Polizist hält Aussagen der Opfer für glaubwürdig

Prozess wegen sexuellen Missbrauchs

Vor dem Landgericht Münster wurde am Donnerstag der Prozess gegen einen 51-jährigen Vredener fortgesetzt, dem vorgeworfen wird, seine Stieftöchter sexuell missbraucht zu haben. Im Fokus standen die Aussagen der beiden Opfer. Der Polizist, der beide vernommen hatte, betonte, dass er sie für glaubwürdig hält.

VREDEN/MÜNSTER

von Von Klaus Möllers

, 02.03.2017, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Für mich gab es überhaupt keinen Grund, warum sie sich selbst so belasten sollte. Wir haben ihr gesagt, dass es vielleicht ein Gerichtsverfahren gibt und sie womöglich aussagen muss", sagte ein Polizist der Fachdienststelle für Sexualdelikte. Er bezeichnete die Aussage eines der beiden mutmaßlichen Opfer im Prozess um Kindesmissbrauch gegen einen 51-Jährigen aus Vreden  als glaubwürdig. "Es war ein Kampf. Sie hatte immer Tränen in den Augen. Es war zu merken, dass ihr die Aussage schwerfiel. Sie wirkte traumatisiert", sagte er als Zeuge. 

Über 270 Fälle angeklagt

Der Beamte und eine Kollegin hatten erst die heute 17-Jährige und dann ihre mittlerweile 15 Jahre alte Schwester zu den sexuellen Übergriffen auf beide vernommen. Zwischen 2008 und Sommer vergangenen Jahres soll sie ihr Stiefvater sexuell missbraucht haben bis hin zum Geschlechtsverkehr mit dem jüngeren Mädchen. Angeklagt sind über 270 Fälle.

Mitte August sei der 51-Jährige an seiner Arbeitsstelle in Vreden festgenommen worden, erklärte der Kriminalpolizist und berichtete vom teilweisen Geständnis des Mannes. Vor Gericht hat er es mittlerweile widerrufen. "Er hat im Auto schon etwas zugegeben: ,Da war was in der Badewanne, aber nicht viel'", habe der Vredener gesagt.

Als sich die Mutter der Kinder offenbar auch wegen seines Alkoholkonsums von ihm getrennt hatte, waren die Mädchen an jedem zweiten Wochenende bei ihm zu Besuch. "Er hat in der Vernehmung Sachen relativiert, beschönigt, verharmlost und den Kindern eine Mitschuld gegeben: ,Die fanden das doch schön' oder ,Die wollten das doch'", zitierte der Zeuge. Dessen Kollegin berichtete, dass der 51-Jährige "immer erst auf Nachfrage" Weiteres zugegeben habe. Darunter 50 Übergriffe bei einem der Mädchen, zehn mit beiden zusammen.

Gutachten beantragt

Einige Male sei der Vredener mit den Kindern in der Badewanne gewesen, habe er ausgesagt. Auch dort soll es zum Missbrauch gekommen sein. Die Kinder waren sieben und neun Jahre alt. Das jüngere Mädchen leidet unter anderem an einer Lernschwäche und will sich an Übergriffe erst ab 2012 erinnern. Beide Schwestern hatten während ihrer (nicht öffentlichen) Vernehmung bei Gericht Abläufe und Details teils anders beschrieben als gegenüber der Polizei. Deshalb hat eine Anwältin des Vredeners außer dem aussagepsychologischen Gutachten für die Ältere nun auch eines für das jüngere Mädchen beantragt.

Der Kriminalpolizist hingegen erklärte, dass er "trotz einiger Ungereimtheiten" in ihren Aussagen "keine Belastungstendenz" bei den Mädchen habe erkennen können, warum oder für wen sie dem Mann die Taten unterstellen sollten.

  • Die Verhandlung wird am 9. März fortgesetzt.

 

Jetzt lesen

Jetzt lesen

 

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt