Kaum jemand will Bäcker oder Konditor werden – warum zwei Gesellinnen ihren Beruf mögen

rnAusbildung Bäckerei

Mara Geesink hat gerade ihre Ausbildung als Bäckerin abgeschlossen, Pia Becking als Konditorin. Beide als Innungsbeste. Sie können nicht verstehen, warum die Berufe so unbeliebt sind.

Vreden

, 24.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine aufwendige Torte, gekrönt von einer Wahrsager-Kugel aus Zucker – das ist das Gesellenstück von Pia Becking. Die 24-Jährige hat ihre Ausbildung zur Konditorin als Innungsbeste abgeschlossen. Genauso wie ihre Kollegin Mara Geesink, die als beste Bäckerin geehrt wurde. Mit ihrer Berufswahl stehen die beiden jungen Frauen ziemlich alleine da.

Nur 15 Prüflinge haben in diesem Jahr in der Bäcker-Innung Ahaus ihre Ausbildung beendet. 13 davon stehen als Fachverkäufer hinter der Theke in einer Bäckerei. Nur zwei haben den Beruf des Bäckers erlernt.

Brot, Brötchen und Croissants sind für die Bäckerin kein Problem

Eine davon ist Mara Geesink aus Vreden. Sie hat vor drei Jahren ihre Ausbildung in der Bäckerei Geelink begonnen. „Natürlich muss man einige Rezepturen im Kopf haben, aber es geht vor allem um die richtige Herstellung“, weiß die 19-Jährige. Brot, Brötchen, aber auch feinere Backwaren wie Croissants kann sie nun problemlos selber machen.

Kaum jemand will Bäcker oder Konditor werden – warum zwei Gesellinnen ihren Beruf mögen

Pia Becking und Mara Geesink mit ihren Ausbildern der Bäckerei Geelink. © Victoria Thünte

Aber wieso möchte kaum jemand diesen Beruf ergreifen? Der frühe Arbeitsbeginn in der Backstube könnte ein Grund sein. Aber Wilhelm Geelink, der auch stellvertretender Obermeister in der Bäcker-Innung Ahaus ist, meint: „An den Rhythmus kann man sich gewöhnen. Und dann ist es eigentlich ganz schön, wenn man schon auf dem Weg ins Freibad ist, während andere erst in die Mittagspause gehen.“

Wenige Bewerber als Konditor

Als Konditorin muss Pia Becking nicht so früh aufstehen. Auch sie hat in der Bäckerei Geelink ihre Ausbildung gemacht. Zusammen mit zwei anderen hat sie in diesem Jahr die Prüfung abgelegt. Sie kann nicht verstehen, warum es nicht mehr Bewerber für diesen Beruf gibt. „Ich liebe es, etwas mit den Händen zu machen und kreativ sein zu können“, sagt sie. Auch Wilhelm Geelink weiß nicht so richtig, warum der Beruf nicht beliebter ist. „Es gibt bestimmt mehr Kollegen, die gerne Konditoren ausbilden würden. Aber dafür fehlen einfach die Bewerber.“

Wie sieht denn der Alltag einer Konditorin aus? „Natürlich gehören auch Blechkuchen und Plätzchen dazu. Aber eben auch Torten zu Hochzeiten, Taufen oder Kinderkommunionen. Da kann man wirklich kreativ sein“, erzählt Pia Becking. Sie hat schon in ihrer Freizeit immer gerne gebacken und ist nun froh, das auch beruflich machen zu können.

Bei der Bäckerei Geelink sind die Ausbildungsstellen als Konditor und Bäcker für August schon vergeben. Wilhelm Geelink glaubt, dass das auch daran liegt, dass die Ausbilder bei ihm viel Wert auf selbstständiges Arbeiten und gutes Handwerk legen. Und noch einen Vorteil hat seiner Meinung nach der Bäcker-Beruf: „Deutsche Bäcker und Konditoren sind in der ganzen Welt gefragt. Eine Greencard für Amerika zum Beispiel ist gar kein Problem.“

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