Max Stroetmann: Ohne ein E-Center wird der Standort Vreden „abgehängt“

rnBierbaum-Gelände

Was passiert mit dem Bierbaum-Gelände? Jetzt äußert sich Max Stroetmann erstmals zu der Entwicklung. Ein E-Center will er weiter in Vreden bauen. Aber es könnten neue Pläne dafür entstehen.

Vreden

, 29.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Entscheidung gegen die Pläne von Max Stroetmann für das E-Center auf dem Bierbaum-Gelände fiel Ende vergangenen Jahres im Vredener Stadtrat knapp aus. Es ging um ein E-Center mit 2700 Quadratmetern Verkaufsfläche und etwa 150 bis 165 Wohnungen. Der Unternehmer aus Münster hält diese Entscheidung für falsch. Und arbeitet weiter an einer Umsetzung.

Max Stroetmann wird deutlich: „Alle Politiker, die gegen die Erweiterung des zentralen Versorgungsbereichs und damit gegen das Projekt gestimmt haben, haben Vreden einen Bärendienst erwiesen. Ich kann die Sorge um die Innenstadt verstehen. Wir begegnen dieser Haltung häufiger, gerade in Mittelstädten. Doch das macht sie nicht richtiger. Nichts zu tun und Investitionen zu verhindern, ist in diesen Zeiten die falscheste Option.“

Erst einmal passiert augenscheinlich nichts. Vor den Kommunalwahlen auf jeden Fall nicht. Sollen danach die gleichen Pläne noch einmal präsentiert werden in der Hoffnung auf neue Mehrheiten? Max Stroetmann verneint: „Natürlich landet unser Projekt nicht im Papierkorb. Wir sind davon überzeugt, dass es ein Gewinn für Vreden ist. Aber wir werden nicht einfach die alten Pläne aus der Schublade ziehen. Wir sehen uns als Partner der Stadt Vreden. “

Es könnten Konzepte mit neuen Architekten entwickelt werden

Frank Bomhoff, Leiter der Standortplanung bei Stroetmann, wird konkret: „Wir werden im persönlichen Dialog mit den Entscheidungsträgern herauskitzeln, was die Knackpunkte sind.“ Und das auch schon vor der Kommunalwahl. „Ich kann mir gut vorstellen, dass man auch über neue Pläne nachdenkt, vielleicht mit anderen Beteiligten, anderen Architekten Konzepte entwickelt.“ Das gelte sowohl für das E-Center als auch für das Wohnquartier und die Anzahl der Wohnungen dort. Bomhoff ist optimistisch, verweist auch auf die knappe Entscheidung.

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Auch Max Stroetmann betont, dass man bereit sei, die Planung weiter zu optimieren: „Uns geht es nicht um Konzepte von der Stange, sondern um einen echten Magneten, von dem Vredens Innenstadt auch städtebaulich profitiert. Für Vreden besteht die einmalige Chance ein neues Eingangstor zur Innenstadt mit einem attraktiven Handelsmagneten und gleichzeitig ein modernes innerstädtisches Wohnquartier zu entwickeln.“

In den nächsten Wochen wird die alte Spinnerei auf dem Bierbaumgelände abgerissen.

In den nächsten Wochen wird die alte Spinnerei auf dem Bierbaumgelände abgerissen. © Ronny von Wangenheim

Fakten werden erst einmal auf dem Gelände geschaffen. Die alte Spinnerei wird in den nächsten Wochen abgerissen. Damit sind die ambitionierten Pläne, die Vredener für den Bau entwickelt hatten, endgültig Geschichte. „Wir kennen uns ja ein bisschen mit Immobilien aus: Diese Gebäudesubstanz lässt sich auf keinen Fall in ein tragfähiges Konzept integrieren“, sagt Max Stroetmann.

Abrissbagger werden in naher Zukunft starten

Wann genau der Abrissbagger kommt, steht noch nicht fest. „Es ist in Planung. Das wird nicht mehr lange dauern“, sagt Frank Bomhoff auf Anfrage unserer Redaktion. Vor dem Abriss müssen noch Vorarbeiten im Gebäude selbst geleistet werden.

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Dabei geht es unter anderem, so Bomhoff, um Asbest, der nach strengen Vorgaben entfernt werden müsse. So groß das Gebäude auch ist, eine Sprengung ist übrigens nicht notwendig. Der Betonbunker wird mit dem Bagger von oben nach unten abgetragen.

