Räuber setzte sein Opfer mit Elektroschocker matt und fesselte es mit Kabelbindern

rnÜberfall auf Goldankaufgeschäft

Ein 34-Jähriger, der Anfang 2014 ein Goldankaufgeschäft überfallen und eine Frau gezwungen haben soll, ihn nach Enschede zu fahren, steht nun vor Gericht. Die Zeugen sagten am Dienstag aus.

von Klaus Möllers

26.03.2019, 18:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vom Überfall auf sein Geschäft in Vreden war ein Goldankäufer so erschrocken, dass er seinen Laden direkt nach der Tat schloss, nie wieder aufmachte und beruflich die Branche wechselte. „Wenn man eine Waffe sieht, ist man geschockt“, sagte der 42-Jährige am Dienstag am Landgericht als Zeuge. Er war im Februar 2014 Opfer eines Raubes, wegen dem ein zuletzt wohnungsloser und zur Tatzeit heroinabhängiger Mann am Landgericht in Münster angeklagt ist. Weitere Überfälle soll der 34-Jährige in Wüllen und in Gronau begangen haben.

„Ich will dir nichts tun, aber ich brauche Geld“

„Er hat gesagt ,ich will dir nichts tun, aber ich brauche Geld‘. Dann hat er mir die Waffe gezeigt. Ich habe ihm 100 oder 150 Euro gegeben“, schilderte der damalige Goldankäufer. Schließlich habe er dem Täter noch „700 oder 800 Euro“, die er in der Hosentasche bei sich trug, ausgehändigt. Damit war der schlimmste Schrecken offenbar aber noch nicht vorbei: „Er hat mich zwei Mal mit einem Elektroschocker an der Schulter mit Strom getroffen und mich in einem Nebenraum mit Kabelbindern gefesselt“, erzählte der 42-Jährige den Richtern aus der Erinnerung. „Ich hatte das alles schon vergessen. Es kommt aber wieder zurück, wenn ich daran erinnert werde.“

Ladenbesitzer wechselte den Beruf

An dem Tag war der Goldankäufer alleine in seinem Laden. Weil die Kabelbinder falsch zugezogen waren, konnte er sich befreien und die Polizei anrufen. „Ich habe danach ein paar Monate lang nichts gemacht. Ich habe den Beruf gewechselt und bin jetzt Inhaber eines Gastronomiebetriebes“, sagte er. Außer dem Geld nahm der Täter laut der Aussage Schmuckstücke aus dem Geschäft mit.

Das Gericht hörte beim ersten Fortsetzungstermin des Prozesses von Opfern, wie sie die Überfälle erlebten. Völlig überrascht war demnach eine 49-jährige Frau aus Ammeloe, dass sie nach dem Überfall von dem Täter gezwungen wurde, ihn mit ihrem Pkw nach Enschede zu bringen. Sie hatte auf einem Parkplatz ihre Parkscheibe verstellen wollen. Als sie die Pistole sah, die der Mann hinter der Tüte in der Hand trug, habe sie seiner Forderung nachgegeben. „Es waren schon Sirenen zu hören. Als wir aus Vreden rausfuhren, kamen uns Polizeiwagen entgegen“, schilderte die Frau. „Er hat gesagt ‚keine Lichthupe – nicht, dass was auffällt“.

Ammeloerin war „nicht sehr aufgeregt“

Auf dem Weg in die Niederlande sei sie nicht sehr aufgeregt gewesen, erklärte die 49-Jährige. Weil sie nicht davon ausgegangen sei, dass der Mann ihr etwas antue. Lediglich einmal sei sie sehr aufmerksam geworden, als er auf dem Beifahrersitz „das Magazin der Pistole herausnahm und wieder in die Waffe steckte“. Ansonsten habe man sich unterhalten – „er hat gesagt, dass er aus Kasachstan kommt, dass der Vater alkoholabhängig war, dass er gerade den Goldankäufer überfallen hat und schon mal sechs Jahre im Gefängnis war, dass er heroinabhängig ist und er hat mir Einstichstellen an den Armen gezeigt“. Um sich keiner weiteren Gefahr auszusetzen und um eine Eskalation bei Polizeikontrollen zu vermeiden, sei sie nicht über Gronau nach Enschede gefahren, sondern „über Alstätte“, also über den ehemaligen Grenzübergang Sandersküper.

20 Euro Spritgeld angeboten

Zur Frage des Vorsitzenden Richters, ob der Täter erklärt habe, dass er sich in Enschede „den letzten Schuss“ geben wolle, wie sie es 2014 gegenüber der Polizei ausgesagt habe, konnte die Frau aus der Erinnerung heraus nicht genau antworten. Am Hauptbahnhof in Enschede sei der Mann auf jeden Fall ausgestiegen, erklärte sie. Dort bot er ihr laut der polizeilichen Aussage „20 Euro Spritgeld“ für die Fahrt an, zitierte der Richter weiter.

Sowohl der ehemalige Goldankäufer als auch die Fahrerin erkannten den Angeklagten im Gerichtssaal als Täter wieder. Der entschuldigte sich bei allen Opfern, die aussagten. Ob dies ehrlich gemeint war oder lediglich auf Rat seines Pflichtverteidigers hin geschah, damit das Gericht die Geste als strafmildernd wertet, bleibt in solchen Fällen meist ungewiss. Die Verhandlung wird am 3. April fortgesetzt.

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