Harter Brexit bereitet Schmitz Cargobull Sorgen

rnBrexit-Abstimmung

Die Brexit-Verhandlungen beschäftigen auch die Verantwortlichen bei Schmitz Cargobull. Ihre Sorge: Der Marktanteil in Großbritannien könnte drastisch sinken. Erste Anzeichen gibt es schon.

Vreden

, 12.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Coutdown läuft. Am Dienstag stimmt das britische Parlament über die Zukunft des Vereinigten Königreichs (UK) in Europa ab. Wenn sich die Abgeordneten mehrheitlich gegen den mit der EU ausgehandelten Deal aussprechen – wovon Experten ausgehen – scheint der sogenannte No-Deal-Brexit Ende März unausweichlich. Mit weitreichenden Folgen auch für deutsche Unternehmer.

Bei Schmitz Cargobull in Vreden verfolgen die Verantwortlichen die Entwicklung auf der Insel mit Argusaugen. Jeden Tag werden Fahrzeuge aus den Fabrikhallen in Altenberge Richtung Norden geschickt. „Großbritannien ist eine Transportnation, die auf dem europäischen Markt einen großen Einfluss hat“, sagt Anna Stuhlmeier, Pressesprecherin bei Schmitz Cargobull.

Schon jetzt sinkende Absatzzahlen auf dem britischen Markt

Das laufende Geschäftsjahr beim Aufliegerhersteller endet zwar erst am 31. März, doch Prognosen liegen bereits vor. Man rechnet mit 700 bis 800 Fahrzeugen, die an britische Kunden ausgeliefert wurden. „Es waren schon einmal deutlich mehr. Der Markt ist klar zurückgegangen“, so Stuhlmeier. Ein Drittel Marktanteil wird Schmitz Cargobull wohl verlieren, obwohl die Brexit-Verhandlungen noch gar nicht beendet sind.

Vollbremsung durch den Brexit? Bei Schmitz-Cargobull stirbt die Hoffnung zuletzt.

Vollbremsung durch den Brexit? Bei Schmitz-Cargobull stirbt die Hoffnung zuletzt. © Schwarze-Blanke

Nur Folgen des Brexit-Referendums von 2016? So einfach macht man es sich nicht bei Schmitz Cargobull nicht. „Die Transportwirtschaft ist immer der erste Indikator für die Wirtschaft. Die Gesamtentwicklung schlägt sich auf den Transportmarkt nieder“, sagt Stuhlmeier. Das schwache Pfund und der starke Euro lassen die Preise für britische Kunden kräftig steigen. Die anhaltende Verunsicherung bei Speditionen sind ein weiterer Faktor. Das trifft einen Hersteller wie Schmitz Cargobull genauso wie seine Mitbewerber.

Wettbewerb wird durch den Brexit schwieriger

In Panik verfällt deshalb niemand. Dennoch blickt auch Vorstandsmitglied Andreas Schmitz mit sorgenvoller Miene auf die anstehende Abstimmung. „Die Auswirkungen würden wir merken. Das wäre nicht gut“, sagte er am Donnerstagabend gegenüber dem WDR. „Das würde unsere Kunden betreffen, die dann eine gewisse Art von Zoll bezahlen müssten.“ Durch die möglichen Wettbewerbsveränderungen sei es schwierig, weiterhin auf diesem Markt konkurrenzfähig zu bleiben.

Doch die Hoffnung ist groß, dass die Bestandskunden auf der Insel Schmitz Cargobull weiter treu bleiben. „Wir haben den Vorteil, dass wir sehr früh an einem Servicepartner-Netzwerk gearbeitet haben. Das Gesamtpaket zeichnet Schmitz Cargobull aus“, erklärt Anna Stuhlmeier. Auch die Qualität stehe für sich.

Schwieriger Ausblick auf die zukünftige Entwicklungen

Sich in der Folge einfach anderen Märkten zuzuwenden, ist allerdings in der Transportbranche nicht so einfach möglich. „Auf unseren Trailern werden Güter und Waren transportiert und da sind wir vom Bedarf der Märkte abhängig“, so Stuhlmeier. Mehr denn je sei „Agilität das Gebot der Stunde“.

Und ein kleiner Funke Hoffnung besteht bei den Verantwortlichen, dass das Parlament des Vereinigten Königreichs am Dienstag doch noch Theresa Mays ausgehandelten Deal akzeptiert. Anna Stuhlmeier: „Es ist zwar alles Spekulation, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.“

Info: Das Transportunternehmen Schmitz Cargobull hat seine Unternehmenszentrale in Horstmar. 1969 eröffnete es eine Zweigstelle in Vreden. Schmitz Cargobull stellt Sattelauflieger, Aufbauten und Anhänger her. Marktführer in Europa ist das Unternehmen bei der Herstellung sogenannter Kühlkoffer – also Auflieger für Kühlfracht.
Lesen Sie jetzt