Streit in Notunterkunft in Vreden eskaliert – und dann war doch alles anders

rnAmtsgericht

Die Bewohnerin einer Notunterkunft soll einen Mitbewohner angegriffen haben. Das stellte sich als nicht korrekt heraus. Für die Angeklagte ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen.

Vreden

, 02.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vorwürfe, die gegen eine 52-jährige Bewohnerin einer Notunterkunft in Vreden erhoben wurden, waren schon harsch. Am 8. Februar dieses Jahres soll sie einen Mitbewohner mit einem metallischen Gegenstand vor die Stirn geschlagen haben, in der Folge sei es noch zum Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung und Beleidigung gekommen.

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Doch nach Vernehmung des Hauptzeugen wurde das erste Verfahren gegen die Angeklagte eingestellt. Der Vorfall in der Unterkunft hatte sich doch ganz anders dargestellt, als es der Geschädigte bei der ersten Polizeivernehmung geschildert hatte.

Filmriss: „Dann bin ich in der Zelle aufgewacht“

Was war passiert? An jenem Tag sei die Angeklagte permanent vom Zeugen beleidigt worden. Daraufhin habe sie sich mit Alkohol eingedeckt und „abgeschossen“. Ob sie den Mitbewohner, der für sie „wie ein kleiner Bruder“ sei, der aber auch genau wisse, wie „man sie treffen kann“, im Streit verletzt habe, daran konnte sie sich nicht erinnern.

„Ich weiß nichts mehr.“ Erinnern könne sie sich dann wieder an den Moment, in dem Polizeibeamte die Tür zu ihrem Zimmer aufbrachen und sie abführen wollten.

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„Dass ich mich mit Händen und Füßen gewehrt habe, das weiß ich noch. Dann bin ich in der Zelle aufgewacht“, erklärte die 52-Jährige. Sie soll die Beamten „Arschlöcher“ und „Scheiß Bullen“ genannt haben, während der Fahrt zur Polizeiwache sollen die Beleidigungen fortgesetzt worden sein.

Nachdem sie sich aus einer Handfessel mit einer Hand hat befreien können, soll die Angeklagte eine neben ihr sitzende Polizeibeamtin tätlich angegriffen haben. Diese trug Prellungen und Hämatome davon, ein ganzes Haarbündel war ihr ausgerissen worden.

Angeklagte kündigt entlastende Aussage an

Drei Stunden nach den Taten war bei der Angeklagten ein Blutalkoholwert von 1,15 Promille nachgewiesen worden. Für den Richter – auch zusammen mit einer geringen Menge an Cannabis im Blut – eigentlich „zu wenig für einen Filmriss“.

Die 52-jährige Witwe gab an, wegen eines Alkoholproblems schon drei Entzüge erfolglos gemacht zu haben. Sie trinke aber nun keinen Schnaps mehr. „Ich habe etwas gemacht, es tut mir leid“, sagte sie in Bezug auf die Vorwürfe im zweiten Vergehen. Sie kündigte aber an, dass der betroffene Mitbewohner sie in seiner Aussage entlasten werde.

Zeuge habe Aussage bei Vernehmung so nie getätigt

Und so kam es dann auch: An einen Schlag gegen die Stirn konnte sich der 37-jährige Geschädigte nicht mehr erinnern – eine „glatte Falschaussage der Polizeibeamten“, das hätte er niemals zu Protokoll gegeben.

Stattdessen sei er von einem Glas, dass die Angeklagte in Rage geworfen habe, am Fuß getroffen und von Sanitätern versorgt worden: „Keine Absicht, ein Unfall. Sie hatte lediglich einen über den Durst getrunken.“

Eigentlich wolle er auch gar nicht, dass „sie dafür bestraft werde“. Einen Strafantrag habe er auch gar nicht gestellt.

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Aufgrund dessen zeigten sich Richter und Staatsanwalt bereit, das erste Verfahren einzustellen. Verantworten muss sich die 52-Jährige allerdings an einem weiteren Verhandlungstermin noch wegen des zweiten Vorwurfs, dem Widerstand gegen die Vollstreckungsbeamten. Da in der Zwischenzeit ein weiteres Verfahren anhänglich geworden ist, wird dies an dem Termin gleich mitbehandelt.

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