Georg Wessels wartet auf den Zaun

Nachbarschaftsstreit mit Stadt

Manchmal, da glaubt Georg Wessels sogar an eine „Erblast“. Für das seit etlichen Jahren angespannte Verhältnis zwischen ihm und der Stadtverwaltung hat er jedenfalls Belege. Jüngstes Beispiel: Seit Eröffnung der Firma Wessels am neuen Standort Ausbachstraße im September 2015 wartet der Unternehmer darauf, dass die Stadt ihr vertraglich vereinbartes Wort hält. Bislang vergeblich.

VREDEN

, 01.08.2017, 17:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Georg Wessels hat die strittige, 96 Quadratmeter große Brachfläche täglich im Blick.

Georg Wessels hat die strittige, 96 Quadratmeter große Brachfläche täglich im Blick.

Konkret geht es um einen zwei Meter hohen Zaun entlang des Ausbaches und um eine 96 Quadratmeter große Brachfläche am Kopf des Geländes. Beides ist Bestandteil des Kaufvertrages zwischen Georg Wessels und der Stadt Vreden vom 20. Mai 2014. Darin verpflichtet sich die Stadt, für die Zaunanlage wie für die Pflasterung der Brachfläche zu sorgen.

Verbindungsweg

Hintergrund für diese Vereinbarung ist nämlich, „einen Verbindungsweg für Radfahrer und Fußgänger zwischen dem Stadtpark, der Innenstadt und dem Berkelsee einzurichten“. Wörtlich heißt es weiter: „Der Verkäufer verpflichtet sich, entlang der Grenze zwischen dem neu zu vermessenden Grundstück des Käufers und dem Verbindungsweg einen massiven Zaun auf einem Fundament zu errichten.“ Gleichzeitig verpflichtet sich die Stadt dazu „Kosten und Lasten der Unterhaltung, Instandhaltung, Instandsetzung, Verkehrssicherungspflicht und Haftung“ zu übernehmen.

Umgesetzt wurde das aber nicht. Trotz zahlreicher Gespräche und Emails, bis hin zum Einschalten eines Anwalts durch Wessels. Und immer wieder gab es von der Stadt die Zusage, dass man aktiv werde. Im April 2016 teilte Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch die Absicht mit, „kurzfristig zu bauen“. Passiert ist das aber nicht. Vielmehr gab es immer wieder neue Argumente der Stadt für die Verzögerung und neue Auflagen und Angebote an den Unternehmer. So seien die Grenzzeichen nicht sichtbar, Kiesbelag verhindere die Arbeiten. Georg Wessels nennt das so: „Mit allen Mitteln und Tricks versucht man, die Erfüllung der notariellen Vereinbarung zu verzögern“.

Stadtrat ist informiert

Über all das hat er inzwischen den Rat informiert. Auch das sei aber ohne Wirkung geblieben, stattdessen hat mittlerweile Meter hohes Unkraut längst die städtische Fläche überwuchert, drängt sich auch zum Nachbarn vor. Georg Wessels hat keine Erklärung dafür, wie es soweit kommen konnte, er sei immer an einer gütlichen Einigung interessiert gewesen: „Ich will doch nur, dass der Vertrag eingehalten wird, nicht mehr und nicht weniger.“ Außerdem habe er inzwischen rund 10.000 Euro ausgegeben – für neue Vermessungen, Plattierung eines Weges und mehr.

Was ihn aktuell erbost, ist die neueste Offerte der Stadt. Die 96 Quadratmeter könne er erwerben, heißt es. Das Pikante: Der Kaufpreis ist doppelt so hoch wie der seinerzeit für das Firmenglände. Durch seinen Anwalt ließ Wessels das Angebot zu dem Kurs ablehnen, will am alten festhalten. Das war am 22. Juni dieses Jahres. Auf die Antwort der Stadt wartet Georg Wessels.

Stellungnahme der Stadt

Die Stellungnahme der Stadt kommt von Joachim Hartmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, da der Bürgermeister im Urlaub ist. Hartmann ist erstaunt, dass Georg Wessels Einblick in die „vertraulichen“ Unterlagen gewährt hat. Auf die Frage, warum der Zaun immer noch nicht gebaut sei, sagt er: „Weil wir uns nicht einig geworden sind über den Verlauf.“ Der nämlich stehe in engem Zusammenhang mit einer Lösung für die benachbarte Brachfläche, seinerzeit geplant als „gemeinsamer, offener Vorplatz“ von Stadt und Wessels: „Das ist der strittige Punkt.“

"Städtebauliches Unding"

Ursprüngliche Idee war, die städtische Hälfte analog zur Wessels-Fläche zu gestalten. Wessels aber habe die Idee, dass die Stadt den Zaun über die Grundstücksgrenze führe. Für Hartmann und, wie er sagt, auch für den Rat ein „städtebauliches Unding“. Rat und Verwaltung hätten bereits mit Fassungslosigkeit auf die „rechtlich mögliche“ Rundum-Einzäunung der Firma reagiert. Sozusagen als Kompromiss sei das Kaufangebot gedacht – trotz Favorisierung der Ursprungsidee. Der Kaufpreis sei absolut marktüblich, zudem sei man Wessels schon vielfach entgegen gekommen. Technisch ist der Bau des weitaus größeren Zaunteils laut Hartmann jetzt schon möglich, aber: „Auch wir haben unsere Position.“

 

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