Metaller machen Druck im Tarifstreit

Bei Schmitz Cargobull

Die Welle der Warnstreiks hat am Mittwoch Vreden erreicht: Rund 600 Mitarbeiter versammelten sich vor dem Werkstor des Trailerherstellers Schmitz Cargobull, um ein Zeichen im laufenden Tarifkonflikt zu setzen.

VREDEN

, 04.05.2016, 18:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Metaller machen Druck im Tarifstreit

Rund 600 Mitarbeiter versammelten sich vor dem Werkstor des Trailerherstellers Schmitz Cargobull, um ein Zeichen im laufenden Tarifkonflikt zu setzen.

Ein Spiel der klaren Farben beherrscht an diesem Tag zur Mittagszeit die Szenerie auf dem Platz, auf dem sonst ein reges Kommen und Gehen zum Schichtwechsel herrscht. Mitarbeiter stehen in blauen Overalls und neongelben Westen in einem weiten Rund, rote Fahnen mit dem weißen Signet der IG Metall flattern im leichten Wind.

Joachim Hebing, Erster Bevollmächtigter der Industriegewerkschaft Metall in Bocholt, hat sich ein großes Megafon umgelegt und richtet sich an die vielen Umstehenden. Er verurteilt den bisherigen Kurs der Arbeitgeber: „Zuerst wollten sie uns mit 0,9 Prozent abspeisen, im neuen Angebot mit 2,1 Prozent für zwei Jahre.“ Das seien keine Angebote gewesen, sondern Provokationen. Die Arbeitnehmer würden damit geradezu in die Streiks getrieben. Die jetzt in der Metallindustrie angelaufenen Warnstreiks seien die Antwort darauf: „Und wenn es sein muss, dann können wir auch noch eine Schippe drauflegen.“ Die Schmitz-Mitarbeiter quittieren diesen Satz mit großem Applaus.

Wichtige Rolle

Der Gewerkschafter unterstreicht, warum gerade dieses Unternehmen eine wichtige Rolle auch im Hinblick auf die laufende Auseinandersetzung spiele. Und das habe nicht nur damit etwas zu tun, dass der bisherige Vorstandsvorsitzende Ulrich Schümer auch dem Arbeitgeberverband VMM, dem Verband Münsterländischer Metallindustrieller, vorstehe. Bei Schmitz Cargobull brumme der Laden, den meisten Firmen gehe es gut. Eine Tarifforderung von fünf Prozent sei daher angemessen; die Wirtschaft in Deutschland befinde sich auf einem stabilen Wachstumskurs, so Hebing.

Lohnerhöhungen förderten den privaten Konsum und unterstützten damit die Konjunktur. Die Branche habe die Tariferhöhung des vergangenen Jahres gut verkraftet, sie sei hochprofitabel und in einer guten Verfassung, sagt Hebing: „Alleine die fünf größten Konzerne der Metall und Elektroindustrie schütten in diesem Jahr an ihre Aktionäre mehr Dividende aus, als eine Entgelterhöhung um fünf Prozent für alle 3,8 Millionen Beschäftigten unserer Branche kosten würde.“

Zentrale Kundgebung

Hebing rief die Mitarbeiter von Schmitz Cargobull dazu auf, sich am 12. Mai an einer geplanten zentralen Veranstaltung in Köln zu beteiligen. Der Erste Bevollmächtigte gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass es noch vor Pfingsten gelingen könnte, zu einem Tarifabschluss für die Branche zu kommen. Deswegen sei es wichtig, den Druck entsprechend hoch zu halten. Eines der Mittel seien die 24-Stunden-Streiks, die als nächste Form der Aktion vorgesehen seien: Dabei würde Betriebe einen vollen Tag bestreikt. Hebing unterstrich: „Nur mit viel Druck werden wir angesichts der gegensätzlichen Positionen einen guten Abschluss erreichen können.“

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