Der pfeilgerade Emrichbach schlängelt sich künftig durch Wennewick

rnEmrichbach wird umgestaltet

Noch fließt der Emrichbach in Wennewick fast schnurgerade in die Berkel. Das ist ökologisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Künftig soll sich das Gewässer durchs Gelände schlängeln.

14.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie sehen fast so aus wie Termitenhügel – doch es sind schlicht und einfach Erdhaufen. Erdhaufen, die allerdings eine ganz besondere Funktion haben: sie dienen der Höhenauslegung für die Neugestaltung des Emrichbachs. Das Gewässer wird sein Aussehen in den nächsten Wochen deutlich verändern.

Zehn Kilometer langer Bach

Aus Lünten kommend, fließt der insgesamt zehn Kilometer lange Emrichbach unterhalb der Kreisstraße 16 in Wennewick fast schnurgerade in Richtung Berkel. Noch. Denn seit Wochenbeginn laufen die Arbeiten, um das Gewässer auf einer Länge von rund 300 Metern ökologisch aufzuwerten. Künftig, so ist es geplant, mäandert sich der Emrichbach in Richtung Berkel. Links und rechts soll reichlich Platz für Auen sein.

Der pfeilgerade Emrichbach schlängelt sich künftig durch Wennewick

Vertreter des Wasser- und Bodenverbandes Unteres Berkelgebiet, der Unteren Wasserbehörde des Kreises Borken, der Bezirksregierung Münster und der Arbeitsgemeinschaft der Wasser- und Bodenverbände Westfalen-Lippe (AG WuB) stellten das Projekt vor. © Christian Bödding

Vertreter des Wasser- und Bodenverbandes Unteres Berkelgebiet, der Unteren Wasserbehörde des Kreises Borken, der Bezirksregierung Münster und der Arbeitsgemeinschaft der Wasser- und Bodenverbände Westfalen-Lippe (AG WuB) erläuterten am Donnerstag vor Ort das Vorhaben.

Warum gerade der Emrichbach ökologisch aufgewertet wird, das erklärte Marco Pfeil von der AG WuB. „Ausgangslage ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie“, sagte der Diplom-Ingenieur. „Die Gewässer werden europaweit bewertet und müssen bis 2027 in einem guten ökologischen Zustand sein.“

Flurbereinigung

Aktuell gebe es am Emrichbach Defizite. „Diese Defizite haben wir in unserer Planung aufgezeigt.“ Konkret sei der Emrichbach, wie die meisten Gewässer im Münsterland, im Zuge der Flurbereinigung technisch ausgebaut worden. Marco Pfeil: „Sie wurden begradigt und mit einem Regelprofil versehen, das war auch hier in Wennewick der Fall.“

Der pfeilgerade Emrichbach schlängelt sich künftig durch Wennewick

Dieser Sandfang am Emrichbach oberhalb der K 16 wird abgeflacht und mit Baumstämmen und Wurzelstubben versehen. © Christian Bödding

Oberhalb der Brückenbauwerks über die K 16 sei damals ein Sandfang angelegt worden. „Da hat man den Sand, der aus dem Oberlauf des Bachs kam, gezielt herausgeholt, bevor er in Richtung Holland abgeschwemmt worden wäre.“

Dieser Sandfang wird umgestaltet. Die Böschungen werden abgeflacht „und es wird Totholz eingebaut“, erklärte der Fachmann. „Das ist ein ganz wichtiger Bestandteil, der unseren Gewässern heutzutage fehlt.“

Totholz im Wasser

Aus damaliger Sicht hatten Gewässer stets „leistungsfähig“ zu sein. Ein ins Wasser gefallener Baum oder dicke Äste seien immer entfernt worden. „Aber Totholz ist ein Strukturelement, das dem Gewässer beim eigendynamischen Formen hilft“, erklärte Marco Pfeil. „Totholz ist auch ein Lebensraum für Fische, Kleinstlebewesen und eine Nahrungsquelle. Deshalb bauen wir an dieser Stelle Baumstämme und Wurzelstubben in den Emrichbach ein.“

Der pfeilgerade Emrichbach schlängelt sich künftig durch Wennewick

Das sind keine Termitenhügel, sondern Erdhaufen, die zur Höhenbestimmung des neuen Gewässerverlaufs dienen. © Christian Bödding

Auf der anderen Straßenseite laufen derweil die Baggerarbeiten. Seit Wochenbeginn wird einen Steinwurf vom Emrichbach entfernt der Oberboden abgeschoben und ein neuer Bachverlauf profiliert. Ein Teil des Oberbodens wird auf der Baustelle gelagert und später abgefahren. Ein anderer Teil wird später noch benötigt, damit wird der Altverlauf des Emrichbachs zugeschüttet.

