Egbert Terhürne (l.) und Ludger Heming vom Bürgerbusverein freuen sich auf die neue Linie. © Victoria Garwer
Bürgerbus

Neue Linie: Zum Arzt, zum Friedhof oder ins Café mit dem Bürgerbus

Zurzeit verbindet der Bürgerbusverein nur die Kirchdörfer mit der Stadt Vreden. Jetzt soll es innerhalb des Stadtgebietes eine neue Linie geben. Für Diskussionen sorgte eine Haltestelle auf dem Markt.

Früher ist sie mit dem Fahrrad zum Grab ihres Mannes auf dem Friedhof gefahren. Jetzt muss die alte Dame, die in einer Wohnsiedlung in der Nähe des Freibades wohnt, erst den S70 nehmen und dann am Busbahnhof in den Bürgerbus umsteigen. „Für den Hin- und Rückweg braucht sie insgesamt fünf Stunden, hat sie uns erzählt“, sagt Egbert Terhürne, Vorsitzender des Bürgerbusvereins.

Dabei ist die Strecke nur drei Kilometer lang. Doch mit dem Fahrrad oder zu Fuß traut sich die alte Dame den Weg nicht mehr zu, und eine gescheite Busverbindung innerhalb der Stadt gibt es zurzeit nicht. Genau für Menschen wie sie plant der Bürgerbusverein eine neue Linie. Die Randsiedlungen in Vreden sollen dadurch miteinander verbunden werden. Außerdem ist geplant, dass der Bürgerbus auch in der Innenstadt hält.

Fahrten in die Kirchdörfer werden kaum noch genutzt

Die Idee hatte der Bürgerbusverein im vergangenen Jahr. Drei Monate lang haben die Mitglieder auf ihren Touren die Fahrgäste gezählt. „Dabei haben wir festgestellt, dass die Kirchdörfer-Touren immer weniger genutzt werden“, sagt Egbert Terhürne.

Ungefähr zur gleichen Zeit haben sich einige ältere Menschen an den Verein gewandt, mit der Bitte, auch im Vredener Stadtgebiet eine Linie einzurichten. Citymanager Jörg Lenhard äußerte zudem den Wunsch nach einer Haltestelle direkt in der Innenstadt. „Wir sind ja ein Bürgerbus, also wollen wir auch die Wünsche der Bürger erfüllen“, sagt Egbert Terhürne.

Die ehrenamtlichen Fahrer hätten durch die neue Linie nicht mehr Arbeit, da dafür einige Touren in die Kirchdörfer gestrichen werden.
Die ehrenamtlichen Fahrer hätten durch die neue Linie nicht mehr Arbeit, da dafür einige Touren in die Kirchdörfer gestrichen werden. © Privat © Privat

Deswegen fingen die Ehrenamtlichen an, Pläne für eine Randtour zu erarbeiten, wie sie es nennen. Sie dachten sich, dass es sinnvoll wäre, verschiedene Wohnsiedlungen mit wichtigen Punkten wie dem Friedhof, dem Krankenhaus und dem Marktplatz zu verbinden.

Inzwischen gibt es einen ersten Plan für diese Route. 60 Minuten dauert eine komplette Fahrt, das haben die Vereinsmitglieder bereits getestet. Geplant ist zurzeit, dass der Bus fünf Mal am Tag fährt. Dafür würde der Bürgerbusverein die Zahl der Touren in die Kirchdörfer von zehn auf sechs reduzieren.

Rat begrüßt die Ideen des Bürgerbusvereins

Mit diesen konkreten Plänen hat sich der Verein an die Stadt gewandt. Der Rat hat sich in seiner Sitzung am Dienstagabend mit dem Thema beschäftigt. Für das Engagement des Bürgerbusvereins gab es zunächst viel Lob. Die ersten Pläne kamen flächendeckend gut an.

Start und Ziel der neuen Linie soll der Busbahnhof sein.
Start und Ziel der neuen Linie soll der Busbahnhof sein. © Victoria Garwer © Victoria Garwer

Bedenken gab es jedoch bei der geplanten Haltestelle auf dem Markt. „Darüber haben wir auch in der Verwaltung intensiv diskutiert“, sagte Joachim Hartmann, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung. Da der Bürgerbus nicht so groß ist wie andere Busse, wäre das zumindest schon einmal kein Problem.

„Der Vorteil wäre auf jeden Fall, dass die Fahrgäste sehr nah am Zielpunkt wären“, so Hartmann weiter. Geschäfte und Apotheken befinden sich in direkter Nähe und auch das Ärztehaus ist nicht weit vom Markt. Diese Strecke wäre für ältere Menschen auf jeden Fall besser zu meistern als vom Busbahnhof aus. Reinhard Laurich (SPD) sah zudem eine Belebung des Marktplatzes. Und: „Das Angebot des Bürgerbusvereins wird so auch für alle sichtbar.“

Bedenken bei der Haltestelle auf dem Markt

Bedenken äußerte hingegen Daniel Leuders (Grüne): „Ist das wirklich sinnvoll, wenn wir dann wegen Veranstaltungen auf dem Markt oft Umleitungen einrichten müssten?“ Darauf erwiderte Joachim Hartmann: „Umleitungen sind vermutlich ein kleineres Übel, als wenn man den Markt täglich nicht anfährt.“ Ruth Kemper (FDP) sorgte sich, dass die Aufenthaltsqualität auf dem Markt leiden könnte und schlug den Domhof als alternativen Standort vor.

Diese Idee wird in den nun folgenden Planungsprozess einfließen. Der Rat hat einstimmig beschlossen, dass die Westfalen Bus GmbH als zuständiges Verkehrsunternehmen nun einen entsprechenden Antrag für die neue Linie bei der Genehmigungsbehörde stellen soll.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer