Schuhmacher Anton Völkering aus Vreden macht seinen Beruf zum Hobby

rnAltes Handwerk

Schuhe sind das Steckenpferd von Anton Völkering. Trotz seiner 82 Lebensjahre betreibt der Schuhmacher noch eine kleine Reparaturwerkstatt in Vreden. Er hat seinen Beruf zum Hobby gemacht.

Vreden

, 23.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In dem winzigen Laden an der Gasthausstraße scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Schnürsenkel und Schuhcremetuben liegen im Regal neben dem Schwarz-Weiß-Foto eines Schusters. Gegenüber hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Wenn Opa es nicht reparieren kann, kann es keiner reparieren!“

Auf der anderen Seite, hinter einer Art Raumtrenner, hergestellt aus einem alten Wohnzimmerschrank, sitzt ein Mann mit einer grünen Schürze und einem kaputten Reitstiefel auf dem Schoß: Anton Völkering.

Leidenschaft fürs Handwerk

Völkering macht Dinge wieder ganz, die kaputtgegangen sind, und das schon nahezu sein gesamtes Leben lang. Meistens sind es Schuhe, aber auch Handtaschen, Gürtel und vieles mehr bringen die Kunden in seine kleine Werkstatt. Abgelaufene Absätze, Löcher, loses Innenfutter: all das und noch viel mehr kriegt er wieder hin.

Seine Leidenschaft für das Handwerk begann schon früh. Eigentlich sollte sein älterer Bruder damals das väterliche Schuhgeschäft übernehmen, er interessierte sich jedoch nicht für das Schuhmacherhandwerk. Mit 14 Jahren kam also Anton Völkering in die Lehre bei seinem Vater Hermann Völkering.

Regelmäßig kommt noch der Schusterhammer zum Einsatz, wenn Anton Völkering neue Sohlen befestigt.

Regelmäßig kommt noch der Schusterhammer zum Einsatz, wenn Anton Völkering neue Sohlen befestigt. © Anna-Lena Haget

„Ich hab aber auch vorher schon immer in der Werkstatt gesessen“, erinnert sich der Vredener. Aus Lederflicken habe er schon als Kind Fußbälle für seine Freunde hergestellt.

Das Schuhgeschäft Völkering zog in all den Jahren mehrmals im Stadtgebiet um. Vielen Kunden ist der Laden sicherlich noch in Erinnerung. „Das Schuhgeschäft haben wir dann von Alters wegen aber abgegeben“, erklärt der heute 82-Jährige.

Hobby statt Beruf

„Ist auch nicht mehr ratsam, Schuhmacher zu lernen. Da kann heute keiner mehr von leben“, sagt Anton Völkering, der vor mehr als 60 Jahren seinen Meisterbrief entgegengenommen hat. So ganz von seiner Leidenschaft lassen will er aber immer noch nicht, obwohl er längst das Rentenalter erreicht hat.

Das Schaufenster des Schuhreparaturgeschäfts in der Gasthausstraße

Das Schaufenster des Schuhreparaturgeschäfts in der Gasthausstraße © Bernhard Schlusemann

Ein paar Stunden am Tag öffnet er noch den kleinen Reparaturladen. „Ich will aber auch nicht den ganzen Tag in der Werkstatt sein. Das muss ein Hobby bleiben“, sagt er.

Blick in die Werkstatt

Schließlich gibt es noch andere Dinge, mit denen er sich gerne beschäftigt. Dazu gehören das Singen im Kirchenchor und die Pflege seines idyllischen Gartens hinter dem Haus.

Hinter dem kleinen Ladengeschäft geht es in die „heiligen Hallen“ des Schuhmachermeisters. Vorbei an Regalen voller Ersatzteile, Kanister und fertiger Schuhe, die auf die Abholung warten, führt Anton Völkering den Besucher durch eine Zwischentür in die Werkstatt.

Schuhmachermeister Anton Völkering an einer seiner Maschinen in der Werkstatt.

Schuhmachermeister Anton Völkering an einer seiner Maschinen in der Werkstatt. © Anna-Lena Haget

Eine Ledernähmaschine und Maschinen zum Abschleifen und Polieren tun hier ihren Dienst. Manche schon an die 50 Jahre. Völkering wirft eine der großen Apparaturen an, mit der unter anderem die Sohlenränder geschliffen werden. Lärmend setzt sich die Maschine in Bewegung. „Die kann ich ja vorne gar nicht lassen“, sagt der Schuhmacher.

Vorne im Geschäft kümmert er sich aber auch um die ganz winzigen Dinge, wie spitze Pfennigabsätze von High Heels. Auch Ehefrau Agnes Völkering freut sich, dass ihr Mann eine Beschäftigung hat.

Handwerk gegen Internet

„Wir haben eine Kundin, die lässt sich immer Schuhe aus dem Internet schicken. Die bringt sie dann sofort zum Besohlen, damit die nicht so klackern“, erzählt Agnes Völkering. Dass ihr Mann zum letzten Mal selbst einen Schuh angefertigt hat, ist lange her.

„Das kann man heute gar nicht mehr. Die Zeit, die man da reinsteckt, das lohnt sich gar nicht“, stimmt Anton Völkering zu. Allerdings stellt ihn die heutige Wegwerfgesellschaft auch ab und zu vor Probleme.

Sein kleinster Absatz ist nur wenige Millimeter breit.

Sein kleinster Absatz ist nur wenige Millimeter breit. © Anna-Lena Haget

„Heute gibt es viele billige Schuhe, wo man als Schuster gar nichts mehr dran machen kann“, sagt er. „Dann steht da ein Schild im Schuh: Echt Leder – und dann ist das das einzige Stück Leder, was da überhaupt dran ist“, setzt er lachend hinzu.

In seinem eigenen Schuhschrank, so räumt er ein, gebe es eine ganze Reihe von Schuhen. „Aber einen Schuhtick hab ich nicht!“, stellt der Vredener klar. Denn schließlich weiß er am besten, was zu einem guten Schuh gehört: „Gutes Leder und gute Verarbeitung.“

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