„Ich lass mich dann mal überfallen“

Überfälle verunsichern Vredener

Nachrichten über nächtliche Raubüberfälle haben in Vreden Verunsicherung ausgelöst. Die Polizei sieht angesichts der Fallzahlen jedoch keine Verschlechterung der Sicherheitslage.

VREDEN

, 19.09.2017, 18:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Allein durch dunkle Gassen gehen - diese Vorstellung verknüpfen derzeit viele Vredener mit der Unsicherheit, Opfer eines Raubüberfalls zu werden.

Allein durch dunkle Gassen gehen - diese Vorstellung verknüpfen derzeit viele Vredener mit der Unsicherheit, Opfer eines Raubüberfalls zu werden.

"Junge Männer nachts brutal beraubt“, „19-Jähriger wehrt mit Faustschlag Überfall ab“, „Unbekannte berauben Taxifahrer“: Es sind Überschriften wie diese, die in Vreden in den vergangenen Wochen für Gesprächsstoff sorgten. Dahinter stehen reale Ereignisse, die manchen offensichtlich Angst machen – Angst, vor allem abends und nachts auf dem Heimweg selbst Opfer einer solchen Gewalttat zu werden.

„Das ist nicht nur ein Gefühl.“ Rainer Pag weiß aus vielen Gesprächen, wovon er spricht. Der Vredener kellnert und bekommt vieles mit. Er hat beobachtet, dass sich manche Gäste schon in Sarkasmus flüchten, wenn sie sich auf den Heimweg machen: „Ich lass mich dann mal überfallen.“ Dahinter stehe eine reale Sorge, sagt Rainer Pag: „Ein Mann ist bereits vier Mal überfallen worden.“ Ein Problem: Wer sich nach einem feuchtfröhlichen Abend auf den Heimweg macht, sei ein leichtes Opfer für Kriminelle, sagt Rainer Pag.

Frage der Sicherheit

Dass sich solche Taten in der jüngsten Vergangenheit gehäuft hätten, sei mehr als nur ein bloßer Eindruck: „Vor der Kirmes ist doch praktisch an jedem Wochenende so etwas passiert.“ Zudem gebe es Vorfälle, die es gar nicht erst bis in den Polizeibericht schaffen würden: „Viele zeigen so was gar nicht an.“

Deshalb stellt sich für Rainer Pag die Frage nach der Sicherheit. Was er gut finden würde, wäre eine eigene Polizeiwache in Vreden, die rund um die Uhr mit Beamten besetzt ist. Das sei aus seiner Sicht gerechtfertigt, denn die Kriminalität sei in Vreden relativ hoch. Rainer Pag setzt auf die Polizei – und will nicht, dass sich am Ende besorgte Vredener noch zu einer Bürgerwehr zusammenschließen.

Wachsender Unmut

Aber der Unmut wachse: „Viele Vredener, die ich kenne, sind nachts nur noch mit der Hand am Pfefferspray unterwegs.“ Er selbst hat auch schon Konsequenzen gezogen: „Ich bringe, wenn es nötig erscheint, Bekannte heim.“ Man überlege sich inzwischen, welchen Weg man nach Hause wähle. Oder dass man besser das Portemonnaie daheim lasse und Bargeld lose mitnehme – damit im Falle eines Falles nicht die persönlichen Papiere in den Händen Krimineller landen. Gleichzeitig habe er das Gefühl, dass sich aufseiten des Staates nichts tue.

Diesem Eindruck widerspricht Frank Rentmeister mit Nachdruck. Er ist Sprecher der Polizei im Kreis Borken und sagt: „Bis jetzt hat sich noch niemand direkt an uns gewandt und erklärt, die Sicherheitslage in Vreden sei schlecht.“ Abtun wolle die Polizei die Sorgen der Bürger aber keinesfalls: „Wir nehmen das ernst.“

Lage differenziert sehen

Frank Rentmeister plädiert aber auch, zu differenzieren: „Das Sicherheitsgefühl entspricht nicht immer der wirklichen Lage.“ Oft würden wenige, aber markante Vorfälle reichen, um bei Bürgern nachhaltig Verunsicherung auszulösen. Die Zahlen würden dies aber nicht belegen.

Dennoch habe die Polizei ein genaues Augenmerk auf den Ort – auch im Hinblick auf die Auseinandersetzungen zweier Familien, die in den vergangenen Wochen schon mehrfach gewalttätige Formen angenommen hatten und sich entsprechend in den Fallzahlen niederschlug: „Wir werden alles tun, um da Ruhe hineinzubekommen.“

Polizeistatistik

Die Kriminalitätsstatistik weist für die ersten acht Monate des Jahres einen Anstieg der sogenannten Straßenkriminalität aus: Sie stieg in Vreden von 227 Fällen im gleichen Zeitraum des Vorjahres auf nun 286. Dieser Anstieg sei aber vor allem auf Diebstähle aus Kraftfahrzeugen zurückzuführen: Ihre Zahl erhöhte sich von 31 auf 107.

Die Zahlen beim Raub erhöhten sich von sieben auf zehn, die Fälle gefährlicher und schwerer Körperverletzungsdelikte von fünf auf zehn. In der ersten Hälfte des Septembers, also der Kirmeszeit, gab es in diesem Jahr acht gefährliche Körperverletzungen. Im Vorjahr waren es 13. Mit diesen Zahlen liege Vreden aber immer noch vergleichsweise im niedrigen Bereich, sagte Polizeisprecher Frank Rentmeister. Das zeige die sogenannte Kriminalitätshäufigkeitszahl.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt