Taxi-Räubern drohen Haftstrafen

Plädoyer der Staatsanwaltschaft

VREDEN Jetzt wird es ernst. Im Prozess um drei bewaffnete Raubüberfälle auf Vredener Taxifahrer hat die Staatsanwaltschaft Münster gestern ausnahmslos Gefängnisstrafen beantragt.

30.07.2009, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der mit 18 Jahren jüngste Angeklagte soll drei Jahre in Haft, der älteste (26) sogar sieben Jahre. Für die beiden 20-Jährigen wurden jeweils zwei Jahre und drei Monate Haft beantragt. "Es waren keine Augenblicks taten", sagte die Staatsanwältin. Alles sei sorgfältig geplant gewesen.

Wie berichtet hatten die vier jungen Männer zwischen April 2008 und Januar 2009 drei Vredener Taxifahrer und einen Borkener Verbrauchermarkt überfallen. Die Angeklagten waren maskiert, hatten immer eine Gaspistole, einmal sogar auch noch einen Teleskopschlagstock dabei. "Ihr Vorgehen war brutal und erschreckend", sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Dabei sei die Beuteerwartung relativ bescheiden gewesen. Bei den Raubüberfällen auf die Vredener Taxifahrer ging es um wenige hundert Euro Beute und ein paar Handys, im Verbrauchermarkt um knapp 3000 Euro.

Die Motive der vier jungen Männer bleiben allerdings auch weiterhin rätselhaft. Alle kommen aus ganz normalen Familien, waren sozial integriert, zwei wollen sogar studieren. Nicht einmal Geldnot hat in ihren Fällen eine Rolle gespielt. "Vielleicht war es die Gruppendynamik", sagte einer der 20-Jährigen im Prozess am Landgericht Münster. "Wahrscheinlich wollte man kein Außenseiter sein und hat sich deshalb mitreißen lassen."

Unverständnis

Richter Franz-Joseph Kliegel machte seinem Unverständnis gestern gleich mehrfach Luft. Wörtlich sagte der Vorsitzende der 3. Strafkammer: "Man kann das nicht begreifen. Sie haben alle einen ganz normalen Lebenslauf. Und jetzt haben Sie sich die ganze Zukunft kaputt gemacht."

Und damit könnte der Richter tatsächlich Recht behalten. Vor allem für einen der 20-jährigen Vredener, der sich zurzeit noch auf freiem Fuß befindet, könnte eine Gefängnisstrafe bitter werden. Er hat gerade erst einen Ausbildungs-Vertrag unterschrieben, will nächste Woche seine Lehre beginnen.

Der Prozess wird schon heute mit den Plädoyers der Verteidiger fortgesetzt. Das Urteil soll voraussichtlich am 7. August gesprochen werden. Jörn Hartwich

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