Feuerteufel vor dem Landgericht Münster

Brandstifter erzählt aus seinem Leben

Drei Monate lang hielt die Brandserie die Region in Aufruhr. Seit Donnerstag muss sich der mutmaßliche "Feuerteufel" vor dem Landgericht Münster verantworten. Am ersten Prozesstag gab der Angeklagte Einblick in sein bisheriges Leben. Auch wurden Zeugen gehört.

VREDEN

17.03.2016, 19:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Donnerstagmorgen, 9 Uhr. Saal A10 ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Neben Pressevertretern und einer Schulklasse sind auch Besucher aus Ahaus und Vreden da. Sie wollen ihn sehen, den Mann, der für die Brandserie in ihrer Nachbarschaft verantwortlich sein soll. Um kurz nach neun betritt der 32-jährige Angeklagte den Raum. Ein blasser, hagerer Mann mit Schnauzbart und Ringen unter den Augen. Es wird getuschelt. Jemand versucht mit einem Telefon ein Foto zu machen. Die Verteidigung schreitet ein.

Angeklagter will sich zu Taten nicht äußern

Äußern will der Mann sich nicht - zumindest nicht zu den Anklagepunkten. Ihm wird vorgeworfen, zwischen Juli und Oktober vergangenen Jahres in zwei Gaststätten, zwei Gärtnereien, eine Industriehalle, eine Grundschule und eine Garage in Ellewick, Lünten und Ottenstein Ahaus eingebrochen zu sein. Die Objekte soll er anschließend in Brand gesetzt haben. In mindestens einem Fall geht die Anklage von schwerer Brandstiftung aus: Nur durch Zufall hatte ein Gastwirt aus Ellewick das Feuer bemerkt und sich aus seiner Wohnung im Obergeschoss retten können (Münsterland Zeitung berichtete).

Frust über kleine Beute

DNA-Spuren an einem der Tatorte führten die Polizei zu dem gebürtigen Reutlinger, der zum Zeitpunkt der Festnahme im Antoniusheim in Köckelwick wohnte. Gegenüber der Polizei räumte er die Einbrüche ein und gestand, fünf Brände gelegt zu haben - aus Frust über zu kleine Beute. In das Obdachlosenwohnheim war er nach seiner Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt Schwerte gezogen, wo er eine zweijährige Haftstrafe wegen verschiedener Delikte verbüßt hatte (Besitz und Verbreitung kinderpornografischen Materials, Drogen, Diebstahl).

Alkohol und Drogen

Fragen zu seinem Lebenslauf beantwortet der Angeklagte ausführlich. "Ich war kein Wunschkind", sagt er, "meine Mutter hat mich als Baby zu einer fremden Frau gegeben." Von seinem Vater wisse er nur, dass er Alkoholiker war. Den Großteil seiner Kindheit verbrachte er in Erziehungseinrichtungen, ehe er als Jugendlicher komplett vom Kurs abkam. Er wurde alkoholkrank, nahm Ecstasy und Speed und lebte einige Jahre in Stuttgart auf der Straße. Zur Finanzierung seiner Sucht verkaufte er seinen Körper. Auf dem Strich lernte er einen Mann aus Epe kennen, der ihn bei sich zu Hause aufnahm. Die harten Drogen ließ er fortan sein, seitdem ist er bekennender Kiffer.

"Zurückhaltend und wenig zugänglich"

Anschließend werden mehrere Zeugen angehört. Ein Psychiater beschreibt den Angeklagten als "zurückhaltend und wenig zugänglich". Er sei oft krank gewesen und selten zur Arbeit erschienen, berichtet eine Sozialarbeiterin aus dem Antoniusheim. Ein früherer Bewährungshelfer erzählt von depressiven Zügen und Selbstmordgedanken. Während seines Aufenthalts in Schwerte hatte der Angeklagte versucht, sich das Leben zu nehmen. Einen weiteren Suizidversuch habe er laut eigener Aussage für das Jahresende geplant. Die Festnahme habe dies verhindert.

  • Die Verhandlung wird am 30. März fortgesetzt. Weitere Verhandlungen wurden für den 4. und 8. April angesetzt.

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