Förderverein hat sich Großprojekt vorgenommen

Kritik ist verstummt

Ein Summen liegt in der Luft. Bienen steuern die zartbunten Blüten an, Schmetterlinge machen ihnen Konkurrenz um einen Landeplatz. Vier Männer stehen auf dem schmalen Wirtschaftsweg und blicken mit sichtbarer Freude auf den Blühstreifen zwischen ihnen und dem Acker dahinter.

VREDEN

, 19.07.2017, 18:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie alle tragen in der einen oder anderen Weise Verantwortung im Förderverein Kulturlandschaft Vreden. Der Natur mehr Geltung verschaffen, dabei viele Akteure an einen Tisch holen - diesem Ziel fühlen sie sich verpflichtet. Und sehen sich auf gutem Kurs und wieder in ruhigerem Fahrwasser, nachdem sich Naturschützer und Landwirte wieder aufeinander zubewegt haben (Münsterland Zeitung berichtete).

"Der Förderverein hat schon vieles bewegt. Vreden wird damit als Vorzeigeprojekt angesehen", erklärt Erster Beigeordneter Bernd Kemper, der die Stadt im Verein vertritt. Mit dabei sind auch das Gymnasium und die KAB, die Angler und der Naturschutzbund, der Hegring und die Imker, Nebenerwerbslandwirte und Heimatfreunde…

Renaturierung "Zug um Zug"

Der Verein hat sich einiges vorgenommen für die Zukunft. Die Renaturierung der Wegerandstreifen stellt ein Großprojekt dar: Zug um Zug sollen sich die städtischen Streifen wieder in blühende Saumbiotope verwandeln. "Die Streifen haben eine Originalbreite von vier bis fünf Meter. Diese werden angesät mit zertifiziertem gebietsheimischen Saatgut", erklärt Josef Levering. So kommen Margeriten und Malwenarten neu zur Geltung, zeigen sich Flockenblumen und Lichtnelken: "Eigentlich Allerweltssorten, die es früher überall hier gab."

Wo liegen überhaupt die städtischen Streifen? Wie groß sind sie? Wo verlaufen die Grenzen zwischen privatem Acker und öffentlichem Grün? Diese Fragen mussten erst einmal beantwortet sein, ehe es an die eigentliche Arbeit gehen konnte. Die Aktiven des Fördervereins, nicht zuletzt in Gestalt von Josef Levering und Hans Terwort, haben in langer Kleinarbeit ein Kataster angelegt. Es erfasst alle städtischen Wegerandstreifen, die von ökologischem Interesse sind. Levering zeigt die Größenordnung: "Das sind rund zehn Hektar Potenzial."

Keine Probleme mit der Landwirtschaft

Der Anfang sei gemacht, jetzt soll es weitergehen. "Wir haben bei diesem Vorhaben keinerlei Probleme mit der Landwirtschaft", sagt Bernd Kemper. Wo es Klärungsbedarf gab, sei das durch Gespräche vor Ort schnell geklärt worden. 1,2 Hektar sind in diesem Jahr bereits neu angelegt worden.

Für das nächste Jahr hat sich der Förderverein sogar vorgenommen, rund 100 Flächen wieder neu zum Blühen zu bringen - abgestimmt mit der unteren Landschaftsbehörde.

Um dieses Pensum zu schaffen, werden die Arbeiten vergeben. Die erforderlichen Mittel hatte der Rat bereitgestellt. Wenn es gut läuft, wird sich die Stadt diese Flächen sogar als Ökopunkte anrechnen lassen können, hofft Bernd Kemper.

Aktivitäten zeigen Wirkung

Aber nicht nur im Außenbereich zeigen die Aktivitäten des Vereins bereits ihre Wirkung. Um die Flächen hinter der Stiftskirche hat sich die KAB gekümmert, das Gymnasium war in Schulnähe aktiv, die Stadt selbst hat zum Beispiel an der Widukindstraße für heimisches Blühen gesorgt, auch eine Fläche am Friedhof wurde eingesät, auf Verkehrsinseln treiben heimische Blumenarten Blüten. "Und es ist noch viel mehr möglich", sagt Hans Terwort mit Überzeugung. "Das Thema ist sehr präsent geworden", sagt Bernd Kemper.

Daran haben auch die Angelsportler ihren Anteil. Bei ihnen stehen die Gewässer naturgemäß im Vordergrund. Eines ihrer Projekte: künstliche Schwimminseln am Berkelsee. "Sie verringern das Übermaß an Nährstoffen im Wasser", zeigt Alfons Wüpping, ASV-Vorsitzender, auf.

Landwirtschaftsverband hat Thema positiv aufgegriffen

Wie fallen die Reaktionen auf all diese Aktivitäten aus? "Wir freuen uns darüber, dass der Landwirtschaftsverband das Thema Wegerandstreifen positiv aufgegriffen hat", sagt Bernd Kemper. Die Landwirte hätten bei der Ernte erkennbar Rücksicht genommen auf die Blühstreifen.

Im Blick hat der Verein übrigens auch die Wirtschaft: Wer Flächen auf seinem Firmengelände in optisch ansprechender Weise der Natur zur Verfügung stellen will, kann sich beim Vorsitzenden Josef Levering jederzeit melden: Tel. 32552.

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