Kindesmissbrauch: Angeklagter schweigt

Vorwürfe gegen Vredener

Über mehrere Jahre soll ein Mann aus Vreden die beiden Töchter seiner Partnerin missbraucht haben. Die Übergriffe hätten begonnen, als die Kinder "neun beziehungsweise sechs oder sieben Jahre alt" gewesen seien, schilderte der Staatsanwalt am Donnerstag in seiner Anklage vor dem Landgericht in Münster.

VREDEN

von Von Klaus Möllers

, 02.02.2017, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Taten sollen sich zwischen 2008 und Sommer 2016 in Vreden ereignet haben. Der mutmaßliche Täter selbst ist 51 und weigerte sich beim Prozessauftakt am Donnerstag, zu den Vorwürfen und zu seiner Person Angaben zu machen. Die 1999 und 2001 geborenen Mädchen werden deshalb als Zeugen vom Gericht befragt werden müssen.

Eindringliche Aufforderung zur Aussage

Die Richter forderten den Mann eindringlich auf, auszusagen. "Es geht nicht nur darum, dass es für Sie bei einer Einlassung Straferleichterung geben kann, sondern auch darum, dass Sie den Kindern, die Angst vor Ihnen haben, die Aussage hier ersparen", sagte einer der Richter. Sein Kollege erinnerte den Angeklagten daran, dass er bei der polizeilichen Vernehmung "teilgeständig" gewesen sei - zu 50 Fällen bei der älteren Tochter und zehn Fällen, in denen er sich an beiden Mädchen gleichzeitig vergangen habe.

Der Angeklagte war längere Zeit mit der Kindesmutter liiert, zwischendurch war das Paar aber auch getrennt. Der 51-Jährige habe laut Anklage Momente ausgenutzt, als die Mutter nicht da war. Einige der angeklagten 273 Taten - unter anderem habe er ein Kind zum Geschlechtsverkehr gezwungen - hätten sich im Kinderzimmer abgespielt, andere im Wohnzimmer, wofür der 51-Jährige dort "die Jalousien runtergelassen" habe.

Kinder traumatisiert

Beide Mädchen werden per Nebenklage vertreten, waren am Donnerstag selbst aber nicht im Gerichtssaal zugegen. Die Anwältin kündigte an, dass sie - falls die Mädchen aussagen müssen - beantragen werde, "die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen" und sie "in Abwesenheit des Angeklagten" befragen zu lassen. "Auszusagen wird ihnen sehr schwer fallen. Sie sind beide traumatisiert", sagte die Juristin.

Auch auf weiteren Druck der Richter hin war der Angeklagte zu keiner Aussage bereit. "Wenn Sie aussagen wollen, dann muss es heute sein. Wir entscheiden heute über einen wichtigen Teil Ihres weiteren Lebens", betonte der Vorsitzende und erklärte ihm, dass "ein Strafrahmen von zwei bis zehn Jahren" Haft infrage komme. "Wenn wir zu fünf Taten kommen, bekommen sie acht Jahre. Das ist kein Problem", führte er als Beispiel an.

Sein Kollege kündigte an, dass auch per psychiatrischem Gutachten geklärt werde, ob eine Zwangsunterbringung in einer geschlossenen Einrichtung infrage komme. Doch der Vredener blieb stumm.

  • Die Verhandlung wird am 14. Februar fortgesetzt.
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