Leben in der Demenz-WG

Haus Kreszentia

Das Geschirr auf den Tischen ist bunt gemischt, verschiedene Sessel stehen im großen Wohnbereich, selbst gestickte Bilder hängen an den Wänden und erzählen Geschichten aus sehr unterschiedlichen Leben. Die Menschen, die in der Demenz-Wohngemeinschaft wohnen, haben viele persönliche Dinge mitgebracht, die das Haus Kreszentia in Vreden zu ihrem neuen Zuhause machen.

VREDEN

16.08.2017, 18:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Morgens um 10 sitzen die meisten Bewohner der Wohngemeinschaft gemeinsam im großen, hellen Wohnzimmer. Einige schälen Kartoffeln fürs Mittagessen, andere sehen aus dem Fenster, auf dem großen Tisch wird ein Luftballon hin und her gespielt. Elf Frauen wohnen in der selbstverwalteten Wohngemeinschaft, in der einige Dinge etwas anders ablaufen als im Seniorenheim.

„Dieses Haus steht auf vier Säulen: Angehörige, Alltagsbegleitung, Pflege und der unabhängige Vermieter“, erklärt Jürgen Loos, Vorsitzender der Angehörigenvertretung. Das Haus Kreszentia hat im vergangenen Jahr sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Es liegt in privater Trägerschaft und wird vom DRK unterstützt. Die Alltagsbegleiter übernehmen dort die Rolle der Angehörigen, die ebenfalls jederzeit vorbeikommen können. „So etwas wie Besuchszeiten gibt es hier nicht, die Angehörigen haben einen Schlüssel“, sagt Loos.

Eigene Vorlieben

Dass die Wohngemeinschaft zu einem neuen Zuhause geworden ist, ist spürbar. Die Zimmer der Bewohnerinnen sind von ihren Familien liebevoll eingerichtet, viele Einzelheiten haben sie selbst gestaltet. So zum Beispiel den gepflasterten Rundweg im Garten, auf dem sich im Sommer gut mit dem Rollator spazieren lässt.

Auch jetzt sind zwei Bewohnerinnen dort zwischen den bunten Blumen unterwegs. Jeder Demenzkranke hat seine eigenen Vorlieben und Gewohnheiten in die WG mitgebracht und kann diese dort beibehalten.

Bewahren der Identität

„Demenz ist ein Identitätsverlust“, sagt Doris Drosselmann, Leiterin der Alltagsbegleitung. „Deswegen ist die familiäre Stimmung hier das Wichtigste. Jeder Demenzkranke ist anders und hat andere Erfahrungen und eine bestimmte Art, Dinge zu tun. Und darauf gehen wir auch dann noch ein, wenn sie es selbst nicht mehr können.“ Die alten Menschen, die ihr ganzes Leben eigene Strukturen hatten, dürfen diese ins Haus Kreszentia mitbringen.

Morgens riecht es nach Kaffee, doch wann und wie die Bewohner aufstehen, ist ihnen selbst überlassen. Jetzt essen einige noch, andere haben den weiteren Tag schon begonnen. Generell ist das Leben hier von Abwechslung geprägt. „Wir feiern die Feste, wie sie fallen“, sagt Doris Drosselmann.

Kleine Freuden

Geburtstage und große Hochzeitsjubiläen stehen regelmäßig im Kalender, ebenso wie die kleinen Freuden des Alltags. „Es gibt verschiedene Aktionen, die von Angehörigen organisiert werden“, erzählt Kristina Schültingkemper, Leiterin der Pflege im Haus.

„Einmal die Woche machen wir außerdem einen Schönheitstag, an dem eine Friseurin kommt und die Haare macht. Und an einem anderen Tag wird gemeinsam mit einem Chor gesungen.“ Und wenn es keine Termine gibt, ist das Haus Kreszentia einfach ein Zuhause nach dem eigenen Zuhause. www.haus-kreszentia.de

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