Zurück zu der Entscheidung im Dezember im Rat. Zurück zu den Argumenten, die auch Citymanagement und Vredener Wirtschaftsvereinigung äußerten: Ein Magnet vor den Toren der Innenstadt schwäche die Geschäfte in der Innenstadt. Max Stroetmann sieht hier die Dinge auf den Kopf gestellt: „Mittelzentren haben heute kaum noch Optionen, im Kampf gegen Amazon & Co. die Frequenz zu halten. Sie können jeden Experten fragen: Ein moderner, leistungsfähiger Lebensmittel-Standort ist in vielen Fällen die einzige Option Frequenzen zu stabilisieren. Jedes Mittelzentrum braucht solche Magneten, wenn es nicht abgehängt werden will. Vreden hat sich gerade jedenfalls vorerst dagegen entschieden.“ Er sagt auch: „Nebenbei wurde dabei auch mehrheitlich gegen ein neues Wohngebiet mit über 150 Wohnungen in zentralster Lage von Vreden gestimmt.“

Supermarkt in der Innenstadt kann kein Magnet sein, den Vreden braucht

Für den Unternehmer, dessen Vorfahren bereits vor 200 Jahren als Händler in Vreden ansässig waren, ist klar, dass der K+K-Supermarkt in der Innenstadt, auch wenn er modernisiert würde, nicht dieser Magnet sein kann. Solche Altstandorte können, so Stroetmann, die Erwartungen der Kunden nicht erfüllen: „Es fehlt die nötige Fläche.“

Frank Bomhoff wird konkret: „Vor 20 Jahren hat noch keiner von Bio oder veganen Produkten geredet. Convenience ist ein weiterer Punkt. Das wird immer wichtiger. Da kann man nicht nur ein paar Produkte anbieten. Da braucht man richtige Abteilungen. Das frisst Fläche.“ Und da sei auch noch die Anforderung des Kunden an Bequemlichkeit, an breite Gänge zum Beispiel. 1990 war ein attraktiver Supermarkt 800 Quadratmeter groß, so sagt es Max Stroetmann. „Heute ist es mindestens die dreifache Fläche.“

Solche Angebote, solche Magneten, da sind sich Stroetmann und Bomhoff einig, sucht der Kunde. Für die große Fischtheke oder die riesige Frischeabteilung fahre er dann halt notfalls in die nächste Stadt. Und solch ein Magnet könnte auf dem Bierbaum-Gelände entstehen.

„Nur unser Standort kann ein Lebensmittel-Magnet sein“

Max Stroetmann sagt selbstbewusst: „Nur an unserem Standort kann ein Lebensmittel-Magnet als Eingangstor zur Innenstadt etwas für die Vredener City bewirken. Nur hier ist eine funktionale und städtebauliche Anbindung an die Innenstadt möglich – Stadtplaner sprechen hier von einer Scharnierfunktion.“ Alle anderen bestehenden Lebensmittelmärkte, abgesehen vom Markt am Domhof, hätten keinen Bezug zur Innenstadt.

Max Stroetmann kann in der Firmengeschichte 200 Jahre zurückgehen. Firmengründer Ludwig Stroetmann stammte aus Vreden.

Max Stroetmann kann in der Firmengeschichte 200 Jahre zurückgehen. Firmengründer Ludwig Stroetmann stammte aus Vreden. © Andreas Lechtape

Doch nur 150 Meter entfernt will K+K den Neubau eines Supermarkts umsetzen. „Das sind entscheidende 150 Meter“, sagt Frank Bomhoff. Von dort aus werde man nicht einfach in die Innenstadt gehen. „Wir liegen die entscheidenden Meter weiter an der Innenstadt dran.“ Max Stroetmann sagt zu dem Thema: „Wir kommentieren die Planungen von Wettbewerbern grundsätzlich nicht. Nur so viel: Ein Magnet wird daraus erst, wenn alle Faktoren stimmen: Architektur, Lage, Fläche, Konzept, Sortiment und Service. An dieser Stelle wird es nichts mit einem Magneten für die Innenstadt.“

Rolf Klaas hatte mit Schließung des Markts am Domhof gedroht

Vor der Entscheidung Ende des vergangenen Jahres hatte sich auch K+K-Geschäftsführer Rolf Klaas zu Wort gemeldet und sich vehement gegen das E-Center ausgesprochen. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte er damals, wenn das E-Center komme, habe der K+K-Markt am Domhof keine Zukunft mehr. „Ob dann wirklich gewünscht ist, dass gerade ältere Menschen für ihren Einkauf mit dem Rollator quer durch die Stadt laufen müssen, liegt natürlich bei den Politikern“, sagte Klaas damals.

Mit dieser Aussage konfrontiert, sagt Max Stroetmann: „Wie schon gesagt: Wir kommentieren die Einlassungen von Marktbegleitern grundsätzlich nicht. Ich empfehle einfach nur ganz nüchtern zu analysieren, wer in den letzten Jahrzehnten wie konsequent in einen zukunftsfähigen Lebensmittel-Einzelhandel in der Vredener Innenstadt investiert hat. Wenn erst dann über Investitionen gesprochen oder gar mit Schließungen gedroht wird, sobald ein Wettbewerber auf den Plan tritt, wäre ich als Vredener Bürger und erst Recht als Politiker schwer irritiert. Mehr möchte ich dazu eigentlich nicht sagen.“

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