Landwirte verlassen Förderverein Kulturlandschaft

Differenzen

Eigentlich sollte es um die Natur gehen - um Blühstreifen, um Biodiversität und Baumpflanzungen und vieles andere mehr, das der Förderverein Kulturlandschaft in Sachen Naturbewahrung im Raum Vreden unternimmt. Doch dann drehte sich im Umweltausschuss alles um den Austritt der Landwirtschaftlichen Ortsverbände im vergangenen Monat.

VREDEN

, 12.12.2016, 18:58 Uhr / Lesedauer: 3 min
Landwirte verlassen Förderverein Kulturlandschaft

Blühende Vielfalt am Ackerrand: Auch an der Frage der Blühstreifen und des Umgangs damit entzündete sich eine Diskussion, die zum Austritt der Landwirtschaftlichen Ortsverbände aus dem Förderverein Kulturlandschaft geführt hat.

Warum das passiert ist und was das für den Förderverein bedeutet, das waren die Fragen, die in den Mittelpunkt rückten. Kritik und Vorwürfe blieben dabei nicht aus. Dabei traten auch die unterschiedlichen Sichtweisen deutlich zutage. Im Brennpunkt dabei: die Blühstreifen. Keine Seite bestreitet, dass es vorkommt, dass derartige Blühstreifen auf städtischem Grund durch Erntearbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Stadt hat sich daraufhin in diesem Jahr mit der unteren Landschaftsbehörde darüber beraten.

 "Die ganze Landwirtschaft ist in Streit mit diesem Verein"

Nicht jeder mochte in der Diskussion im Ausschuss nun die Dinge so zuspitzen wie Hendrik Mulder (FDP). Er habe selbst gesehen, dass Flächen durch den Förderverein gespritzt worden seien - damit warf er dem Verein quasi zweierlei Maß vor, wenn es um die Blühstreifen gehe. Wenn diese von landwirtschaftlichen Fahrzeugen überfahren würden, sei das der Verkehrssicherheit geschuldet. Der Förderverein betreibe eine einseitige Interessenvertretung nur für den Naturschutz. Mulder ging noch weiter: Der Verein habe keine Mitgliedsbeiträge. Dort würde Geld ausgegeben, das nicht kontrolliert werde. Und: "Die ganze Landwirtschaft ist in Streit mit diesem Verein."

"Die Mitglieder bekommen das nicht bezahlt"

Diese verbale Breitseite ließ nicht lange auf eine Reaktionen warten. Er sei erschrocken, sagte der Erste Beigeordneter Bernd Kemper. Er nahm zum Thema Geld Stellung: 7500 Euro habe der Verein zu seiner Gründung im Jahr 2013 erhalten, jeweils 2000 Euro flössen jährlich - Geld, das in die Projekte vor Ort fließe: "Das ist ein ehrenamtlich tätiger Verein. Die Mitglieder bekommen das nicht bezahlt." Es sei nicht in Ordnung, sie an den Pranger zu stellen.

Auf einem anderen Blatt steht aber der Gegensatz mit der Landwirtschaft, räumte auch der Erste Beigeordnete ein: "Natürlich gibt es auch ein Konfliktpotenzial mit der Landwirtschaft." Das entzündet sich offensichtlich am Thema Blühstreifen. Es habe aber immer Gespräche darüber mit der Landwirtschaft gegeben, so Kemper.

Unterschiedliche Ansichten

Hendrik Mulders Argument der Verkehrssicherheit mochte Bernd Kemper nicht gelten lassen: "Als der Mais stand, wäre keiner auf die Idee gekommen, da drüber zu fahren." Und wenn durch den Förderverein Gift gespritzt worden sei, dann in Ausnahmefällen und in Absprache mit dem Kreis Borken.  Hans Terwort vom Vorstand des Fördervereins ergänzte das: "Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass ein Blühstreifen so überfahren wird." Es sei dabei um die Ernte gegangen, nicht um den Begegnungsverkehr. Deutlich wurde auch Wilhelm Berendsen (SPD). Es sei unverschämt, zu suggerieren, dass sich der Verein bereichere. "Wir sollten glücklich darüber sein, dass sich Menschen ehrenamtlich für die Interessen künftiger Generationen engagieren", meinte Brigitte Niehuis (CDU).

"Es ist schade, dass es zu dem Bruch gekommen ist", hielt Markus Gebing (CDU) fest. Die Kritik der Landwirte habe sich darauf gerichtet, dass die Kommunikation mit der Landwirtschaft nicht funktioniere. Aus Sicht der Grünen hatte Gerd Welper den Austritt der Landwirtschaft aus dem Förderverein kritisiert: "Sie erweist sich damit einen Bärendienst." Ausschussvorsitzender Hermann Geesink (CDU) stellte fest: "Wir müssen wieder in ein Boot kommen." Gelegenheit dazu besteht schon bald: Die Vertreter des Fördervereins kündigten für das neue Jahr einen Workshop an. Thema: Blühstreifen. Landwirte und Lohnunternehmen sind dazu eingeladen.

Landwirte: "Haben nichts gegen die Ziele selbst"

Die Landwirte in Vreden bekennen sich weiterhin zu den Zielen des Förderevereins Kulturlandschaft. Der Grund für den Austritt liege vielmehr in der Art des Umgangs miteinander, erklärte Matthias Temminghoff auf Anfrage der Münsterland Zeitung. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Vreden begründete den Schritt im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Landwirte seien demnach nicht mehr damit einverstanden, wie der Verein seine Vorhaben im Außenbereich umsetze, speziell an Wirtschaftswegen: "Wir haben nichts gegen die Ziele selbst." Der Förderverein sei "sehr starr und festgefahren". Darüber hinaus gebe es auch andere Punkte, die aber intern besprochen werden sollten.

Tischtuch noch nicht ganz zerschnitten

Das Tischtuch zwischen dem Landwirtschaftlichen Ortsverband und dem Förderverein ist jedoch noch nicht gänzlich zerschnitten. Matthias Temminghoff kündigte an, dass Vertreter des Ortsverbandes an der Generalversammlung des Fördervereins teilnehmen wollten. Sie sollte am Montagabend stattfinden. Dort wollten sie die Gründe für ihre Haltung erläutern: "Wir sind weiterhin zu einer konstruktiven Zusammenarbeit bereit." Angesprochen auf das Thema Blühstreifen sagte Matthias Temminghoff, dass es gemeinsames Ziel aller Beteiligten bleibe, dass diese nicht in Mitleidenschaft gezogen werden sollten. Auch bei dem Thema sei es nicht um die Sache an sich gegangen.

 

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