Gedenken an Auschwitz-Opfer: 150 Vredener nehmen an bewegender Gedenkfeier teil

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Mehr Vredener als erwartet sind zu der Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslagers in Auschwitz gekommen. Von den berichteten Schicksalen waren sie tief bewegt.

Vreden

, 29.01.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Vorstellen der Vredener Synagoge, der Bericht über die Ermordung der Familie Rosenthal und das Totengedenken an die jüdischen Opfer standen am Montagabend im Mittelpunkt der Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz. Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch begrüßte im Rathaus rund 150 Teilnehmer, mit so vielen Personen hatten die Organisatoren von Pax Christi, der Stadt Vreden, den Vredener Schulen und der Vredener Kirchengemeinden nicht gerechnet.

Es wurden noch schnell Stühle in den Saal geschafft, trotzdem standen noch mehrere Frauen und Männer. Die musikalische Gestaltung der Veranstaltung übernahmen Andrea Küpers, Gertraud Feller und Annette von der Assen.

„Grauenhafte Tötungsmaschinerie“ in Auschwitz

„Vor 75 Jahren befreiten russische Soldaten die wenigen Überlebenden in Auschwitz. In Auschwitz, mit seiner grauenhaften Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten, wurden 1,1 Millionen Menschen ermordet, die meisten davon Juden,“ erklärte Vredens Bürgermeister. Zehntausende Juden seien kurz vor der Befreiung von Auschwitz zum Todesmarsch in andere Lager gezwungen worden.

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Es gab zum Ende des Zweiten Weltkrieges 47 Nebenlager von Auschwitz. „Das ganze Ausmaß ist einfach unvorstellbar, Auschwitz ist für alle Zeit ein Aufschrei der Verzweiflung und eine Mahnung an die Menschheit,“ betonte Dr. Christoph Holtwisch. Da die Befreiung 75 Jahre zurückliege, verlange es nach einem besonderen Gedenken an die jüdischen Opfer aus Vreden. Gegen das Vergessen.

Modell von der Vredener Synagoge

Guido Leeck stellte zunächst das Modell der Vredener Synagoge vor, das er im Jahr 1991/1992 nach Zeitzeugenberichten, unter anderem der Vredener Jüdin Anna Uhlmann, und zwei alten Fotos rekonstruierte. Nach seinem Bauplan entwarf er das Modell der Wohnhaussynagoge mit einem detailgetreuen Innenbereich. Das Modell der Vredener Synagoge fertigte Guido Leeck im Maßstab 1:25 an.

Gedenken an Auschwitz-Opfer: 150 Vredener nehmen an bewegender Gedenkfeier teil

Ein Blick in das Modell der Vredener Synagoge, das Modell hat Guido Leeck im Jahr 1992 angefertigt. © Anne Rolvering

Seit einigen Jahren kann es im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten besichtigt werden. Für die Gedenkfeier hatte Guido Leeck sein Modell wieder nach Vreden geholt und erzählte sehr ausführlich von der Entstehung und dem bewegenden Treffen mit sieben Juden aus Vreden, die den Holocaust überlebt haben.

Erinnerungen an Familie Rosenthal

An die Vredenerin Henriette Rosenthal, die mit ihren drei Kindern Gerda, Hildegard und Helmut in Auschwitz umgebracht wurde, erinnerten anschließend Dagmar Sikora und Christel Schröer. Henriette Rosenthal wurde in Eibergen in den Niederlanden geboren und kam als Kind nach Vreden. Sie heiratete Ludwig Rosenthal und wohnte im Küsterhäuschen der Synagoge in der Twicklerstraße.

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In der Pogromnacht 1938 wurde Henriettes Mutter so schwer misshandelt, dass sie kurz danach starb. Henriettes Ehemann Ludwig starb schon vorher, daher war sie im Jahr 1939 allein mit ihren Kindern und ihrem Vater Joseph van Gelder. Die Familie Rosenthal zog mit ihm nach Winterswijk, wo Joseph van Gelder im März 1942 starb. Im November 1942 wurden Henriette und ihre drei Kinder im Lager Westerbork inhaftiert. Am 28. November 1942 erfolgte ihre Verschleppung nach Auschwitz, dort wurden Henriette Rosenthal und alle drei Kinder am 27. November 1942 ermordet.

Mit Instrumentalmusik, der Jüdischen Totenklage und dem Psalm 18 gedachten die Anwesenden der ermordeten Juden. Beim Totengedenken legte jeder Teilnehmer der Veranstaltung einen Kieselstein für die Opfer auf die symbolhafte Klagemauer. Die Anwesenden verließen danach tief bewegt und still den große Sitzungssaal.

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