Naturschützer arbeiten Hand in Hand für den Ramsbach

Renaturierung erfolgreich

Ecken, Kanten, Kurven zeigt der Wasserlauf jetzt: In Team-Arbeit haben etliche Naturfreunde den Ramsbach in Zwillbrock entfesselt und in einen naturnahen Zustand zurückversetzt. Mitarbeiter des Kreises Borken zeigten sich beim offiziellen Abnahmetermin beeindruckt.

ZWILLBROCK

von von Steffen Maas

, 12.08.2015, 13:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zugegeben: Der Ramsbach machte am Montagnachmittag keinen allzu imposanten Eindruck. Er führte wenig Wasser und war deutlich unter Normalform, was Höhe und Breite angeht. Wenn dann eine ganze Schar Menschen trotzdem mit leuchtenden Augen am Ufer steht, muss wirklich etwas passiert sein. Passiert ist dort, ganz in der Nähe der niederländischen Grenze, die Renaturierung des Ramsbaches, also dessen ökologische Aufwertung, die Umwandlung in einen naturnahen Zustand als "entfesseltes System".

Machbar, da waren sich die Anwesenden einig, wurde die gekonnte Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie durch eine beispiellose Zusammenarbeit. So sprach Carsten Bohn von der AG Wasser- und Bodenverbände Westfalen-Lippe, verantwortlich für die Planung und Baubegleitung der Maßnahme in Zwillbrock, von der "tollen Unterstützung", die alle Beteiligten gegeben hätten und freute sich über die "sehr kurzen Dienstwege", auf denen auch plötzlich auftretende Probleme gelöst worden seien.

Umsetzung in guten Händen

Friedel Wielers vom Kreis Borken merkte an, er habe direkt am Anfang gewusst, dass die Umsetzung bei Heinrich Göring und seinem Wasser- und Bodenverband Ellewicker-Crosewicker-Feld "in guten Händen" sei. "Der Kreis war einer der ersten, die eine solche Maßnahme in Angriff genommen haben, und dabei rausgekommen ist ein Vorzeigeprojekt", bilanzierte Wielers zufrieden.

"Sehr positiv beeindruckt" zeigte sich auch Markus Rottstegge. Der Mann in den gelben Gummistiefeln sprach aber nicht von der Organisation, sondern vom Erscheinungsbild des Ramsbachs. Der ehemals schnurgerade Bach schlängelte sich nun durch Zwillbrock, solide Baumstämme fungieren als Stromleiter und bringen eine Pendelbewegung in den Bachlauf. "Das ist wichtig für die strukturelle Vielfalt", erläuterte Rottstegge.

Sandgeprägter Tieflandbach

Denn die Bewegung im Wasser schaffe Sandbänke, Furten und Hänge im Uferbereich, alles Charakteristika, die ein sandgeprägter Tieflandbach wie der Ramsbach im natürlichen Zustand habe. "Außerdem dienen die Baumstämme als Fluchtplatz und Nahrungsquelle für Fische", ergänzte Carsten Bohn, der auch auf die zahlreichen neuen Wasserpflanzen hinwies. Das alles sowie weitere Maßnahmen wie die Abflachung des Ufers trügen zudem dazu bei, dass das Wasser ordnungsgemäß abfließen kann.

Gut investiertes Geld seien die 42000 Euro für die Renaturierung des Ramsbachs, war sich Markus Rottstegge sicher: "Das sieht hier sogar alles deutlich besser aus als in den Planungsunterlagen angepeilt", staunte der Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde. "Und da sah es auch schon gut aus", schob er schmunzelnd hinterher.

Stromlenker und Totholz

Große Zufriedenheit herrschte am Montag also bei allen Beteiligten, die sich zum Ende des Termins noch auf die niederländische Seite begaben, um die Arbeit am Ramsbach dort zu begutachten. Die holländischen Naturfreunde hatten die Renaturierung schon vor Jahren in Angriff genommen und Erfahrungen gemacht, von denen die deutschen Kollegen nun profitieren konnten.

Nun wollen auch sie ein System mit Stromlenkern und Totholz installieren, und der Wasser- und Bodenverband Ellewicker-Crosewicker-Feld kann seinerseits mit Fachwissen unter die Arme greifen. So trägt die Europäische Wasserrahmenrichtlinie tatsächlich zur nachbarschaftlichen Verständigung bei.

Pluspunkte

Ob Baumstämme, Sandbänke oder flaches Ufer – alles Eigenschaften eines Wasserlaufs, die auf der Checkliste der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie Pluspunkte einbringen dürften. Die Umsetzung dieser Richtlinie, deren Ziel ein guter ökologischer und chemischer Zustand europäischer Gewässer ist, steht gerade im Fokus der Naturschützer. Kein Wunder also, dass diese 42 000 Euro exemplarische Maßnahme am Ramsbach zu 80 Prozent vom Land NRW und zu 20 Prozent vom Kreis Borken finanziert wurde.

Damit die Nahrungsbedingungen für Fische und Fischnährtiere verbessert wurden, plante Carsten Bohn von der AG Wasser- und Bodenverbände Westfalen-Lippe, was genau zu tun war am und im Ramsbach. Der Kreis Borken als Untere Wasserbehörde musste jetzt beim offiziellen Termin am Montag sichergehen, dass der Planung auch entsprochen wurde. Gearbeitet wurde in der ersten Jahreshälfte, der Wasser- und Bodenverband hatte die Arbeiten an eine Firma aus Heek vergeben.  Die Stadt Vreden hatte die dafür nötigen Flächen kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Flächeneigentümerfrage, so war zu erfahren, sei in anderen Städten wegen der Finanzierung ein großer Stolperstein.

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