Kleine Umweltschützerinnen beeindrucken Bürgermeister und Politiker mit konkreten Ideen

rnMülltonnen an Haltestellen

Emily, Freya und Theresa wollen etwas für die Umwelt tun. In der Schule haben sie damit angefangen. Jetzt hat sie ihr Engagement sogar ins Rathaus geführt, in eine politische Sitzung.

Vreden

, 17.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

So junge Besucher sitzen eigentlich nie im Zuschauerraum bei einer politischen Sitzung im Rathaus. Die komplette erste Reihe besetzen die Grundschüler von der Norbertschule. Etwas nervös rutschen sie auf den Stühlen herum, vergraben ihre Hände aufgeregt unter den Oberschenkeln. Für sie geht es bei dieser Sitzung um einiges. Sie wollen, dass die Stadt umweltfreundlicher wird.

Bei einem Pressetermin an der Schule erklären die Viertklässlerinnen Freya, Emily und Theresa ein paar Tage später, wie alles angefangen hat. Kurz vor den Sommerferien 2019 sammeln die Schülerinnen auf dem Schulhof Müll. „Der war total zugemüllt. Wir haben in einer Pause einen ganzen Eimer voll gesammelt“, erzählt Theresa (10).

Jetzt lesen

Die drei Mädchen finden das so erschreckend, dass sie mit dem Eimer voller Müll durch alle Klassen ziehen. Sie wollen ihren Mitschülern klar machen, wie schlecht das für die Umwelt ist.

Außerdem schreiben und malen sie Schilder, mit denen sie anderen Schülern Tipps geben, wie sie die Umwelt schützen können. „Nur Mehrwegflaschen für Getränke“, steht da zum Beispiel drauf. Oder: „Brotdosen mit zum Bäcker nehmen und fragen, ob das Brot anstatt in die Tüte in die Dose kann.“ Diese Schilder hängen jetzt an den Eingangstüren der Schule.

Mülltonnen an Haltestellen im Außenbereich fehlen

An den Grenzen des Schulgeländes hört das Engagement der Viertklässlerinnen jedoch nicht auf. „Wir haben dann ganz oft Müll gesammelt, in der Stadt oder in Doemern“, sagt Freya (10). Dabei machen sie einen Entdeckung. „Wir wollten den Müll entsorgen, aber wir haben keinen Mülleimer gefunden“, erzählt Freya.

Auf dem Schulhof der Norbertschule gibt es zahlreiche Mülleimer. Jetzt sollen auf Initiative von Theresa, Emily und Freya (v.l.) auch an den Schulbushaltestellen welche aufgestellt werden.

Auf dem Schulhof der Norbertschule gibt es zahlreiche Mülleimer. Jetzt sollen auf Initiative von Theresa, Emily und Freya (v.l.) auch an den Schulbushaltestellen welche aufgestellt werden. © Victoria Garwer

Durch diese Erfahrung kommen die Schülerinnen auf die Idee, dass die Stadt doch im Außenbereich mehr Mülltonnen aufstellen sollte. Ihre Klassenlehrerin Angela Teigelkötter sorgt dafür, dass die Mädchen einen Termin beim Bürgermeister bekommen.

„Wir waren vorher ganz schön aufgeregt. Aber der war ganz nett“, erzählt Emily (9). Und die drei sind gut vorbereitet. Sie haben viele Ideen, die sie dem Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch vorstellen.

Grundschülerinnen stellen dem Bürgermeister ihre Ideen vor

Ein Projekt zum Beispiel, bei dem man Einkaufstaschen aus alten T-Shirts nähen könnte. Damit niemand mehr mit Plastiktüten einkaufen geht. Die Stadt könnte doch auch eine Absprache mit den Supermärkten treffen, finden Theresa, Emily und Freya. Ab einem bestimmten Einkaufswert würden Kunden dann Samentütchen geschenkt bekommen.

Eine weitere Idee der Grundschülerinnen ist ein Müllsammeltag, an dem ganz viele Leute in Vreden zusammen Müll sammeln. Der Bürgermeister erklärt ihnen bei dem Treffen, dass es eine solche Aktion bereits gibt. „Aber nur einmal im Jahr, das ist viel zu wenig. Einmal im Monat sollte es schon sein“, findet Theresa.

Jetzt lesen

Nicht alle ihre Ideen sind so einfach umzusetzen, aber eine schafft es tatsächlich auf die Tagesordnung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses. Direkt im ersten Tagesordnungspunkt diskutieren die Kommunalpolitiker über die Idee, an den Schulbushaltestellen im Außenbereich Mülltonnen aufzustellen.

