Markus Holtmann aus Südafrika macht Praktikum in Vreden – was sein Opa damit zu tun hat

rnSchuhhaus Wessels

Markus Holtmann aus Südafrika macht ein Praktikum beim Schuhhaus Wessels in Vreden. Grund dafür ist sein Großvater. Der hat eine besondere Verbindung zu Vreden und zur Familie Wessels.

Vreden

, 20.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Konzentriert beugt sich Markus Holtmann über einen Schuh und zeichnet die Umrisse ab. Die Arbeit gefällt ihm. Aber das ist nicht der Hauptgrund, warum sich der 15-Jährige aus Südafrika für ein Praktikum beim Schuhhaus Wessels in Vreden entschieden hat. Die Geschichten seiner Kindheit, die ihm sein Großvater erzählt hat – sie sind der Auslöser dieser Reise.

„Er hat oft von Deutschland, von Vreden und von der Familie Wessels erzählt“, sagt Markus Holtmann, der mit seinen Eltern in Johannesburg in Südafrika lebt. Sein Großvater Karl-Wilhelm Holtmann ist in Vreden aufgewachsen. Georg Wessels nennt ihn liebevoll Kaki, ein Spitzname, der hängen geblieben ist.

Großvater half als Kind in der Werkstatt mit

„Kaki hat schon als Schulkind nach dem Zweiten Weltkrieg in der Schuhwerkstatt unserer Familie ausgeholfen“, erzählt Georg Wessels. Als kleiner Junge wurde er losgeschickt, um mit dem Fahrrad Material aus Wessum zu holen. „Er hat immer erzählt, wie er in Vreden Schuhe gemacht hat. Und dass er zugeguckt hat, ganz viel zugeguckt“, berichtet Markus Holtmann.

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Auch er schaut jetzt viel zu in der Werkstatt an der Schlupstraße. Eine Woche lang zeigt Adrian Wessels dem 15-Jährigen die Arbeit als Orthopädieschuhmacher. Aber er packt auch mit an. So schneidet er zum Beispiel Material zu, klebt Sohlen an, säubert die Maschinen oder übernimmt Lager-Arbeiten. Markus Holtmann hat sich dafür eine gute Woche ausgesucht, findet Adrian Wessels. „Wir machen in dieser Woche noch einige Paar Schuhe fertig, große und kleine. Das haben wir nicht ganz so oft in dieser Menge.“

Markus Holtmann aus Südafrika macht Praktikum in Vreden – was sein Opa damit zu tun hat

Markus Holtmann schneidet Material aus. © Victoria Thünte

Markus Holtmann bekommt also alle Arbeitsschritte mit. Die zweite Woche des Praktikums wird er dann im Schuhgeschäft verbringen. Aber vorher darf er sich noch selber Schuheinlagen nach eigenem Abdruck erstellen.

Karl-Wilhelm Holtmann sollte eigentlich nur Schwester zurückholen

Fast noch spannender sind für den 15-Jährigen aber die Geschichten, die Georg Wessels ihm über seinen Opa erzählt. So zeigt er ihm zum Beispiel einen Gästebuch-Eintrag von Kaki, in dem der von seiner Zeit als Kind in der Schuhwerkstatt berichtet. Interessant ist auch die Geschichte, wie Karl-Wilhelm Holtmann von Vreden nach Windhoek ausgewandert ist.

Das war Anfang der 1960er-Jahre. Sein Vater war im Krieg gefallen, die Mutter allein mit den Kindern. Die Schwester von Karl-Wilhelm Holtmann verliebte sich noch während der Ausbildung in einen Mann, der kurz danach nach Windhoek im heutigen Namibia auswanderte. Die junge Frau ging mit ihm. „Die Mutter war krank vor Sorge und schickte Kaki hinterher, um sie zurückzuholen. Aber ihm gefiel es dort so gut, dass auch er geblieben ist“, erzählt Georg Wessels.

Seine Schwester heiratete den Mann und er bekam die Stelle als Betriebsleiter des Deutschen Clubs angeboten. Dort lernte er seine spätere Frau kennen. Einige Jahre später übernahm er den Deutschen Club in Port Elizabeth in Südafrika und machte sich dann mit einem eigenen Restaurant selbstständig. Vor zwei Jahren ist Karl-Wilhelm Holtmann gestorben.

Markus Holtmann möchte in Deutschland studieren

Markus Holtmann ist in Johannesburg geboren und aufgewachsen. Zuhause wird viel Deutsch gesprochen, aber auch Englisch und Afrikaans. Er besucht die zehnte Klasse einer deutschen Schule und möchte Abitur machen. Was er danach vorhat, weiß er noch nicht. „Ich möchte studieren, am liebsten in Deutschland. Hier gibt es mehr Auswahl und man hat bessere Chancen. Südafrika ist da nicht das beste Land“, meint er.

Markus Holtmann aus Südafrika macht Praktikum in Vreden – was sein Opa damit zu tun hat

Markus Holtmann (2.v.r.) hat Georg Wessels 2015 in Südafrika getroffen, bei der Übergabe von großen Schuhen an Big Charlie. Sein älterer Bruder (r.) ist inzwischen bei der Bundeswehr. © Privat

„Orthopädietechnik kann man auch studieren“, erwidert Adrian Wessels mit einem Schmunzeln. Vorstellen könnte sich Markus Holtmann das. Ihm ist nur wichtig, mit den Händen zu arbeiten, ein Bürojob wäre nichts für ihn. Sein älterer Bruder ist ebenfalls nach dem Abitur nach Deutschland gegangen. Er ist bei der Bundeswehr.

Von Vreden hat Markus Holtmann bislang vor allem eine Sache mitbekommen. „Vreden ist klein. Wirklich klein“, sagt er und schiebt noch einmal hinterher: „Richtig klein.“ Seine Heimatstadt Johannesburg ist mit 957.000 Einwohnern die größte Stadt Südafrikas.

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