In Vreden fehlen mindestens 150 Wohnungen, die Mietpreise steigen rasant

rnWohnraum in Vreden

Wie viele Wohnungen gibt es in Vreden? Reichen die aus? Sind sie groß und günstig genug? Diese Fragen beantwortet einen neue Studie – und zeigt dabei einige Probleme auf.

Vreden

, 19.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zum ersten Mal gibt es eine Studie, die den Wohnungsmarkt auf Kommunalebene untersucht hat. Die konkreten Zahlen für Vreden hat Matthias Günther vom Eduard Pestel Institut im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss vorgestellt.

? Wie viel Wohnraum gibt es in Vreden?

9650 Wohneinheiten. Diese Zahl steht in der Studie und bildet den Stand im Jahr 2017 ab. Dazu zählen sowohl Ein- und Zweifamilienhäuser als auch Wohnungen in Mehrfamilienhäusern.

65 Prozent der Wohneinheiten werden von den Eigentümern bewohnt. Im Umkehrschluss heißt das, dass nur 35 Prozent, also 3250 Wohnungen in Vreden vermietet werden.

? Reicht das aus?

Nicht wirklich. „Der Wohnungsmarkt in der Stadt Vreden ist leicht angespannt“, heißt es in der Studie. Das zeigt sich vor allem am niedrigen Leerstand. In Vreden stehen nur rund ein Prozent der Wohnungen leer. Das ist vergleichsweise wenig. „Wir gehen im Schnitt von drei Prozent Leerstand aus“, erklärte Matthias Günther.

? Wurden also zu wenige neue Wohnungen gebaut?

Ja. Denn schon 2011 fehlten 78 Wohnungen in Vreden. Inzwischen ist dieses Defizit auf rund 148 angestiegen. Im Schnitt werden in Vreden 135 neue Wohnungen pro Jahr gebaut, doch das reicht offensichtlich nicht aus.

? Gibt es noch weitere Gründe für den Wohnungsmangel?

Natürlich und das sind durchaus positive Entwicklungen. Zum einen steigt die Einwohnerzahl in Vreden. Nicht nur, weil eine Zeit lang mehr Menschen geboren als gestorben sind. Auch die Zahl der Zuwanderung aus umliegenden Städten oder aus dem Ausland ist hoch. „Zuwanderer bekommt nur die Stadt, die Arbeit zu bieten hat“, erklärt Matthias Günther.

Mit der Einwohnerzahl steigt auch die Zahl der Haushalte – und zwar um ganze 43 Prozent seit 1995. Gleichzeitig sinkt die durchschnittliche Haushaltsgröße, ebenfalls ein Zeichen für Wohlstand. Während in Vreden 1995 noch 3,17 Personen gemeinsam gewohnt haben, sind es jetzt noch 2,41 Personen.

? Welche Wohnungen fehlen denn?

„Sinnvoll wäre der Bau kleinerer Wohnungen“, so Matthias Günther. Denn 81 Prozent der vorhandenen Wohnungen in Vreden haben mindestens vier Zimmer. Nur sechs Prozent der Wohneinheiten haben maximal zwei Zimmer.

Laut Studie ist dieses Missverhältnis vor allem darauf zurückzuführen, dass es in Vreden besonders viele Ein- und Zweifamilienhäuser gibt. 79 Prozent aller Wohneinheiten fallen in diese Kategorie, nur 20 Prozent sind in Mehrfamilienhäusern zu finden.

? Was ist mit günstigem Wohnraum?

Auch der fehlt in Vreden laut Studie. Die Mietpreise sind seit 2015 stark gestiegen, stärker als in anderen Kommunen im Kreis Borken. 2012 kostete der Quadratmeter noch rund 5,50 Euro, inzwischen sind es 6,25 Euro. Der durchschnittliche Kaufpreis für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser liegt bei 237.800 Euro.

Aus den Daten ergibt sich für den Experten Matthias Günther ein weiteres Problem: „In Vreden gibt es nur für den Bruchteil der Berechtigten Sozialwohnungen.“ Ähnlich sieht es bei behindertengerechten Wohnungen aus. Davon werden in Vreden rund 760 gebraucht. Wie viele genau es gibt, geht aus der Studie nicht hervor. Sie geht allerdings davon aus, dass auch hier der Bedarf nicht erfüllt wird.

? Was macht die Stadt denn nun mit diesen Erkenntnissen?

Sie sollen in Zukunft in die Entscheidungen zu Bauprojekten einfließen. Bei Neubaugebieten zum Beispiel achtet die Stadt schon jetzt darauf, dass einige Grundstücke für Mehrfamilienhäuser reserviert sind. Bei den Planungen des Neubaugebietes Pirolstraße hat der Bauausschuss angemerkt, unbedingt auch Sozialwohnungen zu schaffen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt