Sieben Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe

Wegen Missbrauchs verurteilt

Zu sieben Jahren und neun Monaten Gefängnis hat das Landgericht am Montag jenen 51-Jährigen aus Vreden verurteilt, der sich über Jahre an den beiden minderjährigen Töchtern seiner Ex-Frau vergangen hat (wir berichteten ausführlich). Die Strafkammer befand ihn des schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern in elf Fällen für schuldig.

VREDEN

von Von Klaus Möllers

, 20.03.2017, 09:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Angeklagt waren ursprünglich über 270 mutmaßliche Taten – vom Ausziehen und Betatschen bis hin zum Geschlechtsverkehr. In den elf Fällen seien nach Auffassung des Gerichts nachweislich Übergriffe von besonderer Schwere geschehen. Von zahlreichen weiteren Taten war die Kammer zwar ebenso überzeugt. Es sei aber „vieles eingestellt“ worden, erklärte der Vorsitzende Richter. Weil es „nicht genau bezifferbar ist“, wann die Übergriffe genau geschehen seien.

Angeklagter widerrief seine Aussagen

Der Angeklagte habe sich selbst keinen Gefallen damit getan, so der Richter, seine Aussage zu widerrufen, die er bei der Polizei gemacht hatte. „Sonst wären sie vielleicht mit fünf bis fünfeinhalb Jahren davongekommen.“ Bei der Polizei hatte er zugegeben, die Mädchen häufig zu sexuellen Handlungen gedrängt zu haben. „Anfassen war üblich in der Wanne“, zitierte der Richter aus der Vernehmung als noch minder schweres Beispiel.

Langer Tatzeitraum

In Sachen Strafmilderung spreche für den 51-Jährigen, dass er nicht vorbestraft sei und als „Erstverbüßer“ mittlerweile sieben Monate in Untersuchungshaft verbracht habe. Gegen ihn wiederum, dass das jüngere Mädchen – bei Beginn der Übergriffe war sie sechs oder sieben Jahre alt, die Schwester neun – eine leichte Behinderung und eine Lernschwäche habe und deshalb womöglich leichter zu beeinflussen gewesen sei, sowie „der lange Tatzeitraum“, sagte der Richter.

„Kein Belastungsmotiv“ 

Eine Anwältin des 51-Jährigen hatte angezweifelt, dass die Mädchen durchgehend die Wahrheit gesagt hätten. Zwischen den Aussagen bei der Polizei und bei Gericht habe es Widersprüche gegeben. Auch dazu nahm die Kammer Stellung: Zum einen habe der psychiatrische Gutachter – „eine Koryphäe auf seinem Gebiet“, betonte der Richter –, keinen Zweifel an der „Aussagetüchtigkeit und an der Glaubhaftigkeit“ der Mädchen bei Gericht gehabt. Zum anderen sähen die Richter „kein Belastungsmotiv“ zuungunsten des Vredeners.

Kinder gezeichnet 

Dass es um „Wichtigtuerei“ der Mädchen gehe, darum, „Aufmerksamkeit zu erhaschen“ oder für das ältere Mädchen, „einen Grund für ihre Depressionen“ vorzugeben, halte die Kammer „für sehr unwahrscheinlich“. Vielmehr seien die heute 15 und 17 Jahre alten Mädchen vom Geschehenen „deutlich gezeichnet“. Dass die beiden Mädchen womöglich nach der Scheidung ihrer Mutter von dem Angeklagten „wegen des Sorgerechts vorgeschickt“ worden seien, um den Vredener zu belasten, sei für das Gericht kein Argument.

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