Neue Perspektiven fürs Gymnasium

Schulleiter im Interview

Er kennt seine Schule nicht nur aus der Sicht eines Lehrers: Der neue Leiter des Gymnasiums Georgianum in Vreden, Dr. Jürgen Klomfaß, hat dort selbst 1991 die Abiturprüfung bestanden. Redakteur Thorsten Ohm hat mit dem 46-Jährigen über sein Selbstverständnis als Schulleiter, über Schwerpunkte und Perspektiven für das Georgianum gesprochen.

VREDEN

, 02.09.2017 / Lesedauer: 4 min

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Schulleiter? Mir geht es darum, dass wir Schule gemeinsam gestalten. Das bedeutet, alle am Schulleben Beteiligten einzubeziehen. Dazu gehören Lehrer, Schüler und Eltern. Ich kann da auf ein hoch motiviertes Kollegium zählen, das auf diese Möglichkeit gewartet hat, und auf eine überaus engagierte Elternschaft. Den Schülern möchten wir noch deutlicher die Möglichkeiten aufzeigen, sich einzubringen.

Schauen wir kurz zurück. Hätten Sie beim Abitur 1991 gedacht, einmal selbst Leiter dieses Gymnasiums zu sein? Überhaupt nicht. Mein Ziel war damals, Physiker zu werden, und diesen Weg habe ich zunächst auch konsequent eingeschlagen.

Wie kamen Sie dann in den Lehrerberuf? Zum einen habe ich mein Studium durch Nachhilfe mitfinanziert. Das hat mir Spaß gemacht. Zum anderen hatte mir mein Bruder, der selbst Lehrer ist, einen Wechsel in diesen Beruf sehr nahegelegt.

Wie erging es Ihnen als „Umsteiger“? Meine erste Station war ab 2004 das Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Münster. Dort war ich zugleich im berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst. Ich war dort fünf Jahre, länger als gedacht.

Warum sind Sie dann nach Vreden gegangen? Meine Frau ist gebürtige Vredenerin, ich komme aus Stadtlohn, und so war für uns klar, dass wir mit der Familie gern wieder in unsere Heimatregion gehen wollten. So kam es, dass ich 2009 als Lehrer hier am Gymnasium angefangen habe.

Was hat Sie motiviert, Leitungsaufgaben zu übernehmen? Das war ein Prozess, in den ich hineingewachsen bin. Als die stellvertretende Schulleiterin Siegrid Kliem nach Bocholt gegangen war, hat mich mein Vorgänger Bernd Telgmann gefragt, ob ich Verwaltungsaufgaben mit übernehmen wolle. Da ich auch Informatiker bin, hatte ich Spaß daran, eigene Programme zu entwickeln und für die Bereiche Personal und Verwaltung zu schreiben. Inzwischen habe ich auf dem Gebiet einiges delegiert. Da es noch keinen neuen stellvertretenden Schulleiter gibt, bleibt mir nicht mehr so viel Zeit für solche Aufgaben.

Sie starten in einer Zeit vieler Veränderungen und neuer Aufgaben für Schulen. Neu am Gymnasium ist zum Beispiel die Stelle für Sozialarbeit. Warum braucht es das? Unbedingt! Wir haben ein vielfältiges Schülerklientel, wir hatten eine internationale Klasse, wie haben Kinder im gemeinsamen Lernen, und die Gesellschaft hat inzwischen mehr und mehr Erziehungsaufgaben in die Schule verlagert.

Wie stehen Sie zur Frage des Ganztagsunterrichtes? Ich möchte das mit den Eltern zu einem Gesprächsthema zu machen. Die Frage ist, ob ein Ausbau des Ganztagsangebots gewünscht ist, ob es einen Bedarf dafür gibt.

Wie wichtig sind die AGs für das Gymnasium? Sehr. Es gibt zahlreiche Arbeitsgemeinschaften, wo jeder Schüler etwas Passendes finden kann. Die AGs bereichern unser Schulleben ungemein, und sie stärken unser Profil.

Wo sehen Sie Potenzial, das Profil der Schule zu stärken und weiterzuentwickeln? Unser bilingualer Schwerpunkt ist stark, das naturwissenschaftliche Profil lässt sich schärfen und ausbauen. Darüber hinaus arbeiten wir mit Schülern und Eltern an einem dritten Profil. Das geschieht auch vor dem Hintergrund, dass wir in Zukunft von einer Dreizügigkeit ausgehen.

Wie möchten Sie die Schulgemeinschaft fördern? Wir setzen auf Teamstrukturen im gesamten Verwaltungs- und Organisationsbereich. Wir bauen schuldemokratische Strukturen auf. Eine Schulentwicklungsgruppe kümmert sich um die zentralen Fragen unserer Zukunft. Wir wollen auch das Gemeinschaftsgefühl stärken, digitale Medien stärker nutzen, sportliche Angebote ausbauen und mit Sportvereinen zusammenarbeiten.

Was halten Sie von der Wiedereinführung des Abiturs nach neun Jahren? Persönlich gesprochen bin ich sehr dafür. Das entzerrt die Schullaufbahn zeitlich. Viele kommen heute sehr jung in die Oberstufe, müssen sich dort früh entscheiden. Ob und wie das G9 wieder eingeführt wird, müssen wir jetzt abwarten. Dieser Prozess hängt davon ab, welche Rahmenbedingungen wir dafür erhalten.

Blicken wir über das Gymnasium Georgianum hinaus. Welche Rolle spielt das Zusammenwirken der Schulen an einem Ort? Für uns ist die Zusammenarbeit mit allen Schulen sehr wichtig, auch mit der Sekundarschule, mit der wir einige Kooperationen vereinbart haben. Die Stufe neun der Sekundarschule nutzt unser Mensaangebot mit, wir nutzen für unsere zieldifferenten Inklusionsschüler die Schulküchen in der Sekundarschule, um sie in Hauswirtschaft zu unterrichten.

Wie ist es um die Kontakte mit der Wirtschaft bestellt? Die sind sehr vielfältig. Ein schönes Beispiel: Im Kunstunterricht gehen wir jetzt neue Wege, indem wir digitales Arbeiten etwa mit Photoshop einbeziehen. Da sehen wir starke Partner in der heimischen Wirtschaft. Ein weiterer Baustein: Wir ziehen unser Betriespraktikum vor ins erste Jahr der Oberstufe. Damit können die Schüler die Erfahrungen daraus frühzeitiger in ihre Zukunftsplanung einbeziehen.

Wo möchten Sie das Gymnasium Georgianum in zehn Jahren sehen? Ich sehe eine starke Schule, die als solche auch in der Außenwahrnehmung noch deutlicher registriert wird.

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