Mehr als nur Zaungäste auf Zeit

Vreden Grüne Pflanzen zieren den Vorgarten einer rot geklinkerten Doppelhaushälfte im beschaulichen Ammeloe. Eine Sitzgruppe aus Holz lädt zum Verweilen ein, unter dem Carport steht ein Saab mit deutschen Kennzeichen.

27.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf den ersten Blick wirkt das Haus im Esch Nr. 23 wie ein ganz normales Zuhause einer deutschen Familie, doch das Besondere: Dort lebt seit zwei Jahren das niederländische Ehepaar De Jonge. Der Gedanke, nach Deutschland zu ziehen, ist nicht in jahrelanger Planungsarbeit gereift: "Wir kommen eigentlich aus Ermelo, und vor zwei Jahren suchten wir nach einer schönen Immobilie auf dem Land. Weil in Holland alles so teuer war, haben wir uns auch in Deutschland umgesehen", berichtet Willem De Jonge in gebrochenem, aber sehr gutem Deutsch. Und genau in Ammeloe hat das niederländische Paar sein neues Zuhause gefunden. "Wir wollten es ruhig haben, und das Haus hat uns direkt zugesagt. Da gab es kein langes Überlegen mehr", erinnert sich De Jonge.

Viele Vorbereitungen

Alles wurde in die Wege geleitet. Eine Wohngenehmigung beantragt, das Auto umgemeldet, eine deutsche Hypothek aufgenommen und die Krankenkasse so ausgewählt, dass man sowohl in Holland, als auch in Deutschland zum Arzt gehen kann. Nach dem Umzug haben sich Willem und seine Frau Ineke schnell eingelebt: "Die meisten Häuser hier in der Straße sind neu, und somit kennen die Leute sich auch noch nicht jahrelang. Wir wurden ganz freundlich aufgenommen, sind bei allen Nachbarschaftsfesten und auch beim Schützenfest mit dabei."

Den Holländern gefällt das deutsche Landleben: "Wenn ich nach draußen schaue, habe ich den Blick aufs freie Feld. Ich mag es, wenn alles ein bisschen altmodisch und gemütlich zugeht", grinst der 48-Jährige.

Das Wohnzimmerfenster bietet einen freien Blick auf die ländliche Idylle, direkt hinter dem Garten tuckert ein Traktor übers Feld. Das Innere des Hauses strahlt Gemütlichkeit aus. Warme Holzmöbel, viele Pflanzen und ein offener Kamin zieren das Wohnzimmer.

Auf den Tisch kommt wie auch in den meisten deutschen Familien holländischer Gouda, deutsches Brot und Kaffee aus den Niederlanden - "weil er da natürlich billiger ist", lacht De Jonge.

Besuch von daheim

Geträumt wird in Niederländisch, und auch auf das holländische Fernsehprogramm wollen die beiden Zugezogenen nicht verzichten. Ihre erwachsenen Kinder aus früheren Beziehung haben die Niederländer jenseits der Grenze gelassen: "Mein 18-jähriger Sohn Jordi kommt uns alle paar Wochen besuchen." Auch an diesem Tag ist er gerade zu Gast in Deutschland.

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, auch nach Ammeloe zu ziehen, schüttelt er heftig den Kopf und antwortet auf Holländisch: "Nein, das ist mir hier zu ruhig, und außerdem habe ich in Holland ja alle meine Freunde." nl

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