„Puffpapa“ und „Schlampe“: Familienstreit in Vreden endet mit Einstellung des Verfahrens

rnGerichtsverfahren

Um den Besitz eines Grundstücks eskalierte ein Familienstreit in Vreden und landete letztlich vor Gericht. Während des Verfahrens gab es mehr Fragen als Antworten.

Vreden

, 09.12.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Familien komplizierte Konstrukte zwischen Menschen sind, die sich einander nicht aussuchen konnten, war am Freitagvormittag bei einem Verfahren am Ahauser Amtsgericht zu spüren. „Siezen Sie Ihre Schwägerin wirklich?“, wollte der Richter vom Angeklagten wissen. „Ja, mittlerweile schon“, lautete die Antwort.

Was war passiert? Vor Gericht musste sich ein Vredener wegen Hausfriedensbruch in Tateinheit mit Beleidigung verantworten. Er soll im April diesen Jahres auf dem Grundstück seines Bruders mit seinem Auto eine Runde gedreht und im Anschluss dessen Frau beleidigt haben.

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Schon zu Beginn der Verhandlung tauchten viele Fragen auf: Wer ist eigentlich Besitzer des Grundstücks? Gab es überhaupt ein Hausverbot? Mit welcher Geschwindigkeit war der Angeklagte auf dem Gelände unterwegs – im Schritttempo oder rasant?

„Eigentlich wollte ich nur Briefe an meinen Bruder übergeben. Das Büro befindet sich auf dem Gelände und daher bin ich zu ihm gefahren", sagte der Vredener. „Ich wusste nichts von einem Hausverbot“. Sein Bruder war jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort. Also drehte der 59-Jährige auf dem Hof eine Runde, „um nach dem Rechten zu sehen“, wie er mitteilte.

„Ich war sprachlos“

Später traf der Angeklagte seine Schwägerin am Einfahrtstor des Grundstücks an. Und dann gehen die Aussagen darüber, wie der Angeklagte dorthin gelangte, auseinander: Die Schwägerin, die als Zeugin vorgeladen war, sagte: „ Ich musste zur Seite springen, weil er so angerast kam. Ich hatte Angst und war sprachlos.“ Diese Aussage fehlte jedoch in der Anzeige, die bei der Polizei aufgenommen wurde – das machte den Richter stutzig. Zudem sprach der Angeklagte davon, dass er ganz langsam auf dem Gelände gefahren sei.

Am Einfahrtstor kam es dann zum Streit. Die Zeugin forderte den Angeklagten auf, ihr Grundstück zu verlassen. Dann habe er sie als „Schlampe“ beleidigt. Der Angeklagte berichtete jedoch, er sei als „Puffpapa“ bezeichnet worden, weil er plane, in Alstätte ein Etablissement zu errichten.

Während des Wortgefechts habe die Zeugin ihren Sohn und dessen damalige Freundin dazu gerufen. Besagte Freundin arbeitet als Polizistin, war jedoch in Zivil vor Ort. Nachdem sie die Zeugin fragt hatte, ob die Besitzfrage des Grundstücks geklärt sei, machte auch sie dem Angeklagten deutlich, dass „er den Hof verlassen soll“.

Nachdem der Streit weiter eskaliert war, rief die Zeugin die Polizei, wie sie vor Gericht sagte. Der Angeklagte verließ das Grundstück, bevor die Beamten eintrafen.

„Gericht ist der falsche Ort“

Der Richter hörte sich in Ruhe die Schilderungen der Zeugin an und entschied dann, die weiteren Zeugen – besagte Polizistin und deren damaligen Freund, den Sohn der Zeugin – nicht mehr anzuhören. „Hier ist der falsche Ort, die Eigentumsverhältnisse zu klären. Auch stimmt die Aussage der Zeugin nicht mit dem überein, was sie gegenüber der Polizei geäußert hat“, sagte der Richter.

Daher stellte er das Verfahren ein und sprach davon, dass man diese Angelegenheit auch auf andere Art und Weise hätte klären können.

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