Landgericht verurteilt Serienräuber zu fünf Jahren und neun Monaten Haft

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Im Verfahren am Landgericht wegen Überfällen auf Geschäfte in Wüllen, Vreden und Gronau wurde der 34-jährige Angeklagten am Freitag zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

von Klaus Möllers

Vreden, Ahaus

, 05.04.2019, 20:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Angst vor dem nächsten kalten Entzug“ – sie sei der Grund gewesen, warum der Angeklagte Raubüberfälle beging. Und zwar „in immer höherer Schlagzahl“, weil in immer kürzeren Abständen, erklärte sein Verteidiger in seinem Schlusswort. „Damit er den nächsten Schuss Heroin bezahlen konnte.“

Bei drei der vier Taten habe es sich um besonders schwere räuberische Erpressung gehandelt, erklärte die Strafkammer. Der Mann hatte den Opfern dabei jeweils eine Gaspistole mit Knallkartusche vorgezeigt, um sie einzuschüchtern. Der Überfall auf die Postfiliale in Wüllen wurde „nur“ als räuberische Erpressung gewertet, weil man dem Täter das Tragen der besagten Waffe nicht nachweisen konnte und die Mitarbeiterin keine gesehen hat.

Vier Überfälle binnen weniger Wochen

Innerhalb weniger Wochen hatte der Täter Anfang 2014 erst einen Shop mit Poststelle in Wüllen überfallen, dann eine Spielothek in Gronau, ein Goldankaufgeschäft in Vreden und eine Lottoannahmestelle in Gronau. Immer unmaskiert. Der „Suchtdruck“ habe ihn getrieben, erklärte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Zugleich habe er mit der besonders schweren räuberischen Erpressung „eines der schwersten Verbrechen begangen, die das Strafgesetzbuch kennt“.


Bei einem fünften Raub, auf eine Tankstelle im Raum Enschede, war der Mann gefasst worden. Drei Jahre und acht Monate verbrachte er dafür in Haft, bevor er wegen eines europäischen Haftbefehls nach Deutschland ausgeliefert wurde. Die Strafkammer berücksichtigte dies am Freitag im Rahmen eines „Härteausgleichs“, wie es hieß. Der Staatsanwalt hatte neuneinhalb Jahre Haft beantragt. Die Gefängnis-Zeit im Nachbarland müsse allerdings – wenn auch nicht zwingend zu 100 Prozent – angerechnet werden, so der Vorsitzende Richter. Er verwies auf eine entsprechende Vorgabe des Bundesgerichtshofes.

Sehr ungewöhlich, dass Opfer keine schweren Schäden davontrugen

Mit Blick auf die Opfer, erklärte er weiter, sei es ungewöhnlich und sogar „extrem selten“, dass offenbar keine schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Überfallenen entstanden seien. Den Inhaber des Goldankaufs in Vreden hatte der Täter mit einem Elektroschocker berührt, weshalb die Richter in dem Fall auch auf gefährliche Körperverletzung erkannten; in der Postfiliale in Wüllen habe er sich außer einer räuberischen Erpressung der Freiheitsberaubung schuldig gemacht, weil er die Mitarbeiterin im Hinterzimmer einsperrte.

Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ordnete das Gericht nicht an, weil der Täter seit mehreren Jahren drogenfrei lebe und keine Therapie wolle.

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