Die Erfahrungen, wie gut der Distanzunterricht an den Schulen in Vreden funktioniert, sind sehr unterschiedlich. © picture alliance/dpa
Stadtschulpflegschaft Vreden

Ergebnisse der Homeschooling-Umfrage: „Es wird deutlich, wo der Schuh drückt“

Eine Online-Umfrage der Stadtschulpflegschaft sollte zeigen, wie die Homeschooling-Erfahrungen an den Schulen in Vreden sind. Jetzt gibt es Ergebnisse, die teilweise alarmierend sind.

Wie oft und auf welchem Weg bekommen die Kinder Aufgaben von der Schule? Werden Videokonferenzen genutzt? Kann das Kind die Aufgaben alleine bewältigen? Diese und 28 weitere Fragen haben sich die Vertreter der Stadtschulpflegschaft in Vreden gestellt und deswegen eine Umfrage zum Thema „Homeschooling“ durchgeführt. Bis Ende Januar konnten die Eltern aller Schulen und Jahrgänge in Vreden abstimmen. Jetzt gibt es die Ergebnisse.

Mehr als 1700 Personen haben an der Online-Umfrage teilgenommen. „Wir sind froh, dass so viele mitgemacht haben. Das zeigt, wie wichtig das Thema ist“, sagt Tobias Beck, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft in Vreden. „Und es wird deutlich, wo der Schuh noch drückt.“

Tobias Beck ist Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft in Vreden. Die Ergebnisse der Homeschooling-Umfrage zeigen ihm, wie wichtig dieses Thema ist.
Tobias Beck ist Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft in Vreden. Die Ergebnisse der Homeschooling-Umfrage zeigen ihm, wie wichtig dieses Thema ist. © privat © privat

Mehr als 150 der Vredener Schüler haben keinen Videounterricht

Denn der symbolische Schuh drückt noch an einigen Stellen. Die Stadtschulpflegschaft hat die Ergebnisse in verschiedene Kategorien unterteilt. Die Vertreter haben Wert darauf gelegt, die Antworten in Ruhe und mit Bedacht auszuwerten. Thesen, die die Stadtschulpflegschaft im Vorhinein durch eigene Erfahrungen und Rückmeldungen aufgestellt haben, wurden durch die Umfrage-Ergebnisse bestätigt. Unterschiede im Distanzunterricht an den Schulen sind deutlich spürbar.

So zeigen die Ergebnisse der Umfrage, dass zwar 90 Prozent der Vredener Schülerschaft regelmäßig an Videokonferenzen teilnehmen kann, doch „haben gemäß unserer Umfrage tatsächlich 172 Schüler gar keine Videokonferenzen“, schreibt Tobias Beck in seiner schriftlichen Auswertung. „Es gibt Schüler, die nahezu in jedem Fach an Videokonferenzen teilnehmen, während andere berichten, dass sie nur einmal wöchentlich eine Stunde digitalen Unterricht erhalten.“

Das ist alarmierend für die Elternvertreter. „Diese starke Diskrepanz stimmt uns sehr besorgt. Teilweise fühlen Eltern sich beziehungsweise ihre Kinder benachteiligt, weil diese zu einer Schule gehen, an der nur wenig digitaler Unterricht angeboten wird. Die Chancengleichheit bei einem dermaßen unterschiedlichen Unterrichtsumfang scheint nicht gegeben.“

Lehrer für die Rückkehr zum Präsenzunterricht sensibilisieren

Eine weitere große Herausforderung stellt die psychische Belastung der Kinder dar. Gerade im Hinblick auf den bevorstehenden Wechsel zurück zum Präsenzunterricht. „Wie kriegen wir die Kinder wieder gut integriert?“, fragt Tobias Beck.

Der Wiedereinstieg in den Unterricht in der Schule sei aus Elternsicht schwierig für ihre Kinder. „Bei aller Freude, die Klassenkameraden wiederzusehen und sich endlich wieder auszutauschen, so kann auch hier anfangs eine Überforderung spürbar werden. Die Eltern befürchten, dass ihre Kinder nach diesem Lockdown nicht unbefangen mit dem Präsenzunterricht starten können“, schreibt die Stadtschulpflegschaft in ihrer Auswertung.

Der Vorschlag: Klassenlehrer sensibilisieren, damit auch die „Angstkinder“ den Weg in den geregelten Schulalltag zurückfinden. Der Übergang zwischen Distanz- und Präsenzunterricht solle für alle Parteien entspannt gestaltet werden.

Deutliche Verbesserung an den Schulen im Vergleich zum 1. Lockdown

Wenn der Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft das ganze System des Homeschooling betrachte, „dann gibt es Schrauben, wo wir nochmal ran müssen.“ Trotzdem sagt Tobias Beck auch deutlich: „Es gibt Dinge, die gut laufen. Das darf nicht unter den Tisch fallen.“

In den Ergebnissen der Umfrage wird deutlich, dass sich der Distanzunterricht im Vergleich zum ersten Lockdown positiv entwickelt hat. Das geben 75 Prozent der Umfrageteilnehmer an. „Dies ist in jedem Fall dem Engagement aller Beteiligten am Bildungsprozess und dem gemeinsamen Ziel zu verdanken“, heißt es in der Auswertung.

Außerdem hält die Stadtschulpflegschaft fest, dass der Distanzunterricht durchaus als Chance verstanden werden sollte. „Unsere Kinder werden in einem immer stärker werdenden digitalen Zeitalter groß. Digitale Medien werden sie in ihrem weiteren Leben begleiten. Daher sollten wir auch in Zukunft diese Medien in den Fokus nehmen und dessen Einsatz ausbauen.“

Umfrage-Ergebnisse zum Homeschooling zu spät? „Im Gegenteil“

Die Ergebnisse der Umfrage wurden an die Vredener Schulleiter und -träger geschickt sowie an alle weiteren, die sich um das Thema Schulpolitik bemühen. Denn Ziel der Stadtschulpflegschaft war, mit der Umfrage einen Impuls zu senden. „Wir sind positiv gestimmt, dass der Impuls aufgegriffen wird“, sagt Tobias Beck. „Wir haben signalisiert, dass wir zu Gesprächen bereit sind.“

Ab dem 22. Februar soll der Präsenzunterricht in den Schulen in Nordrhein-Westfalen wieder losgehen. Kommen die Ergebnisse der Homeschooling-Umfrage deshalb zu spät? „Die Frage haben wir uns auch gestellt. Aber ich glaube nicht, dass die zu spät kommen“, sagt Tobias Beck. „Genau im Gegenteil. Sie sind gerade jetzt bei der Wiedereingliederung in den Präsenzunterricht wichtig. Wir haben noch einmal wichtige Fragen gestellt.“

Die Stadtschulpflegschaft

  • Die Stadtschulpflegschaft ist ein freiwilliger Zusammenschluss der Schulpflegschaften aller Vredener Schulen. Mitglieder sind die jeweiligen Vertreter der einzelnen Schulpflegschaften.
  • Sie vertritt die Elterninteressen und wirkt partei- und schulübergreifend bei schulpolitischen Entscheidungen auf Stadtebene mit. Ein Mitglied nimmt als sachkundiger Bürger an Sitzungen des Bildungsausschusses teil.
  • Die gesamten Ergebnisse der Homeschooling-Umfrage sind auf der Internetseite der Stadtschulpflegschaft zu finden: www.ssp-vreden.de
Über die Autorin
Volontärin
In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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