Heimatstadt Vreden als Ansammlung von Lieblingsorten

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Auf der Suche nach einem Lieblingsort in ihrer Heimatstadt Vreden konnte sich Redakteurin Victoria Garwer nicht wirklich entscheiden. So wurde die ganze Innenstadt zu ihrem Lieblingsort.

Vreden

, 10.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt ist eine Ansammlung von Lieblingsorten. Jedem Vredener fällt da vermutlich sofort etwas ein: Das Bauernhausmuseum, das Zwillbrocker Venn, die Teufelsschlucht, die alte Wassermühle, die vielen Kirchen oder auch der Kring in Ammeloe.

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Das sind die Orte, die einfach schön sind. Aber noch viel wichtiger sind doch die Orte, mit denen man ein bestimmtes Gefühl verbindet. Jedes Mal, wenn ich mit dem Auto nach Hause fahre zum Beispiel, genieße ich den Blick über die leicht hügeligen Felder, durch die sich die Berkel schlängelt, im Hintergrund eine Allee aus Bäumen. Dieser Ausblick zeigt mir jeden Tag, in was für einer schönen Gegend wir leben.

Wald und Radweg

Da ist der kleine Wald hinter der Wohnsiedlung, in dem ich als Kind Höhlen gebaut habe. Der Radweg, über den ich mit meiner Oma in den Ferien freitagmorgens zum Einkaufen gefahren bin. Der Spielplatz, auf dem ich meinen ersten Kuss bekommen habe. Das Restaurant, in dem ich das erste Date mit meinem Mann hatte. Der Schulhof, auf dem ich mit meinen Klassenkameraden Seilchen gesprungen bin.

Auch wenn die Vredener Innenstadt vielleicht nicht perfekt ist, ist sie dank besonderer Erinnerungen und Begegnungen der Lieblingsort von Redakteurin Victoria Garwer.

© Markus Gehring

Doch wenn ich mich für einen Lieblingsort entscheiden soll, nehme ich die Innenstadt. Ich weiß, das muss ich erklären. Die Vredener Innenstadt ist mehr als Leerstände und kuriose Straßenführungen. Sie vereint alles, was diese Stadt ausmacht.

Überall Kleinigkeiten zu entdecken

Vor ein paar Jahren bin ich mit einem Mitglied des Heimatvereins durch die Straßen gelaufen und dabei habe ich so viel gelernt, worüber ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe. Wenn man nur richtig hinschaut, gibt es überall Kleinigkeiten zu entdecken, die so viel über die Geschichte unserer Stadt erzählen.

Und stellen Sie sich mal vor, was unter diesen Straßen und Häusern noch alles verborgen liegt. Früher wurden die Fundamente nicht entfernt, es wurde einfach darüber gebaut. Unter der Stadt, wie wir sie heute kennen, liegt also noch ein ganz anderes Vreden. Eines, das Raum für Spekulationen, Fantasie und Geschichten lässt.

Wandel und Fortschritt überall

Doch die Innenstadt zeugt nicht nur von unserer Vergangenheit. Sie ist auch Zeichen für Wandel und Fortschritt. An kaum einem anderen Orte verändert sich so viel in so kurzer Zeit. Hier wird gebaut, geplant und gestaltet. Die Straße über den Marktplatz etwa, die gibt es erst seit wenigen Jahren. Die Verlegung des Busbahnhofes, die neue Gastronomie am Marktplatz und die Sanierung der Königstraße sind nur einige Beispiele für den Wandel in der Innenstadt.

Auch wenn die Vredener Innenstadt vielleicht nicht perfekt ist, ist sie dank besonderer Erinnerungen und Begegnungen der Lieblingsort von Redakteurin Victoria Garwer.

© Markus Gehring

Ja, nicht jede Veränderung ist automatisch eine Verbesserung und manchmal sollte man sich gegen so eine Veränderung wehren. Auch mir fehlen bestimmte Geschäfte und grüne Elemente in der Innenstadt. Und die Verkehrsführung irritiert mich immer wieder, obwohl ich hier aufgewachsen bin. Für Auswärtige wird das wohl zu einer riesigen Herausforderung.

Überall was zu entdecken

Aber hier kommt wieder das Thema Gefühl ins Spiel. Die Innenstadt ist eben auch der Ort, an dem ich mich mit Freunden zum Eis essen verabrede oder zufällig Menschen treffe, die ich lange nicht gesehen habe. Dort erlebe ich unbeschwerte Stunden auf der Kirmes, genieße Glühwein beim Weihnachtsmarkt oder bewundere unseren Weihnachtsbaum Horst.

Wohl jedes Vredener Kind hat sich am Brunnen auf dem Domhof eine nasse Hose geholt, obwohl Mama und Papa immer wieder gesagt haben, man solle vorsichtig sein. Und die gemischte Tüte vom Kiosk an der Ecke gehört ebenso zur Vredener Kindheit wie ein Ritt auf dem Bullen im Stadtpark oder das Klettern auf die Skulptur mit den zwei Frauen vor dem Alten Rathaus. Also: Ich habe mir angewöhnt, mich über das zu freuen, was da ist, anstatt mich über das zu ärgern, was nicht da ist. Denn dann erscheint die Innenstadt in einem ganz anderen Licht.

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