Drei Jahre Kult: Was hat das Großprojekt der Stadt Vreden gebracht?

rnKulturhistorisches Zentrum

Das Kulturhistorische Zentrum in Vreden wurde vor fast drei Jahren eröffnet. Doch bei den Vredener herrscht noch immer Skepsis und Ablehnung. Leiterin Corinna Endlich reagiert auf Kritik.

Vreden

, 02.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon während der Planung und der Bauphase und auch noch bei der Eröffnung im Sommer 2017 musste das Kulturhistorische Zentrum in Vreden einiges einstecken. Es gab viel Kritik auf der einen Seite, auf der anderen aber eben auch eine große Hoffnung: Das Kult sollte die Innenstadt beleben, Touristen und Ausflügler nach Vreden ziehen.

„Davon sehen wir im Moment wenig“, meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Reinhard Laurich in der jüngsten Ratssitzung. Auf Antrag der SPD hat Corinna Endlich, Leiterin des Kult, eine Bilanz der ersten Jahre gezogen.

Die Ausstellung im Kult hat pro Jahr rund 15.000 Besucher.

Die Ausstellung hat im Kult hat pro Jahr rund 15.000 Besucher. © Markus Gehring

15.149 Besucher haben sich im Jahr 2019 die verschiedenen Ausstellungen in dem Museum angeschaut, 400 mehr waren es im Jahr 2018. „Allein die Sonderausstellung Duckomenta hatte rund 8000 Besucher, vor allem Familien mit Kindern“, berichtete Corinna Endlich.

Besucherzahlen sind kein Maßstab für Qualität

Gertrud Welper (Grüne) bewertete diese Zahlen positiv. Schließlich seien nur acht Prozent der Bevölkerung bereit, überhaupt in ein Museum zu gehen. Christoph Terrahe (CDU) sah das etwas anders: „Darüber kann man sich jetzt streiten, ob das viele oder wenige sind. Im Endeffekt bedeutet das ja nur rund 51 Besucher pro Öffnungstag.“

Jetzt lesen

Das musste auch Corinna Endlich zugestehen. Aber: „In der Kultur sind Besucherzahlen kein Messstab für Qualität.“ Stattdessen werden die Besucher nach ihrem Gang durch das Museum befragt. „Wir haben eine Zufriedenheit von 98 Prozent“, sagte Corinna Endlich.

Kult Westmünsterland ist mehr als nur ein Museum

Außerdem sei das Kult ja viel mehr als nur das Museum. Offene Veranstaltungen wie Rudelsingen, Konzerte oder Kickerturniere, Kindertheater, Seminare, Fotoshootings oder Events aller Art: „Bei uns ist so vieles möglich.“ Auch die Besucher des Stadtmarketings, des Citymanagements, der Bibliothek und des Archivs sind in den Zahlen noch nicht inbegriffen.

Gleiches gilt für die digitalen Kunden. Die Coronakrise war der Anlass für ein Videoformat mit einer Sockenpuppe. Rock McSock macht sich in den bislang 14 Folgen auf den Weg ins Kult und unterhält sich in durchaus flapsiger Sprache mit Museumsleiterin Corinna Endlich über die Ausstellungsstücke.

„Wir erreichen rund 20.000 Nutzer pro Woche mit diesen Videos. Das zeigt uns, dass wir in diese Richtung ruhig noch weiter kreativ werden sollten“, so die Leiterin des Kult.

Gastronomen und Dienstleister profitieren vom Kult

Sie spricht zudem die „Nebenwirkungen“ des Kult an. „Die Gastronomen merken, dass es uns gibt“, sagte sie. Denn in dem Bau gibt es keine eigene Gastronomie und so kommt das Essen für die verschiedensten Veranstaltungen von den Vredener Unternehmen.

Ähnliches gilt für die lokalen Dienstleister. Im Kult werden regelmäßig eigene Ausstellungen auf die Beine gestellt, die dann auch mit Bauarbeiten verbunden sind. 35.000 Euro seien schon an die unterschiedlichsten Dienstleister in der Region geflossen, so Corinna Endlich.

Corinna Endlich, Leiterin des Kult, reagiert auf Kritik.

Corinna Endlich, Leiterin des Kult, reagiert auf Kritik. © Markus Gehring

Auch bei den Inhalten sollen die lokalen Akteure unterstützt werden. Einmal im Jahr soll ein Künstler aus Vreden die Chance bekommen, die Ausstellungsfläche zu nutzen. Den Anfang machte im vergangenen Jahr Fotograf Hubert Stroetmann.

Kult sieht wegen dunklem Glas oft geschlossen aus

Doch Corinna Endlich sieht auch einige Baustellen. Die erste fällt direkt ins Auge. „Das Kult sieht oft geschlossen aus, das Glas ist sehr dunkel. Das Ganze ist nicht wirklich einladend“, fand Brigitte Niehuis. „Die Architekten haben gedacht, dass der Eingangsbereich stärker nach außen wirkt, aber das funktioniert leider nicht“, musste die Leiterin des Kult zugeben.

Wirklich zu lösen sei das nur durch bauliche Veränderungen. Ein erster Schritt aber sei es, große Plakate nach außen zu bringen und so die Leute ins Innere zu locken.

Auch der sogenannte „außerschulische Lernort“ bereitet ihr Sorgen. Denn die Schulen aus der Umgebung kommen mit ihren Klassen nicht wie geplant ins Kult – trotz zahlreicher Angebote. „Wir bekommen oft die Rückmeldung, dass wir nicht gut erreichbar sind. Der Aufwand, nach Vreden zu kommen, ist zu hoch“, erzählte Corinna Endlich.

Jetzt lesen

Deswegen ist nun ein sogenannter Museumskoffer in Planung. Diese Koffer, die es bereits für drei Themenbereiche für Seniorenheime gibt, sind voll mit spannenden Gegenständen und Informationen zum selber Entdecken.

Das Kult spürt die fehlende Verkehrsanbindung

Dass Vreden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht besonders gut zu erreichen ist, wird aber auch bei den normalen Besuchern deutlich. „Wir müssen erreichen, dass uns Reiseunternehmen ins Programm aufnehmen“, sagte Corinna Endlich. Die Reisebusse würden dann Vreden ansteuern, die Touristen nach einem Besuch im Kult vielleicht auch noch durch die Innenstadt bummeln.

Doch dafür bräuchte das Kult ein höheres Budget für Marketing. Und trotzdem stellte Corinna Endlich klar: „Mehr Geld bringt nicht automatisch mehr Menschen. Kultur kann keine Innenstadtbelebung leisten.“

Das konnte Elmar Kampshoff (UWG) durchaus nachvollziehen. „Das Kult ist eine wertvolle Kultureinrichtung, aber kein Heilsbringer für die Innenstadt. Wir müssen uns doch vielmehr fragen: Was kann die Innenstadt tun?“

Jetzt lesen

Grundsätzlich ist Corinna Endlich trotz allem zufrieden damit, wie es im Kult läuft. Doch auch sie weiß, dass die Vredener der Einrichtung teilweise sehr kritisch gegenüber stehen: „Es gibt viele Vorurteile und das ist sehr schade. Vor allem, weil die meisten von denen, die so etwas erzählen, noch nie im Kult waren.“

Lesen Sie jetzt