Hanne Feldhaus und Jörg Hilbert entführen klanglich in die Barockzeit

rnKonzert in Zwillbrock

Es war nicht der Besucheransturm, der in Vor-Corona-Zeiten bei den geistlichen Konzerten in der Barockkirche herrschte. Dafür war der Genuss des ersten Nach-Corona-Konzerts noch intensiver.

Vreden

, 23.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Knapp 40 Sitzplätze waren ausgewiesen beim ersten Konzert nach dem Corona-Lockdown in der Zwillbrocker Barockkirche. Die Hälfte waren belegt. Erwartungsvolle Stille herrschte aber bei den Zuhörern, als Hanne Feldhaus (Flöten) und Jörg Hilbert (Theorbe, Renaissaincelaute, Renaissancegitarre) mit dem ersten von sechs Sätzen der Suite Nr. 4 e-moll von Matthew Locke, einem englischen Komponisten des 17. Jahrhunderts, begannen.

Renaissancelaute und Altflöte harmonieren

Hilbert interpretierte das Renaissance-Werk auf der langhalsigen Theorbe.

Der belgische Komponist Jacob Arcadelt lebte 100 Jahre früher. Sein Werk „Il Bianco E Dolce Cigno“ zeigte in der Interpretation der beiden Musiker bereits den musikalischen Stilwechsel von der Renaissance zum Barock auf. Hilbert hatte dazu die handlichere Renaissancelaute gespielt, während die Leitstimme der Altflöte von Hanne Feldhaus die harmonische Abrundung und Aufwertung dieses Werkes darstellte.

Beeindruckende Klänge entlockte Hilbert der Renaissancelaute, als er als Solist die Werke von Pierre Attaingnant und Luis de Naváez vortrug, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gelebt haben. Attaingnants „Prelude 4“ war ein kurzes Stück, das in dem Wechsel von einfachen Melodien zu verschlungenen Kadenzen gar nicht nach der Entstehungszeit klang.

Auf die Interpretation europäischer Barockmusik spezialisiert

Feldhaus und Hilbert haben sich mit ihren Instrumenten, die originalgetreue Nachbauten historischer Instrumente des 16. und 17. Jahrhunderts sind, schon lange auf die Interpretation europäischer Musik dieser Jahrhunderte spezialisiert.

„Im Grunde sind meine drei Instrumente alles Lauten. Die Laute kam von Arabien nach Europa, wo sie eine ganz eigene Entwicklung nahm. Die Blütezeit der Laute war in der Renaissance und im Barock“, informierte Hilbert die Zuhörer und lockerte damit das Konzert auf.

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Wie breit gestreut das Spektrum der Musik im 16. und 17. Jahrhunderts war und wie stark vernetzt die Länder durch Wanderungen der Komponisten waren, bewies

der weitere Konzertverlauf. Werke von Andrea Falconieri, Roland de Lassus und John Dowland interpretierte das Duo in berührender Weise. Als Hilbert seine Renaissancegitarre noch erklingen ließ, war die Begeisterung vollkommen. Der Ausschnitt „The division Flute“ eines unbekannten Komponisten von 1706 auf der Gitarre, die äußerlich der Ukulele glich, rundete das Programm ab.

Der Niederländer Joan Meegan bedankte sich nach dem Konzert persönlich bei den Musikern: „Dankeschön für die schöne Musik. Wir lieben Barockmusik.“

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