Kunstprojekt macht Menschen mit Behinderung stark

Haus Früchting

Manfred setzt einen farbigen Tupfen neben den nächsten auf die Leinwand. Stille herrscht in dem einstigen Klassenzimmer, in dem vor vielen Jahren die Zwillbrocker Kinder Rechnen und Schreiben gelernt haben. Der alte Schul- und heutige Gemeinderaum hat sich für einige Tage in ein Atelier verwandelt.

VREDEN

, 30.11.2016, 18:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kunstprojekt macht Menschen mit Behinderung stark

Sechs Teilnehmer aus dem Haus Früchting sind zusammen mit einer Betreuerin in der alten Schule Zwillbrock zu Gast, wo sie mit Sandra Lentfort (vorn links), Laura Fuhrmann (hinten, M.) und Vanessa Lehmann (vorn rechts) die Welt der Kunst entdecken.

Sechs Erwachsene sitzen an den Tischen und konzentrieren sich auf die Bilder, die sie gerade entstehen lassen. Drei Frauen begleiten sie dabei: Laura Fuhrmann, Vanessa Lehmann und Sandra Lentfort geben Tipps und ermuntern die sechs Teilnehmer, die sich einige Tage lang ganz auf das Thema Kunst eingelassen haben. Die sechs leben im nahegelegenen Haus Früchting.

"Es ist Teil unserer Ausbildung, ein solches Projekt zu entwickeln", berichtet Sandra Lentfort. Sie absolviert gerade an der Lise-Meitner-Schule eine Ausbildung in Heilerziehungspflege. Die Vredenerin hat den ungewöhnlichen Kunstworkshop zusammen mit ihren Mitschülerinnen Laura Fuhrmann, Vanessa Lehmann und Eva Göcke entwickelt.

Kreativität entdecken

Das Ziel des Seminars: Es will den sechs Menschen mit Behinderung erlauben, in diesem Rahmen ihre Kreativität zu entdecken - und das in der Arbeit mit hochwertigen Materialien. "Große Spenden der Deutsche Post, von Wefapress, Sparkasse und anderen haben das ermöglicht", zeigt sich Sandra Lentfort froh über die Unterstützung.

Auch die Stadt Vreden ist mit im Boot. Sie stellt das Rathausfoyer zur Verfügung, in dem am Freitag ab 15 Uhr eine Ausstellung mit den gerade entstehenden Werken zu sehen sein wird. Der Eröffnungstermin rückt zwar näher. Dieser Umstand spielt aber an diesem Vormittag beim Malen keine erkennbare Rolle, entspannte Stimmung prägt das Geschehen.

Ausstellung geplant

"In jedem Menschen steckt ein Künstler", sagt Sandra Lentfort mit Überzeugung. Kunst stärkt die Persönlichkeit - diese Erkenntnis spiegelt sich auch in der Schreibweise des Ausstellungstitels wider: "groß.art.ich".

Die Schülerinnen der Heilerziehungspflege haben die Ziele für das Seminar entwickelt. Sie wollen den Teilnehmern auch künstlerische Techniken vermitteln, wofür Sandra Lentfort auf ihre Erfahrungen als Mediengestalterin und Fotogravurzeichnerin zurückgreifen kann. Die Teilnehmer fanden sich schnell: Sie haben sich auf einen Aufruf gemeldet, der im Haus Früchting bekannt gemacht worden war - wer Lust hatte, konnte sich melden.

Museumsbesuch

Die Begegnung mit Kunst stand zum Auftakt auf dem mehrtägigen Programm. Die Gruppe besuchte am ersten gemeinsamen Tag die Villa Mondrian in Winterswijk, in der inspirierende Werke warteten.

Die praktische Arbeit stand nun ab Montag auf dem Plan: Die Teilnehmer beschäftigten sich mit Aquarellen, probierten danach verschiedene Materialien zum Auftragen aus und nutzten schließlich Leinwände als Untergrund.

Frei entfalten

"Wir haben keine inhaltlichen Vorgaben gemacht", berichtet Sandra Lentfort: "Jeder durfte sich selbst künstlerisch frei erfahren." Ein Spaziergang zwischendurch oder das abschließende Kaffeetrinken rundeten die Kunst-Tage ab. Die Ergebnisse sind von Freitagnachmittag an im Rathaus zu sehen. Und auf die Ausstellungseröffnung mit Familie, Freunden und Gästen freuen sich alle schon sehr: Ein Ereignis und gleichzeitig eine Erfahrung, die gut in das Konzept passt.

Das Kunstprojekt soll den einzelnen Menschen mit seinen individuellen Fähigkeiten ins Zentrum rücken. Die Heilerziehungspflegerinnen fördern die Teilnehmenden in ihrem künstlerischen Handeln und ermöglichen somit die Entdeckung neuer Fähigkeiten und erweitern ihre Kompetenzen. Drei Phasen gliedern das Projekt: Der Einführungsphase folgt die kreative Phase und schließlich die Präsentationsphase.

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