Spannende Diskussion im Fachausschuss

„Tatsächlich gibt es im Außenbereich an touristischen Stellen viele Mülleimer, an den Schulbushaltestellen jedoch nicht“, erklärt Joachim Hartmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung. Denn diese wurden vor rund 20 Jahren abgebaut, weil an den Wartehäuschen immer Müll herumlag. Die Politiker hatten die Hoffnung, dass der Müll mit nach Hause genommen wird, wenn es keine Eimer dafür gibt.

Jetzt aber sind auch die Politiker davon überzeugt, dass Abfallbehälter an den Haltestellen eine gute Idee sind. Doch es gibt noch einige Detailfragen zu klären. Welche Tonnen sollen es sein, mit oder ohne Deckel? Gibt es einen Schutz vor Vandalismus? Wie oft und von wem werden die Mülleimer geleert? Und was kostet das Ganze?

Emily, Theresa, Freya und einige weitere Norbertschüler verfolgen die Diskussion gespannt vom Zuschauerraum aus. „Das war total spannend. Die waren sich eigentlich schnell einig, aber da sind ja so viele Kleinigkeiten, über die sie nachgedacht haben“, sagt Freya.

Politiker loben das Engagement der Grundschülerinnen

Die Grundschüler erfahren, dass der Bauhof die Mülleimer leeren soll. Die Tonnen werden einen schmalen Einwurf haben, damit der Müll nicht überall herumfliegt oder Tiere anlockt. An 42 von 79 Wartehäuschen werden neue Tonnen aufgestellt, an den anderen gibt es schon welche. Jede davon kostet rund 100 Euro. Insgesamt bezahlt die Stadt dafür also rund 4200 Euro. Die Leerung kostet jährlich rund 3500 Euro.

Theresa, Emily und Freya (v.l.) sammeln auf dem Schulhof der Norbertschule regelmäßig Müll.

Theresa, Emily und Freya (v.l.) sammeln auf dem Schulhof der Norbertschule regelmäßig Müll. © Victoria Garwer

Neben der fachlichen Diskussion gibt es auch viel Lob für das Engagement der Schülerinnen. Der Bürgermeister zum Beispiel begrüßt sie vor der Sitzung persönlich, genau wie der Vorsitzende des Ausschusses. „Ich finde es gut, dass Kinder mal mit ganz konkreten Ideen kommen“, sagt Stephan Bengfort (CDU).

Nach der Sitzung sind Freya, Emily und Theresa richtig stolz auf das, was sie geschafft haben. Aber so ganz zufrieden sind sie dann doch nicht. „Am besten wäre es ja, wenn die Leute einfach weniger Müll produzieren würden“, sagt Freya.

Mitschüler und Lehrer angesteckt

Mit ihrem Sinn für Umweltschutz haben die drei inzwischen zahlreiche Mitschüler angesteckt. „Einige finden das auch nervig und kaum einer schaut wirklich auf unsere Schilder“, bedauert Theresa. Doch ihre Lehrerin Angela Teigelkötter sieht das Positive: „Guckt doch mal, was ihr alles schon geschafft habt!“ Die ganze Klasse 4a zum Beispiel verzichtet inzwischen auf den Strohhalm beim Kakaotrinken in der Pause. Stattdessen wird das Getränk in Becher umgefüllt.

Jetzt lesen

Auch die Lehrer an der Norbertschule haben die Mädchen inspiriert. Angela Teigelkötter und eine Kollegin beschäftigen sich jetzt intensiv mit dem Thema Umweltschutz und sind dabei auf das kindgerechte Buch „Die Klimahelden“ gestoßen. Das wird jetzt in den Unterricht eingebunden.

Für das kleine Interview mit der Zeitung haben Emily, Freya und Theresa auf einen großen Teil ihrer Pause verzichtet. Noch schnell ein Foto beim Müllsammeln auf dem Schulhof, dann können sie endlich spielen gehen. „Komm, ich nehme euch die Eimer wieder ab“, sagt Klassenlehrerin Angela Teigelkötter. „Wieso? Die brauchen wir doch“, ruft Freya fröhlich und rennt mit ihren Freundinnen los, um Müll zu sammeln, während die anderen Kinder auf dem Schulhof springen, klettern, tanzen und Fußballspielen.

Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten Windpark Lüntener Feld/Ammeloe
Zwei neue Windräder zwischen Lünten und Ammeloe sollen Strom für 15.000 Personen erzeugen