Spenden füllen alle Räume

Hauswirtschaftslager

Eine Tüte aus Packpapier reiht sich an die nächste. 100 Stück, gefüllt mit dem Nötigsten, was Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Vreden brauchen. Ein hundertfaches Willkommen, das im Keller des Hauswirtschaftslagers liegt.

Vreden

, 23.03.2017, 18:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Wir könnten aus dem Stand 100 Menschen mit dem Nötigsten versorgen", sagt Anne Kaiser. Sie steht eine Etage höher in einem Raum, der einmal ein Wohnzimmer war und jetzt wieder daran erinnert. Die Möbel in der früheren Hausmeisterwohnung der St.-Georg-Schule sind Spenden für die Flüchtlingshilfe. Das Haus selbst dient nicht mehr zum Wohnen: Jeder Raum in Keller und Erdgeschoss stellt Lagerfläche dar.

"Umzug war schmerzhaft"

"Es ist weniger Fläche als die, die wir zur Verfügung hatten", sagt Anne Kaiser. Sie engagiert sich in der Flüchtlingshilfe und hat das Hauswirtschaftslager von Anfang an mit aufgebaut. Was mit einem Abstellraum im Rathaus anfing, wuchs angesichts des Flüchtlingsstroms schnell an. Ein Pavillon an der Georgschule entwickelte sich zum Umschlagplatz für alles, was die Flüchtlinge zum Leben brauchen. Doch der Pavillon ist Geschichte. "Der Umzug war schmerzhaft. Wir mussten viel vernichten, das tat richtig weh", bekennt Anne Kaiser offen.

Mit Freude dabei

Allzuviel Zeit zum Zurückblicken bleibt aber auch an diesem Nachmittag nicht. Es gibt zu tun - und das freut Ragheb Al Husseini ganz besonders. Der junge Syrer hilft seit mehr als einem Jahr mit im Hauswirtschaftslager. Er hat nicht nur den Überblick über den Bestand, er kennt auch alle, die mit dem Lager zu tun haben. "Es macht mir richtig Spaß", sagt der 30-Jährige. Praktisch jeden Tag kümmert er sich mit um die vielen Essgeschirre, Möbel, Haushaltsgeräte und vieles mehr. "So oft kannst du bald nicht mehr hier sein", sagt Anne Kaiser ihm lächelnd. Denn für ihn soll zur Mitte des Jahres ein richtiger Job zum neuen Lebensinhalt werden.

Zu den treuen Helfern unter den Flüchtlingen gehört auch Saeed Qasim. Der 51-Jährige stammt aus dem Irak, wo er ein eigenes kleines Geschäft hatte. Er ist gerne in Vreden. Nette Leute seien das hier, sagt er. Wie Ragheb Al Husseini freut er sich darüber, im Hauswirtschaftslager eine Aufgabe gefunden zu haben.

Gemeinsame Ausflüge

"Wir pflegen die Gemeinschaft", betont Anne Kaiser. Das Team aus Einheimischen und Flüchtlingen hat sogar schon zusammen Ausflüge unternommen oder ist gemeinschaftlich essen gegangen. Alle zusammen bereiten jetzt eine wichtige Aktion vor. Denn beim Heimattag am 9. April bestückt das Hauswirtschaftslager ein leer stehendes Ladenlokal an der Wassermühlenstraße mit gespendeten Bildern; auch werden gegen eine Spende Gartendeko, Blumenvasen und ähnliches angeboten. Der Erlös geht an das Bündnis für Familie und fließt so in die Flüchtlingsarbeit vor Ort in Vreden.

Eigene Wohnung

Davon unberührt geht auch das ganz normale Alltagsgeschäft für die Mitarbeiter weiter. Das hat sich inzwischen in dem Maße gewandelt, in dem die Flüchtlinge in zunehmendem Maße in Vreden angekommen sind. So unterstützt das Lager jetzt etwa mit Mobiliar die Menschen, die nach der Zeit in einer städtischen Unterkunft den Sprung in ein eigenes Mietverhältnis geschafft haben. Die Integration bleibt eben nicht stehen: Sie entwickelt sich Schritt für Schritt weiter.

 

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