Um das Geländeniveau für den neuen Bachverlauf zu erreichen, muss der Bagger den Boden zwischen zwei und vier Meter tief abtragen. Gut zu sehen ist jetzt schon der geplante Bachverlauf, der sich zur Berkel schlängeln soll.

Arbeiten bis Ende Oktober

Die angrenzenden Ufer werden auf insgesamt 30 Meter Breite aufgeweitet und abgeflacht. „Je nach Witterungslage werden die Arbeiten bis Ende Oktober dauern“, erklärte Hinrik Stegemann, Verbandstechniker des Wasser- und Bodenverbandes. Aktuell sei es trocken, es könne ohne Baustraße gearbeitet werden. „Dann geht das in der Regel zügig. Sie sehen hier jeden Tag deutliche Veränderungen.“

Der pfeilgerade Emrichbach schlängelt sich künftig durch Wennewick

An dieser Stelle wird der Emrichbach künftig in die Berkel fließen. © Christian Bödding

Gebaggert wird auf einer Fläche von insgesamt 8500 Quadratmetern. Dabei werden 9000 Kubikmeter Boden bewegt. Ist das Gelände geformt und die Fließstrecke um gut 70 Meter verlängert, sollen 400 Gehölze gepflanzt werden.

„Standortgerechte, heimische Gehölze“, sagte Carsten Bohn von der AG WuB. „In diesem Fall wären das Erlen oder Weiden. Vielleicht auch Eschen, aber die sind wegen des Eschentriebsterbens schon wieder problematisch.“

Marco Pfeil: „Welcher Baum wo gepflanzt wird, ist auch abhängig von der Höhenlage. Manche Gehölze vertragen es gut, wenn ihre Wurzeln permanent im Wasser stehen, andere nicht so sehr.“

Auf gut 110.000 Euro belaufen sich die Kosten der Maßnahme, davon trägt das Land NRW 80 Prozent über ein Förderprogramm, die restlichen 20 Prozent steuert die Untere Wasserbehörde des Kreises bei. Die Arbeiten führt die Firma Wintering aus Emsbüren aus.

80 Millionen Euro pro Jahr

Christoph Scharner von der Bezirksregierung Münster erklärte, dass das Land NRW natürlich ein Interesse daran habe, die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen. „Das Land stellt deshalb jährlich rund 80 Millionen Euro für Maßnahmen wie diese zur Verfügung. Man möchte ja am Ende möglichst viele Gewässer haben, über die man sagen kann: Ziel erreicht.“

Dabei war zunächst nur geplant, den Sandfang – der der Stadt Vreden gehört – umzugestalten. „Dann haben wir aber erfahren, dass das Land über die NRW-Stiftung auch Flächeneigentümer am Emrichbach unterhalb der K 16 ist. So kam die Idee, die Berkelaue auch umzugestalten“, berichtete Carsten Bohn.

Teures Ackerland

Das Land dürfte in Sachen Flächenerwerb einiges an Geld gespart haben. Bohn berichtete über eine ähnliche Maßnahme in Ostwestfalen-Lippe und Preisen von rund 3,70 Euro je Quadratmeter Ackerfläche, die man bezahlt habe. In Vreden bekomme man wegen der Qualität und der Verfügbarkeit für 3,70 Euro vielleicht ein viertel Quadratmeter Ackerland.

Der pfeilgerade Emrichbach schlängelt sich künftig durch Wennewick

Links der aktuell ziemlich gerade verlaufende Emrichbach, rechts soll er sich künftig durchs Gelände mäandern. © Christian Bödding

Der Durchstich – die Anbindung des neuen Bachverlaufs an die Berkel – soll erfolgen, wenn die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen sind. Ein genaues Datum konnte am Donnerstag noch nicht genannt werden. Dafür berichtete Marco Pfeil, dass die Umgestaltung des Emrichbachs auch Teil des ökologischen Hochwasserschutzes sei.

Rund 9000 Kubikmeter Wasser könnten auf der Fläche zwischengelagert werden. Das käme zwar eher den Niederländern als den Vredenern zugute, denn in etwa einem Kilometer Entfernung quere die Berkel die Landesgrenze, sagte Marco Pfeil, „aber wir sind doch alle Europäer.“

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