Gertrud Welper will Bürgermeisterin für alle sein – nicht nur für die Grünen

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Bei der Kommunalwahl im September tritt Gertrud Welper in Vreden als Bürgermeisterkandidatin für die Grünen an. Im Kandidatengespräch geht es aber nicht nur um grüne Themen.

Vreden

, 27.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Haus wachsen Wildblumen, im Garten picken drei Hühner die Larven von Essigfliegen aus dem Boden. „Das ist die natürliche Art, unsere Kirschen zu schützen. Pestizide kamen für uns nicht infrage“, sagt Gertrud Welper. Sie tritt im September in Vreden als Bürgermeisterkandidatin für die Grünen an.

Zum Kandidatengespräch hat die 57-Jährige in ihr Wohnzimmer eingeladen. Ihr Mann Gerd Welper, selber Kommunalpolitiker und Fraktionsvorsitzender der Grünen-Fraktion im Stadtrat, sitzt mit am Tisch. An der Wand hängen Familienfotos mit den zwei Söhnen und der Tochter, die inzwischen schon selber Kinder haben.

Gertrud Welper beschäftigt sich mit allen Themen

Gertrud Welper hat sich auf das Gespräch vorbereitet. Auf einem Zettel hat sie sich die wichtigsten Aspekte ihres Wahlkampfes notiert, sortiert nach Themen wie Verkehr, Wirtschaft, Wohnen oder Industriegebiet. „Als Kommunalpolitikerin deckt man ja alle Bereiche ab“, sagt sie lachend. „Ich kann problemlos jetzt einen Vortrag über Verkehr oder Wirtschaft halten, auch wenn das nicht vorrangig die Kernthemen der Grünen sind.“

Und genau das ist ihr auch für den Job als Bürgermeisterin wichtig. „Natürlich bin ich bei den Grünen, aber ich wäre eine Bürgermeisterin für alle“, sagt sie. Auch wenn das beinhaltet, dass man manchmal Entscheidungen treffen müsse, die vielleicht nicht ganz so grün sind.

In Stadtlohn aufgewachsen, dann kaufmännische Ausbildung

Die Atompolitik war es, die Gertrud Welper im Jahr 1996 zu der Partei gebracht hat. „Und die Frauenpolitik. Das war die Zeit, in der ich nach der Babypause wieder in den Beruf starten wollte und gemerkt habe, dass ich dadurch einige Nachteile hatte“, erinnert sie sich.

Nach dem Abitur hat sie eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Ein nebenberufliches Studium in Wirtschaftswissenschaften hat sie zwar begonnen, aber nicht abgeschlossen. Der Beruf hat sie und ihren Mann zwischenzeitlich ins Rheinland verschlagen, seit 1990 lebt die Familie in Vreden.

Bierbaumgelände sei eine „hässliche Visitenkarte für Vreden“

Seit 2015 ist Gertrud Welper Mitglied im Stadtrat. Die großen Themen der Vergangenheit hat sie noch gut auf dem Schirm. Den neuen Entwurf für den Schulcampus findet sie zwar nicht besonders gelungen, „aber es ist gut, dass endlich was beschlossen ist“. Die Entwicklung des Bierbaumgeländes bleibe Thema. „Das ist im Moment eine hässliche Visitenkarte für Vreden. Weitere Vorhaben sollten nicht zehn Jahre blockiert werden.“

Mit Blick in die Zukunft nennt die 57-Jährige einige Ideen: Coworking-Spaces könnten für eine Belebung der Innenstadt sorgen. Das Industriegebiet muss digitaler werden, genau wir die Schulen. Die Kirchdörfer sollen ihre Schulen behalten. Ein spezieller Gastronomie-Gutschein könnte den Restaurants und Kneipen in der Coronakrise helfen.

Radverkehr stärken und Wasser effektiver nutzen

Nach über eine Stunde Gespräch nennt Gertrud Welper dann zum ersten Mal das Stichwort Klimawandel. „Es wird heißer werden, wir müssen unsere Stadt also kühlen“, sagt sie eindringlich. Fassaden- oder Dachbegrünung nennt sie als Idee, oder mehr erneuerbare Energien im Industriegebiet Gaxel und ein effektiverer Umgang mit Wasser.

Und ganz wichtig: Der Radverkehr in Vreden muss nach Meinung von Gertrud Welper noch weiter ausgebaut werden. Zum Beispiel durch eine Fahrradstraße, die über den Venndiek bis an die Ringstraße führt.

Als große Herausforderung für den nächsten Bürgermeister oder die nächste Bürgermeisterin sieht sie die Auswirkungen der Corona-Krise. „Aber man lässt sich ja auch nicht wählen, um jeden Tag Sonnenschein zu haben. Bei so einem Amt muss man auch mit Regenwolken rechnen.“

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