Frischer Spargel trotz Corona-Krise: Treue Erntehelfer aus Polen machen es möglich

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In Vreden gibt es ab Samstag frischen Spargel. Keine Selbstverständlichkeit in Zeiten des Coronavirus. Doch die Erntehelfer sind der Familie Geesink treu und gehen dafür auch ein Risiko ein.

Vreden

, 24.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sonne strahlt vom Himmel, es wird milder, der Winter war nicht zu trocken. Ideale Bedingungen für Spargel. Deswegen könnte die Saison in diesem Jahr recht früh starten. Doch viele Spargelbauern stehen vor einem ganz anderen Problem als dem Wetter: fehlende Erntehelfer wegen der Corona-Krise.

Daniel Geesink hat Glück gehabt. Seine Erntehelfer sind ihm treu und wollen trotz allem auch in diesem Jahr bei der Spargel- und Erdbeer-Ernte in Großemast helfen. „In der vergangenen Woche sind schon drei Helfer aus Polen angereist, weitere sieben haben ihr Kommen zugesagt“, erzählt der Inhaber von Geesinks Spargelhöffken.

Die Erntehelfer gehören zur Familie, teilweise kommen sie schon jahrelang. „Die meisten wohnen direkt an der deutsch-polnischen Grenze“, weiß Daniel Geesink. „Sie haben häufig keinen Job in Polen und sind deswegen auf die Saisonarbeit bei uns angewiesen.“

Das Risiko aufgrund der Verbreitung des Coronavirus scheint da nur eine zweitrangige Rolle zu spielen. „Sie wissen auch, dass sie bei einer Infektion in Deutschland vermutlich besser medizinisch versorgt werden können als in Polen“, nennt Daniel Geesink ein weiteres Argument.

„Ohne Erntehelfer sind wir aufgeschmissen“

Zehn Erntehelfer aus Polen arbeiten in der Hauptsaison auf dem Hof in Großemast. Bislang wollen auch alle von ihnen kommen. Im Moment dürfen Polen zum Arbeiten noch über die Grenze nach Deutschland reisen. Aber das kann sich in Zeiten des Coronavirus auch ganz schnell wieder ändern.

Daniel Geesink hofft, dass auch die Erdbeer-Ernte trotz Coronavirus normal ablaufen kann (Archivfoto).

Daniel Geesink hofft, dass auch die Erdbeer-Ernte trotz Coronavirus normal ablaufen kann (Archivfoto). © Hildebrand-Stubbe

Was passiert, wenn die Grenze in den kommenden Tagen komplett geschlossen wird? „Dann sind wir aufgeschmissen. Ohne Erntehelfer haben wir ein riesiges Problem“, sagt Daniel Geesink. Doch er möchte lieber positiv denken.

Saisonarbeiter dürfen nun länger in Deutschland bleiben

Ein positiver Aspekt: Die Erntehelfer wollen und dürfen länger bleiben als sonst. Grund dafür ist eine Vorschrift der polnischen Regierung. Alle Rückkehrer aus Deutschland müssen dort 14 Tage in Quarantäne. „Das gilt dann natürlich auch für unsere Saisonarbeiter. Sie wollen deswegen solange wie möglich hierbleiben, damit es sich auch lohnt“, berichtet Daniel Geesink.

Die deutsche Bundesregierung hat dafür auch schon den Weg frei gemacht. Saisonarbeiter bleiben nun wegen der Corona-Krise nun 115 Arbeitstage sozialversicherungsfrei. Vorher lag die Grenze bei 70 Tagen.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband sucht unterdessen nach freiwilligen Erntehelfern aus Deutschland. Rentner, Arbeitslose, Studenten, Asylbewerber oder Minijobber könnten jetzt Spargel stechen oder Erdbeeren pflücken.

Samstag startet der Spargel-Verkauf in Vreden

In Großemast laufen die Vorbereitungen für die Spargelsaison trotz Coronavirus auf Hochtouren. „Am Samstag starten wir mit dem Verkauf“, kündigt Daniel Geesink an. Doch auch der wird wohl nicht so laufen wie sonst.

Frischen Spargel gibt es ab Samstag wieder bei Geesinks Spargelhöffken.

Frischen Spargel gibt es ab Samstag wieder bei Geesinks Spargelhöffken. © Hildebrand-Stubbe

„Wir öffnen unseren Hofladen, halten aber natürlich die nötigen Hygieneregeln ein“, so der Spargelbauer. Einige Desinfektionsspender hat er noch bekommen, „obwohl das ganz schön schwierig war“. Außerdem wird das Team darauf achten, dass sich nie mehr als zwei Kunden gleichzeitig im Laden aufhalten.

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Noch ein Problem haben die Spargelbauern: Weil die meisten Restaurants geschlossen sind oder zumindest deutlich weniger Besucher haben, kaufen die Gastronomen auch deutlich weniger Spargel. „Aber vielleicht essen dafür mehr Leute privat zu Hause Spargel, weil sie es im Restaurant eben nicht mehr tun können“, hofft Daniel Geesink.

Im Moment also ist er noch positiv gestimmt. Doch auch er weiß nicht, wie die Situation in vier oder fünf Wochen, oder auch nur in ein paar Tagen aussehen wird. Anfang Mai beginnt die Erdbeersaison. Daniel Geesink hofft, dass er auch dann noch genug Erntehelfer und Kunden hat.

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