Meinung, dass so viel Eigeninitiative und Engagement eines jungen Menschen im Sinne des Umweltgedankens unterstützt werden müsse. „Du brauchst eine Karre“, gibt Mutter Monika die Worte der Nachbarn wider. Gemeinsam wurde die Sackkarre gebastelt, die nun sein ständiger Begleiter ist. Dadurch kann seine Leidenschaft nun noch größere Kreise ziehen. „Der Junge ist mit so viel Herzblut bei der Sache, einfach toll, ein echtes Vorbild für alle. Großer Respekt", berichtet stellvertretend Nachbar Otger Rotthues.

Nachbarn basteln eine Sackkarre

Jetzt profitieren auch andere Nachbarschaften. „Sonst sammel ich lieber in ruhigeren Gegenden“, erzählt der Schüler, dem es ein Dorn im Auge ist, „wie wir mit unserer Umwelt umgehen“. Mit den neuen Möglichkeiten werden auch die Müllmengen immer größer. So wie am Wochenende, als es ihn erstmals zum Berkelsee zog. Dort erwartete ihn in Teilen ein Bild des Grauens.

„Das Schlimmste sind die Zigarettenkippen, die überall rumliegen. An den Sitzbänken ist es am schlimmsten“, so der 13-Jährige. Bemerkenswerte 800 Kippen sammelte er ein. Insgesamt kamen fast zwei große Müllsäcke voll Unrat zusammen. Otger Rotthues nutzte die Gelegenheit, ihn bei seinem Schaffen zu besuchen. Womöglich wäre es gut, wenn gerade an den Bänken vermehrt auch Aschebehälter aufgestellt, sagt er.

Fast zwei volle Müllsäcke kamen bei der Sammelaktion am Berkelsee zusammen.

Fast zwei volle Müllsäcke kamen bei der Sammelaktion am Berkelsee zusammen. © Otger Rotthues

Simon Göring liebt auch sonst die Natur, er hält sich viel auf dem Jugendcampus des Jugendwerks auf, auch macht er einiges mit den Pfadfindern. Da war es nicht einfach, während der Corona-Krise zuhause bleiben zu sollen. Abgehalten hat die ihn aber von seinem Hobby nicht, vor allem, wenn mal Langeweile aufkam. „So zweimal die Woche bin ich regelmäßig unterwegs“, sagt er. Er freut sich auch, wenn andere Bürger sich für sein Hobby interessieren und ihm Mut zusprechen, weiterzumachen.

In den Ferien „geht's jetzt richtig los"

Nun sind Ferien – und „jetzt geht’s richtig los“, lacht Mutter Monika. Wenn man mit der Familie nun spazieren gehe, dann sei die Karre mit dabei. Geplant sei vielleicht ein Verwandtschaftsbesuch in Baden-Württemberg, ansonsten wäre viel Zeit. Der Schüler will sie nutzen, in jedem Fall weitermachen – und hofft dabei auf Gleichgesinnte. „Viel besser wäre es natürlich, wenn wir den Müll gleich dorthin werfen, wo er hingehört.“ Oder ihn gar nicht erst produzieren.

Und schon am Donnerstagabend ging die nächste Tour los – wohin, dass entscheide er immer spontan. Eigentlich ist das auch nicht so wichtig: „Frische Luft tut doch immer gut!“

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